Leonberg Immer mehr Ja-Sager im Museum

Von Ulrike Otto 

Seit einem Jahr werden auch dort Trauungen angeboten. Gerade wer betagtere oder gehbehinderte Gäste hat, zieht die alte Lateinschule dem historischen Rathaus vor. Doch auch in den drei Teilorten kann geheiratet werden.

  Foto: factum/Archiv
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Leonberg - Es soll der schönste Tag im Leben eines Paares sein – der Hochzeitstag. Dumm nur, wenn die Oma mit ihrem Rollator die enge Wendeltreppe im Alten Rathaus am Leonberger Markt nicht hochkommt. Und der Onkel im Rollstuhl gleich gar nicht. Oder die ganze Hochzeitsgesellschaft nach der standesamtlichen Trauung im Trubel des Wochenmarktes zwischen Obst und Gemüse landet.

Seit einem Jahr bietet die Stadt Leonberg deshalb einen weiteren Trauort an: den Schelling-Gedenkraum im Stadtmuseum. „Bis Ende August werden dort 20 Trauungen sowie eine Lebenspartnerschaft stattgefunden haben“, berichtet der Leiter des Ordnungsamtes, Jürgen Beck, der auch das erste Paar im vergangenen August getraut hatte. Die Nachfrage nehme stetig zu. „Im Unterschied zum historischen Rathaus ist der Schelling-Gedenkraum kleiner, dafür aber heller, offener und gewissermaßen privater, auch weil hier kein Publikumsverkehr stattfindet“, nennt Beck die Vorzüge. Zudem sorgten die wechselnden Ausstellungen für ein besonderes Ambiente im Raum. Doch auch der Vorgarten komme gut an, egal ob bei den Hochzeitsfotos, beim anschließenden Sektempfang oder bei den ganz kleinen Gästen.

Nach Zahlen des Standesamtes wurden im vergangenen Jahr 164 Ehen in Leonberg geschlossen. In diesem Jahr gab es bereits 119 Trauungen. Die Hochzeit für Hochzeiten ist dabei immer von April bis September. Aber auch im Dezember werde noch häufig geheiratet. „Am Samstag, 2. August, fanden insgesamt acht Trauungen statt – das ist ein neuer Rekord“, vermeldet der Ordnungsamtsleiter, zu dessen Verwaltungsbereich auch das Bürger- und das Standesamt zählen. Doch nicht nur im Alten Rathaus und im Stadtmuseum kann in Leonberg der Bund fürs Leben geschlossen werden, sondern auch in den drei Teilorten. In Warmbronn steht dafür das Christian-Wagner-Haus zur Verfügung, in Gebersheim das Bauernhausmuseum und in Höfingen gleich zwei Lokalitäten: Zum einen unter dem Dach des alten Rathauses und zum anderen in der Kurfiß-Scheuer. „Je mehr Angebote wir den Paaren machen können, umso besser. Dann heiraten die Leute auch in Leonberg“, sagt Beck.

In den Teilorten heirateten aber vor allem Menschen, die einen besonders starken Bezug zu diesem Stadtteil haben. „Erst letztens wurde im Rathaus in Höfingen ein Paar getraut, bei dem die Großeltern des Bräutigams bereits dort geheiratet hatten“, erzählt Leonbergs oberster Standesbeamte. Zwar passen in den kleinen Raum nur etwa 15 Leute hinein. Dafür sei die Atmosphäre umso kuscheliger. Auch eine echte Hexen-Hochzeit hatte es im Februar dort gegeben: Zwei Mitglieder der Gebersheimer Leicha-Hexa hatten sich das Ja-Wort gegeben – im Häs, aber ohne Masken. Denn immerhin muss der Standesbeamte ja erkennen, wen er da traut.

Diesen Part hatte damals die Höfinger Ortsvorsteherin Bärbel Sauer übernommen. In der Regel werden die Trauungen in den Teilorten von den Ortsvorstehern übernommen. Das wird sich laut Jürgen Beck aber vom kommenden Jahr an ändern. Zwar können Paare weiterhin in Gebersheim, Höfingen oder Warmbronn heiraten. Nur werden die Eheschließungen dann von Mitarbeitern des Standesamtes geleitet. „Wir wollen damit die Ortsvorsteher Bärbel Sauer und Wolfgang Kühnel entlasten“, erklärt der Ordnungsamtsleiter.

So ist das Amt der Höfinger Ortsvorsteherin eine 50-Prozent-Stelle. Wolfgang Kühnel hingegen bekleidet zwar eine volle Stelle, die sich aber zu je 30 Prozent auf die Ortsvorsteher-Position in Gebersheim sowie Warmbronn verteilt und die übrigen 40 Prozent auf Tätigkeiten im Hauptamt entfallen. Die meisten Paare heirateten jedoch an Samstagen und dies stelle natürlich für die Ortsvorsteher zeitlich eine zusätzliche Belastung dar.

Heiraten in Leonberg

Ja-Sager
: 2013 wurden 164 Ehen geschlossen. Davon entfielen auf die Teilorte Warmbronn, Höfingen und Gebersheim je vier. Bis einschließlich 12. August fanden in diesem Jahr in Leonberg bereits 119 standesamtliche Trauungen statt. Davon wurden vier Paare in Höfingen getraut, drei in Warmbronn und eines im Leonberger Teilort Gebersheim.

Trauzimmer: Der Trausaal des Standesamtes Leonberg befindet sich im zweiten Stock des Alten Rathauses und bietet 29 Sitzplätze. Im Schelling-Gedenkraum im Stadtmuseum finden bis zu 40 Personen Platz. Geheiratet werden kann außerdem in Warmbronn im Christian-Wagner-Haus, in Gebersheim im Bauernhausmuseum sowie in Höfingen im dortigen Alten Rathaus und in der Kurfiß-Scheuer.




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