Leonberg Keine Einhörner, dafür Schwäbisch-Nachhilfe

Von Ulrike Otto 

Maflz-Bandwettbewerb: Die Beidschaschdegga gewinnen die Herzen der Zuschauer. Die Jury überzeugt dagegen Dead Man’s Hand.

Simeon müssen als Erste auf die Bühne und haben es schwer. Foto: factum/Granville 8 Bilder
Simeon müssen als Erste auf die Bühne und haben es schwer. Foto: factum/Granville

Leonberg - Die Stimmung auf dem Strohländle ist auf dem Höhepunkt. Da betritt Thomas Felger von den Beidschaschdegga den Laufsteg der Bühne, packt seinen etwas ungelenken Hüftschwung aus und singt auf den typischen Rhythmus eines Blues „Dem Elvis sei Oma – au!“ Das Publikum zwischen den Strohballen tobt und applaudiert. Ganz klar: Die Herzen der Zuschauer haben die beiden Leonberger – pardon, einer ist ja „Heeefinger“ – mit ihren schwäbischen Lach-Nummern auf jeden Fall für sich gewonnen. Schon bei ihrem ersten Beitrag, dem Hank-Häberle-Klassiker „Schwartemage“ ist den Zuhörern das Schwabenherz aufgegangen – und sicher auch der „Schwabemage“, wie es im Lied heißt. Für alle „Reigschmeckten“ gibt es dagegen 30 Minuten lang Schwäbisch-Nachhilfe.

Jury und Publikum entscheiden zu gleichen Teilen

Doch beim Maflz-Bandwettbewerb, dessen Finale am Samstag beim Strohländle ausgetragen wurde, zählt die Meinung des Publikums eben nur die Hälfte. Denn da ist auch noch die Jury, die über die Qualität der Lieder, des Vortrags, über Originalität und Eigenleistung abstimmt, um nur ein paar der selbst gesetzten Kriterien zu nennen. „Bei mir haben sie auf jeden Fall gewonnen“, meint Juror Till Mayer (Heckengäu Contest). „Mit acht, neun Jahren habe ich das erste Mal bei einem Konzert auf der Bierbank gestanden – und das war bei Hank Häberle.“ Die anderen Juroren beeindruckt der mitreißende Auftritt der sehr unterhaltsamen Schwaben durchaus. Doch vermissen sie ein wenig die eigene Leistung. Denn die übrigen drei Bands treten allesamt mit Eigenkompositionen auf.

Nachdem die Reihenfolge vor Konzertbeginn ausgelost worden ist, machen Simeon aus Stuttgart den Anfang. Luftig leicht fliegen die Trompeten-Soli über die Engelbergwiese, die Gruppe punktet nicht nur mit ihrem ungewöhnlichen Funky Pop, sondern auch mit witzigen und ironische Texten – ein richtiger Gute-Laune-Start. Ob es an dem frühen Beginn liegt, dass Simeon beim Publikum die wenigsten Stimmen sammelt?

Ironisch gemeint ist auch das Intro von Dead Man’s Hand. Die Leonberger stimmen mit viel Gitarre „My heart will go on“ von Celine Dion an. Was dann folgt, ist rockig und handgemacht. Südstaaten-Hard-Rock mit tollen Soli von Gitarrist Daniel Müller und der angenehm rauen Stimme von Sänger Felix Roick. „Habt ihr Bock, mit uns zu feiern?“, fragt Felix. Hat das Publikum und gibt den Rockern vom Engelberg die zweitmeisten Stimmen.