Leonberg Pomeranzengarten ist in Familienhand

Von Ulrike Otto 

Das Kleinod am Fuße des Schlosses erfordert viel Arbeit. Darum kümmern sich das ganze Jahr Jana und Volkmar Hubbes, die beim städtischen Bauhof angestellt sind. Von Donnerstag bis Sonntag gibt es einige Veranstaltungen rund um das Gartendenkmal.

Damit die Blumen richtig schön zur Geltung kommen, zupft Volkmar Hubbes Unkraut. Foto: Ulrike  Otto
Damit die Blumen richtig schön zur Geltung kommen, zupft Volkmar Hubbes Unkraut. Foto: Ulrike Otto

Leonberg - Die Kamera summt kurz, dann macht es klick, klick, klick. Der Pomeranzengarten ist wohl das beliebteste Fotomotiv der Leonberg-Besucher – und mit seiner Blütenpracht auf jeden Fall eines der schönsten. Doch so viel Schönheit bedarf viel Pflege. Und die liegt in Leonberg in Familienhand. Jana und Volkmar Hubbes kümmern sich als Angestellte des städtischen Baubetriebshof um das Kleinod. Dabei hat die Diplom-Ingenieurin für Gartenbau den Hut auf. „Meine Frau ist als Teamleiterin hauptverantwortlich“, sagte Volkmar Hubbes, der an diesem Tag allein das Unkraut rupft. Seine Frau hat frei. Kennengelernt haben sich die beiden auch bei der Arbeit im und am Pomeranzengarten. „Wir sind quasi ein Familienbetrieb. Wir identifizieren uns so sehr mit dem Pomeranzengarten, dass wir immer sagen: Das ist unser Garten“, erzählt Volkmar Hubbes.

Von Anfang März bis in den November hinein, manchmal sogar bis in den Dezember, kümmern sie sich um das Gartendenkmal, das einst von Heinrich Schickhardt erdacht wurde. Dabei ist das Hubbes’sche Reich viel größer als die rund 2000 Quadratmeter zwischen den vier Eckpavillons, die gemeinhin als Pomeranzengarten angesehen werden. Alles Grün rund ums Schloss sowie der kleine Park unterhalb gehören ebenfalls dazu. Mit diesen 24 000 Quadratmetern haben die beiden Gärtner alle Hände voll zu tun.

Im Frühjahr müssen zuerst die Winterschäden begutachtet werden. Dann werden die Sträucher gepflegt. Die Früh- und Frühjahrsblüher, die derzeit in allen möglichen Farben leuchten, wurden bereits im Herbst gepflanzt. Knallrote Tulpen, leuchtend weißer Bellis oder strahlend-lilafarbene Stiefmütterchen zieren die kleinen Beete. Doch ihnen stehen nur noch wenige Wochen bevor. Am 11. Mai müssen sie dem sogenannten Sommerflor Platz machen. Denn immerhin soll es ja während der gesamten Saison blühen. Die Blumen sind ohnehin nur einjährige Pflanzen.

Welche Pflanze wo hinkommt und welche überhaupt im Pomeranzengarten wachsen darf, ist in Pflanzungsplänen festgehalten. Diese werden vom Land Baden-Württemberg erstellt, dem der Garten gehört. Das Land ist für alle baulichen Dinge zuständig, währen die Stadt Leonberg sich um die Gestaltung kümmert. Dafür gibt die Verwaltung jährlich 150 000 Euro aus, inklusive Personal- und Sachkosten sowie für kleinere Reparaturen.

Die Pflanzen im Pomeranzengarten müssen einiges abkönnen, erklärt Volkmar Hubbes. „Immerhin sind sie den ganzen Tag der prallen Sonne ausgesetzt“, sagt er. Sträucher und Hecken müssen die Schnitte gut vertragen. Und auch Kräuter den Winter überdauern. Eine Sonderbehandlung bekommen dagegen die namensgebenden Pomeranzen. Denn die schlummern noch in ihrem Winterquartier bei einem Gärtner in Stuttgart. „Da warten wir, bis die Eisheiligen vorbei sind, und schauen dann aufs Wetter. Die Pomeranzen vertragen keinen Frost“, berichtet Hubbes. Geplant ist, die Pflanzkübel mit den Pomeranzen am 18. Mai wieder in den Garten zu stellen. Zu den „Frühlingstagen im Pomeranzengarten“, die morgen beginnen und bis Sonntag dauern (siehe zweite Seite), sind sie also noch nicht zu sehen.

Auch wenn die kleinen Stämmchen später Früchte tragen – essen sollte man sie nicht. Erstens ist es nicht erlaubt, Pflanzenteile abzureißen. Und zweitens: „Sie sind sehr sauer. Eine Zitrone ist eine Süßspeise dagegen“, sagt der Gärtnermeister, der die Bitterorangen-Art selbst ausprobiert hat. Geeigneter sind die Zitrusfrüchte dagegen für Spirituosen oder Marmelade. Aus der Schale lässt sich Orangeat herstellen, aus Blüten und Blättern destillierte man früher Heilextrakte.

Eine Lieblingspflanze kann Volkmar Hubbes auf die Schnelle nicht nennen. „Es ist das ganze Jahr über ein Happening“, meint er. Ständig wachse und blühe etwas anderes. Einen Höhepunkt kann der gelernte Baumschulgärtner aber doch nennen: die Blüte der japanischen Kirschbäume im unteren Teil. „Ganz viele Leute kommen nur deshalb nach Leonberg“, weiß er aus Erfahrung. Seit 2008 arbeitet der gebürtige Aachener in Leonberg, seine Frau Jana sogar schon seit 2002.