Obwohl er in der Gegend als ausgestorben gilt, haben die Schlammbrüder im Kammerforst einen Hirschkäfer gefunden. Sie wollen dort nun einen zweiten Meiler als Nahrung für Larven anlegen. Gesichtet wurde auch ein äußerst seltener Falter.

Leonberg - Auch wenn sie rar sind – das sind die Augenblicke, die die Frauen und Männer der Eltinger Umweltgruppe alle Mühe vergessen lassen. Dieses Jahr durften sie sich sogar über zwei seltene Gäste in ihren Gefilden freuen: den Hirschkäfer und die Spanische Flagge.

Otto Will hat nicht schlecht gestaunt. Beim allwöchentlichen Arbeitseinsatz mit den „Schlammbrüdern“, der Arbeitsgruppe Umwelt im Bürgerverein Eltingen, war er mit Ortwin Rau im Wald unterwegs. Springkraut roden war angesagt. Als die beiden mit Ausrupfen des ungeliebten Einwanderers beschäftigt waren, entdeckte er auf dem Waldboden plötzlich einen Hirschkäfer, ein stattliches Männchen mit fast acht Zentimetern Körperlänge.

Vermodernde Eichenreste gibt es nur noch selten

„Das ist umso bemerkenswerter, als nach übereinstimmender Ansicht der Hirschkäfer-Experten unter den Biologen zwischen dem südlichen Schönbuchrand und dem Stromberggebiet keine Hirschkäferpopulation mehr zu finden ist“, erläutert Michael Kast, der Sprecher der Umweltgruppe. Durch das „Aufräumen“ der heutigen Wirtschaftswälder sind vermodernde Eichenreste oder alte Eichenstubben nur noch selten und damit haben die Hirschkäferlarven keine Nahrung mehr. Wo sie noch zu finden sind, leiden sie unter der Zunahme ihrer ärgsten Fressfeinde, den Wildschweinen. Denen fällt das Ausgraben der nahrhaften Larven nicht schwer.

Um dem abzuhelfen, haben die „Schlammbrüder“ schon 2010 einen großen Hirschkäfermeiler im Kammerforst gebaut. In mehr als 100 Arbeitsstunden wurden unter Mithilfe des städtischen Forstbetriebes dicke, alte Eichenstämme in die Erde gegraben. Die Zwischenräume wurden mit Eichensägemehl verfüllt und durch Eichenstämme und Äste abgedeckt. So schufen sie ein großes Nahrungsangebot für die Hirschkäferlarven, das zudem für Wildschweine unerreichbar ist.

„Die Hoffnung, dass es einmal als Kinderstube für Hirschkäfer dienen würde, war allerdings nicht sehr groß, weil es laut Experten selbst in der weiteren Umgebung keine Hirschkäferpopulationen mehr geben soll“, so Kast. Um so größer sei natürlich die Freude der Gruppe, dass in der Nähe des Meilers offensichtlich doch eine – vermutlich kleine – Restpopulation überlebt hat. Sollte diese für ihre Larven tatsächlich den Meiler entdecken und nutzen, könne mit einer Stabilisierung dieser Population und einer Zunahme der Hirschkäfer im Kammerforst gerechnet werden. Um dies zu unterstützen, wird die Gruppe in direkter Nähe zum Fundort noch einen zweiten Hirschkäfermeiler bauen.

Schlammbrüder waren dieses Jahr 1000 Stunden in Aktion

Die zweite Überraschung haben die „Schlammbrüder“ am vergangenen Mittwoch erlebt, als sie gerade die 1000. Arbeitsstunde in diesem Jahr leisteten. Seit zwei Jahren kümmern ich die Mitglieder der Gruppe schwerpunktmäßig vor allem um den Schutz der heimischen Schmetterlinge. „Dazu gehörte auch, Wasserdost in den meisten unserer Biotope anzupflanzen“, so Michael Kast. Diese Pflanze ist bevorzugte Futterpflanze für viele Falterarten und zieht diese gewissermaßen magisch an. Vor allem die seltene Spanische Flagge, auch als Russischer Bär bekannt, liebt diese Blüten als Nektarquelle. „Allerdings war dieser nicht häufig anzutreffende Falter bis jetzt noch nie in unseren Biotopen aufgetaucht“, sagt Kast. In diesem Jahr sind nun am Tiefenbach-Biotop und bei den Laichgewässern für Amphibien auf der ehemaligen Deponie Rübenloch mehrere Wasserdostpflanzen erblüht.

„Und was niemand gehofft hat, trat ein“, sagt der Sprecher der Umweltgruppe noch immer fasziniert. „Ausgerechnet am Tag unseres Arbeitsstundenjubiläums, entdeckten wir sowohl im Naturdenkmal Tiefenbach als auch auf der ehemaligen Deponie an den Wasserdostpflanzen jeweils eine Spanische Flagge!“ Die meisten „Schlammbrüder“ hatten diesen Falter vorher noch niemals gesehen. „Umso größer war deshalb unsere Freude und um so befriedigender das Gefühl, wieder erfolgreich etwas für den Erhalt der Artenvielfalt geleistet zu haben“, sagt Kast.