Leonberg verliert eine Kultkneipe Das Domizil sagt zum Abschied laut Servus
Eine 33-jährige Kneipengeschichte geht in Leonberg am Samstag zu Ende. Das Domizil, beliebter Treff nicht nur für junge Leute, schließt mit einer großen Party.
Eine 33-jährige Kneipengeschichte geht in Leonberg am Samstag zu Ende. Das Domizil, beliebter Treff nicht nur für junge Leute, schließt mit einer großen Party.
Der Spruch auf der Tafel neben der Theke hat den Charakter eines Vermächtnisses: „Schön, dass du da bist und uns zu dem gemacht hast, was wir sind.“ Fast prosaisch verabschiedet sich das Domizil-Team in der Leonberger Altstadt von seinen Gästen. Am Samstag gibt es noch eine große Party, dann ist Schluss – nach 33 Jahren.
Lothar Mattner, von Anfang an der Chef hinterm Tresen , bleibt trotz der langen Jahre keine Zeit für Wehmut: „Es ist einfach noch viel zu tun. Außerdem habe ich schon so oft getrauert.“
Denn der endgültige Abschied der kultigen Kneipe, die vor allem, aber nicht nur, ein beliebter Treffpunkt für ein jüngeres Publikum ist, zieht sich schon länger hin.
An Silvester 2022 teilte der damalige Eigentümer seinen Mietern mit, dass er das fast 500 Jahre alte Haus verkaufen will. Lothar Mattner und seine Frau Marie hätten gerne zugegriffen. Doch eine Investmentgesellschaft war schneller. Und die hatte andere Pläne. Den Gewölbekeller, in dem die Mattners regelmäßig Konzerte oder politische Kabarettabende veranstaltet hatten, sollten sie abgeben. „Damit wäre uns ein zentrales Standbein weggebrochen“, sagt der Gastronom und Fußballtrainer, der vor elf Jahren das Lokal am Marktplatz komplett renoviert hatte und dann dort eingezogen war.
In den zähen Verhandlungen zeichnete sich immer deutlicher ab, dass die generationenübergreifende Gastronomie, die die Familie Mattner praktiziert, am Marktplatz keine Zukunft mehr hat. „Das tut schon sehr weh“, sagt der 59-Jährige. „Das Domizil war mein Lebenswerk.“ Denn der Gastronom, der eine zweite Karriere als professioneller Fußballlehrer hinter sich hat, will sein Lokal mehr als Wohnzimmer verstanden wissen. „Ich habe bewusst den Namen gewählt. Es war immer meine Intention, für alle da zu sein.“
Davon zeugen unter anderem das große Regal mit an die hundert Gesellschaftsspielen und viele Bilder, die bekannte Leonberger zeigen, die sich allesamt im Domizil wohlgefühlt haben. Besonders auch an den Abenden, an denen am Marktplatz das beliebte Pub-Quiz über die Bühne ging, seit vielen Jahren ehrenamtlich moderiert von unserer Redakteurin Ulrike Otto.
Angefangen hatte es Anfang der Neunziger in der Friedensstraße, unweit des Leo-Centers. „Das war im Grunde eine reine Fußballerkneipe“, erinnert sich der frühere Trainer. Der Durchbruch kam dann mit dem Umzug in die Römerstraße in ein Lokal, in dem heute türkische Speisen angeboten werden. „Da haben wir unseren Umsatz verdreifacht“, sagt Mattner. „Das Leo-Center war in der Nähe, der Bahnhof, die Schulen. Das hat wahnsinnig viel ausgemacht. Das hatte ich früher erst gar nicht bedacht.“
Dann der Sprung in die Altstadt, und dort in die Hintere Straße. Ein großer Laden und noch einmal mehr Publikum. Aber auch dauerhafter Ärger mit den Anwohnern. Probleme, die es am Marktplatz selbst nicht gibt: „Hier läuft alles friedlich. Wir haben ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn.“
Politisch betrachtet ist das Domizil ein wichtiger Frequenzbringer für den gesamten Marktplatz. Ein Bierchen im Domizil, danach einen Happen beim Griechen oder Italiener. Und umgekehrt. Die Gastronomen haben voneinander profitiert. Fällt jetzt also ein zentraler Eckpfeiler des Projektes „Marktplatzbelebung“ ersatzlos weg? Lothar Mattner hofft nicht: „Unter meinen älteren Stammgästen gibt es einige, die sich vorstellen könnten, das Domizil in unserem Sinne weiterzubetreiben. Es würde mich freuen, wenn ich dann hier immer mal wieder als Gast einkehren könnte.“
Wenn er dafür Zeit hat. Denn aus der Gastronomie zieht sich Mattner nicht zurück. Schon vor einem knappen Jahr hatten er und seine Frau die Gaststätte des SV Leonberg/Eltingen am Engelberg übernommen. Hier gibt es regionale Küche und im Sommer eine große Terrasse mit Blick in die Natur.
Die Anfangszeiten, in denen die Gäste im in der Friedensstraße quasi Lothar Mattners Familie waren, sind vorbei. Mit seiner Marie hat er mittlerweile drei Jungs. „Da ist der Engelberg, wo wir auch wohnen, natürlich sehr viel familienfreundlicher. Dort ein Lokal aufzumachen, war die beste Entscheidung“, sagt er und meint damit nicht nur die eigene Familie. Denn auch unterhalb des Turms sind Gäste aller Altersklassen willkommen. Gespielt werden kann dort natürlich ebenfalls. Die Spielesammlung vom Marktplatz hat bald sozusagen ein neues Domizil.
Abschiedsparty mit der Liveband Mattheo & Die Bringer und Partysound von DJ Alex. Samstag, 24. Februar, im Domizilkeller, Marktplatz.