Leonie Benesch zu „Der Schwarm“ „Wir müssen jetzt handeln!“

Leone Benesch als Meeresbiologiestudentin Charlie Wagner in „Der Schwarm“. Foto: ZDF/Stefano Delia

Leonie Benesch spielt im ZDF-Öko-Thriller „Der Schwarm“ eine Biologin. Gibt es angesichts der Klimakrise noch Hoffnung für die Menschheit? Und ist die Serie nach Frank Schätzings Besteller aus dem Jahr 2004 nur Science-Fiction? Im Interview gibt die 31-Jährige, die in Tübingen aufgewachsen ist, Antworten.

Freizeit & Unterhaltung : Gunther Reinhardt (gun)

Leonie Benesch fühlte sich wahnsinnig schlau, als sie als 13-Jährige im Jahr 2004 Frank Schätzings Öko-Thriller „Der Schwarm“ las. Jetzt spielt sie eine schlaue Wissenschaftlerin in der Serienfassung, die deutlich macht, wie aktuell der Stoff heute erst recht ist. Von diesem Montag an ist die Serie im ZDF zu sehen.

 

Frau Benesch, Sie sind in Tübingen aufgewachsen, richtig?

Ich habe fünf Jahre dort gelebt und mein Abitur gemacht. Danach bin ich weggezogen. Die Jahre als Teenager sind aber schon prägend. Ich bin in Tübingen das erste Mal ausgegangen, ich habe dort die erste Zigarette geraucht. Solche Geschichten. Es war eine aufregende Zeit.

Es war wahrscheinlich auch die Zeit, in der Sie das erste Mal Frank Schätzings Roman „Der Schwarm“ begegnet sind. Das Buch erschien im Jahr 2004. Da waren Sie 13.

Ja, ich habe es gleich gelesen, als es herauskam. Als ich damit durch war, war ich total begeistert, weil ich dachte: Jetzt verstehe ich Wissenschaft. Ich habe mich wahnsinnig schlau gefühlt.

Und jetzt dürfen Sie eine der schlauen Protagonistinnen der Geschichte spielen: eine Meeresbiologiestudentin – ein neuer Typ Wissenschaftlerin.

Charlie Wagner steht für die jüngere Generation, die ungeduldig ist und sagt: Hier sehen wir das Problem! Warum machen wir jetzt nichts? Warum müssen wir das ganze Prozedere nach wie vor durchgehen, wir ihr das immer so gemacht habt? Wir müssen jetzt handeln!

Und haben Sie selbst noch Hoffnung? Bekommen wir das noch hin?

Die Frage stelle ich mir regelmäßig selbst. Ich lande dann immer wieder bei Hoffnungsträgern wie Greta Thunberg oder den Fridays-for-Future-Aktivistinnen und-Aktivisten. Eine Freundin von mir hat gerade an einer Dokumentarserie gemacht, die „Wir können auch anders“ heißt. Da werden die Ideen von Maja Göpel aufgegriffen. Es werden verschiedene Orte in Deutschlands oder der Schweiz besucht, in denen Menschen schon sehr einfach Dinge anders machen und zeigen: es geht. Das Argument ist ja immer, es ist zu teuer, oder das hält die Wirtschaft nicht aus. Das ist Quatsch! Ein paar sehr verfahrene alte, reiche Strukturen und wenige Menschen, die davon profitieren, die einfach eine wahnsinnig starke Lobby betreiben, sind dafür verantwortlich, dass die Dinge so bleiben, wie sie sind. Aber es geht auch anders. Zumindest an manchen Tagen glaube ich das. Und an anderen Tagen denke ich: Wenn übermorgen alles vorbei ist, dann hat mein Leben zumindest Spaß gemacht.

Dazu passt, dass die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in „Der Schwarm“ nicht nur ungeduldiger als die Forscher von früher sind. Für sie ist der Job auch nicht alles.

Ja, die jüngere Generation denkt anders. Ich kenne zwar nicht so viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Aber ich bekomme das im Filmbusiness mit. Ich finde es total berechtigt, sinnvoll und richtig, dass junge Leute nicht mehr fünf Jahre umsonst als Set Runner arbeiten, um 5 Uhr aufstehen und Kaffee holen wollen, nur um einen Fuß in der Tür zu haben. Sie wollen ordentlich bezahlt werden und mindestens fünf Stunden Schlaf bekommen.

Frank Doelger, der Showrunner von „Der Schwarm“, hat gesagt, dass die Serie ein Monsterfilm sei, in dem die Menschen die Monster sind. Sind Menschen Monster?

Ich denke schon, dass der Mensch an sich in der Geschichte als das Monster dargestellt wird. Und auch zu Recht. Ich würde nicht sagen, dass alle Menschen schrecklich sind. Es gibt ja großartige intelligente, kluge, empathische, liebevolle Menschen, die gute Sachen vorhaben und Dinge anders machen wollen. Und in der Serie sind das hauptsächlich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die dem Unbekannten mit Verständnis begegnen wollen und es nicht gleich als Bedrohung betrachten. Aber wenn man sich so ansieht, was wir alles kaputt machen, finde ich den Gedanken, dass wir das Monster sind, sehr naheliegend. Sowohl in der Serie als auch vor allem in der Realität.

Ist „Der Schwarm“ nur Science-Fiction?

Na ja, letzten Sommer wurden ja Boote von Orcas angegriffen. Das war real. Wir leben in seltsamen, verrückten Zeiten. Es passieren Dinge, die wir uns vor 15, 20 Jahren nicht hätten vorstellen können. Und ich weiß nicht, wie das in einigen Jahren aussieht. Das wirkt alles nicht mehr so weit hergeholt wie vielleicht damals, als Frank Schätzing den Roman geschrieben hat. Damals haben die Menschen. wenn sie in den Urlaub gefahren sind und das Buch gelesen haben, zwar gesagt, dass sie das Meer auf einmal anders betrachtet haben – aber das war totale Science-Fiction. Heute hält man das nicht mehr für absurd.

„Der Schwarm“ ist eine europäische Großproduktion mit vielen beteiligten Sendern, Produzentinnen und Produzenten. Das klingt nach viel Ärger.

Beim Dreh hat man davon nichts mitbekommen, die kommen sich ja alle irgendwo anders ins Gehege. Das wurde von uns ferngehalten. Die Meinungsverschiedenheiten äußerten sich bei uns Schauspielerinnen und Schauspielern am ehesten noch darin, dass wir immer wieder neue Drehbuchfassungen bekommen und es irgendwann kaum noch neue Farben für die Änderungsmarkierungen gab, worüber wir uns alle immer wieder lustig gemacht haben. Die Änderungen waren allerdings immer zum Besseren hin. Es hat sich gelohnt.

Auf der Berlinale waren Sie nicht nur als Wissenschaftlerin in „Der Schwarm“, sondern auch als Lehrerin in dem Film „Das Lehrerzimmer“ zu sehen. Bekannt geworden sind Sie aber vor allem durch Rollen in historischen Stoffen: in Michael Hanekes Film „Das weiße Band“ oder in der Serie „Babylon Berlin“.

Michael Haneke hat damals gesagt, dass es eine bestimmte Art von Gesichtern gibt, die auch aus einer anderen Zeit stammen könnten, und moderne Gesichter, die, die nicht in einen Film passen würden, der vor Beginn des Ersten Weltkriegs spielt. Und bei meinem Gesicht fand er offensichtlich, dass er in frühere Zeiten passt. Es geht hier aber auch um Sehgewohnheiten: Dadurch, dass ich mit „Das weiße Band“ angefangen habe und dass es dann mit Sachen wie „The Crown“ oder „Babylon Berlin“ weiterging. haben sich Redakteure, Regisseure, Caster mein Gesicht gut in früheren Zeiten gut vorstellen können und mir entsprechende Angebote gemacht.

Sie selbst haben als keine spezielle Vorliebe für historische Stoffe?

Nein, nicht unbedingt. Mir ist es egal, wann eine Geschichte spielt. Hauptsache die Geschichte und die Rolle sind interessant.

Serie und Begleitprogramm

Die Serie
Das ZDF zeigt am Montag, 6. März, ab 20:15 Uhr die ersten beiden Episoden von „Der Schwarm“. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag geht die Ausstrahlung des Achtteilers jeweils in Doppelfolgen ab 20:15 Uhr weiter. Die ersten sechs Episoden sind bereits in der ZDF-Mediathek abrufbar. Die beiden letzten Folgen werden am Mittwoch, 8. März, ab 10 Uhr freigeschaltet.

Das Begleitprogramm
Zusätzlich zu der Serie zeigt das ZDF ein umfangreiches Programm an Dokumentationen – im Anschluss an die ersten beiden Episoden läuft am Montag um 21:45 Uhr beispielsweise eine zweiteilige „Terra X“-Dokumentation, die fragt, wie gefährlich Wale sind und welche Bedrohungen im Meer lauern.

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