Lernmittelfreiheit Und dann auch noch die Skifreizeit

Für schulische Aktivitäten außerhalb des Unterrichts wie Skifreizeiten müssen Eltern in den Beutel greifen. Nicht alle können oder wollen das. Foto: dpa/Angelika Warmuth

Schule kostet immer mehr Geld. Die Digitalisierung stellt die Lernmittelfreiheit auf die Probe. Dazu kommen die von den Eltern zu bezahlenden Ausflüge und Klassenfahrten. Eine Gefahr für die Teilhabegerechtigkeit, findet unser Autor Martin Mezger.

Auch Selbstverständliches muss man gelegentlich wiederholen: Ohne allgemeine Schulpflicht gibt es keine Bildungsgerechtigkeit und folglich auch keine Demokratie. Ohne Schulgeld- und Lernmittelfreiheit wiederum wäre eine allgemeine Schulpflicht so widersinnig wie eine Wehr- oder Zivildienstpflicht, für deren Ableistung man bezahlen muss.

 

Schulträger müssen etliche Schippen drauflegen

Die zentrale, verfassungsrechtlich verankerte Bedeutung der Lernmittelfreiheit wird indes zu einer enormen Herausforderung für die öffentlichen Haushalte in Zeiten, in denen es nicht mehr nur um Schulbücher und Geodreiecke geht, sondern Tablets noch oben drauf kommen. Corona war die reichlich späte Stunde auch dieser Wahrheit: Die Schulträger müssen bei den Schuletats etliche Schippen drauflegen, wenn sie es mit der Digitalisierung ernst meinen – und anderes bleibt ihnen gar nicht übrig, soll Schulbildung nicht zum Museum mutieren.

Dass die Problematik mit dem Auftauchen des Coronavirus scheinbar schlagartig aufgeploppt ist, weist auf strukturelle Versäumnisse hin. Digitalisierungswellen rollen seit Jahrzehnten durchs Land, die damit daherflutenden Fragen nach der Finanzierung des digitalen Unterrichts wurden allzu lange in private Kanäle gespült. Was zwangsläufig zur Teilhabeungerechtigkeit führt. Die saloppe Lehreranweisung „Druckt euch das zuhause aus!“ ist unter diesem Aspekt eine Unverschämtheit. Oder darf ein – selbstverständlich privat finanzierter – Drucker, möglichst noch zusammen mit der kompletten Familiengarnitur an Handys und digitalen Endgeräten, stillschweigend als Standard vorausgesetzt werden?

Exklusion statt Partizipation

Teilhabe für alle endet freilich nicht mit der gesetzlich geregelten Kostenübernahme, sondern entscheidet sich auch dort, wo keine Lernmittelfreiheit gilt: bei den außerunterrichtlichen Aktivitäten, die heute vom halbtägigen Lerngang übers Schullandheim bis zur mehrwöchigen Interkontinentalreise reichen können. Nur den zweifellos erkenntnisfördernden Spaß zu bremsen, der mit solchen Aktivitäten nebst sozialen Lerneffekten verbunden ist, wäre eine griesgrämige Nulllösung. Doch wenn der Partizipationseffekt in Exklusion umschlägt, weil sich nicht alle die Teilnahme leisten können, ist Verzicht besser. Und die Frage muss erlaubt sein, ob Schulen unbedingt auch noch Skifreizeiten durchführen müssen.

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