In einer Modellwelt an der Gewerblichen Schule in Backnang kann man die Wasserstoffproduktion selbst in Gang bringen. Foto: Gottfried Stoppel
An der Gewerblichen Schule in Backnang wird ein Showroom eröffnet, der (jungen) Menschen die mutmaßliche Zukunftstechnologie näherbringen soll. Zwei Ministerinnen verknüpfen mit der neuen Lernwelt große Erwartungen.
Wie gewinnt man Wasserstoff? Was kann man damit anfangen? Wo in der Region wird Hydrogenium schon genutzt? Warum könnte das für das Klima wichtig sein? Und was hat Traubenzucker damit zu tun? Diese und viele Fragen mehr werden in Backnang künftig umfassend in einem Kubus aus Glas beantwortet. Auf verschiedene Art und Weise – über Textprojektionen, in Hörbeiträgen, Filmen oder interaktiven Wissensspielen – soll an der Gewerblichen Schule (jungen) Menschen die Welt des Wasserstoffs nähergebracht werden.
Zwei Ministerinnen zur Eröffnung angesagt
Das sogenannte Hydrogen Learning Center Backnang, kurz HyLab, ist am Mittwoch im Rahmen einer Veranstaltung mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Bildung an den Start gegangen. Der Stellenwert des Projekts, für das die Redner Superlative wie Leuchtturm-, Vorzeigeprojekt oder regionales Alleinstellungsmerkmal benutzten, mag sich schon allein daran bemessen, dass sich gleich zwei Ministerinnen zur Eröffnung angesagt hatten. Eine, die kurzfristig erkrankte Kultusministerin Theresa Schopper, wurde zwar von ihrem Staatssekretär Volker Schebesta vertreten, doch auch dieser betonte das ministeriale Bewusstsein für die Verantwortung, „Kindern und Jugendlichen zu zeigen, wie sie wichtige Technologien nutzen, um die Probleme der Zukunft lösen zu können“. Im HyLab in Backnang könnten diese nun spielerisch lernen und ausprobieren, wie nachhaltige Mobilität funktioniere.
Der Backnanger OB Maximilian Friedrich, Landrat Richard Sigel, Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut und Automobilwirtschafts-Professor Stefan Reindl posieren vor der Selfie-Wand (von links). Foto: fro
Die Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut hat hingegen in erster Linie den Transformationsprozess der Unternehmen im Blick. Zu deren Unterstützung aber bedürfe es auch eines Kompetenzaufbaus und Wissenstransfers im Bereich der Wasserstofftechnologie. Und dabei müsse man bereits heute an die Fachkräftegewinnung von morgen denken. Schließlich „wollen wir den technologischen Wandel im Land erfolgreich gestalten und so wichtige Wertschöpfungspotenziale einer Wasserstoffwirtschaft für Baden-Württemberg erschließen“, so die Ministerin.
Der Showroom ist nur ein erster Baustein
Der jetzt eingeweihte Glaskubus solle generell Menschen bewegen, die Themen Wasserstoff und Elektromobilität zu denken, sagte die Schulleiterin Isolde Fleuchaus. Der Showroom sei das Kernstück, aber nur der erste Teil einer „Lernwerkstatt Zukunftstechnologie Wasserstoff“, die an der Schule entstehe. Demnächst sollen dazu auch die in die Jahre gekommenen Werkstätten neu aufgestellt und auf die Themen E-Mobilität und Brennstoffzellentechnologie ausgerichtet werden. Auch Klassenräume werden eigens umgebaut. Die Wasserstofftechnologie solle in den verschiedenen Schularten in Unterrichtseinheiten eingebunden und durch praktische Erfahrungen aus der Lernwerkstatt ergänzt werden, so Fleuchaus.
Natürlich sei die Transformation auch für die Schule eine enorme Herausforderung, schließlich würden vertraute Arbeitsorte durch völlig neue ersetzt. Doch der Werkstattleiter Heribert Gantner, seit 1979 im Lehrerberuf, ist überzeugt, dass dies gelingen wird – und muss: „Je früher wir die Kinder für das Neue begeistern und von dem wegbringen, was jetzt noch raucht, knattert und stinkt, desto besser.“ Zudem gebe es auch ganz praktische Notwendigkeiten: „Im Kreis sollen bis 2027 mindestens 20 Wasserstoffbusse fahren – wer repariert die?“
Führungen von März an buchbar
Knapp zehn Millionen Euro, sieben vom Rems-Murr-Kreis und 2,7 Millionen vom Land, stehen der Schule für ihren Transformationsprozess zur Verfügung, der bis zum Jahr 2026 abgeschlossen sein soll. Jetzt aber muss erst der neue Showroom seine Möglichkeiten entfalten. Von 1. März an sollen Schulklassen, aber auch interessierte Bürger Führungen im HyLab buchen können.
Beschluss Die Lernwerkstatt an der Gewerblichen Schule in Backnang ist Teil einer vom Kreis im Jahr 2020 beschlossenen Wasserstoffstrategie. Der Kreistag hat sich damals klar für eine finanzielle Förderung der Erprobung der mutmaßlichen Zukunftstechnologie ausgesprochen.
Busse Im Rahmen dieser Strategie hat der Landkreis Ende 2023 erstmals für die Ausschreibung eines Linienbündels den Einsatz von Brennstoffzellenbussen verbindlich vorgegeben. Geplanter Betriebsstart der emissionsfreien Linie im Unteren Remstal ist der 1. Juli 2025.
Tankstelle Der Kreis will zusammen mit der Stadt in Waiblingen eine Wasserstofftankstelle initiieren. Derzeit läuft dazu ein Ausschreibungsverfahren. Den Treibstoff soll ein Elektrolyseur vor Ort erzeugen, der Strom von örtlichen Photovoltaikanlagen produziert werden.