Leseförderung in Leinfelden-Echterdingen So konnten die kleinen Büchereien gerettet werden

Susanne Weiss und Uwe Janssen vom Förderverein Stadtbücherei freuen sich, dass es die Stadtteilbüchereien in Stetten und Musberg weiterhin gibt. Foto: Natalie Kanter/Natalie Kanter

Vor mehr als 20 Jahren standen die Stadtteilbüchereien in Stetten und in Musberg vor dem Aus. Der Protest gegen die Sparpläne war groß. Dann aber kam eine rettende Idee auf, die bis heute funktioniert.

Filderzeitung: Natalie Kanter (nak)

An diesem Sonntag kommen Mitglieder und Freunde des Fördervereins Stadtbücherei zu einer Feier in der Leinfelder Stadtbücherei zusammen. Eine Band wird spielen. Es wird darauf angestoßen, dass es vor 20 Jahren gelungen ist, die Stadtteilbüchereien in Stetten und Musberg zu retten.

 

Die beiden Bibliotheken, die gleichsam Lernorte und Treffpunkte für die Menschen in diesen Flecken sind, standen vor mehr als zwei Jahrzehnten vor dem Aus. Aus vier Bücherei-Standorten sollten zwei werden: Jene in Stetten und Musberg sollten ihre Tore schließen, Bücherfreunde fortan allein in Echterdingen und in Leinfelden frischen Lesestoff finden. „Es ging ums Sparen und um die Personalkosten“, erinnert sich Uwe Janssen, der Vorsitzende des Fördervereins Stadtbücherei. Susanne Weiss sagt: „Da wäre ganz viel weggefallen.“ Sie leitet die Stettener Bücherei – und zwar ehrenamtlich.

Eltern und Elternbeiräte liefen Sturm gegen die Sparpläne, sprachen bei Oberbürgermeister Roland Klenk, dem damaligen Sozialbürgermeister Gerhard Haag und den Stadträten vor. Der Protest wurde durch Mund-zu-Mund-Propaganda weitergetragen. Bürgermeister Haag kam dann auf die Idee, dass die beiden Büchereien doch ehrenamtlich weiter betrieben werden könnten. Ein Konzept wurde entwickelt, 2004 der Förderverein der Stadtbücherei gegründet.

Während der Unterrichtszeit in Büchern schmökern

Die Mitglieder des Vereins erhielten zunächst noch Unterstützung durch hauptamtliche Kräfte. „Wir sind sehr gut angeleitet worden“, sagt Susanne Weiss. Mittlerweile betreiben sie die beiden Büchereien komplett im Ehrenamt. Das Team zählt 13 Ehrenamtliche in Stetten und ähnlich viele in Musberg. „Da sind Ruheständler, aber auch Berufstätige dabei“, sagt Susanne Weiss. „Ich bin Vielleserin“, antwortet sie auf die Frage, warum sie dieses Ehrenamt übernommen hat. „Mein persönliches Anliegen ist es, dass Kinder sehr früh ans Lesen herangeführt werden.“

Möglich sei dies durch eine enge Kooperation mit der Lindachschule und der Eichbergschule sowie den Kindergärten. Mädchen und Jungs können teils während der Unterrichtszeit in dem Medienangebot schmökern, sich Bücher oder Hörspiele ausleihen. Sie kommen mit ihrer Lehrkraft vorbei, oder eben nach dem Unterricht mit ihren Eltern. Die Stadt stellt die Räume zur Verfügung, und einen Etat für die Medien. 4500 Medien stehen in Stetten zum Ausleihen bereit, in Musberg sind es 4000. „Zehn Prozent des Bestands wird jährlich ausgetauscht“, sagt Uwe Janssen.

Gerade die Lage in Stetten sei ideal, betont Susanne Weiss. Seit 2014 ist die Bücherei dort in einem Neubau an der Jahnstraße 62 untergebracht – nebenan ist ein Kindergarten, schräg gegenüber die Lindachschule mit dem Sonderpädagogischen Bildungs-, und Beratungszentrum (SBBZ). Die Eltern holen ihre Kinder ab und schauen danach noch in der Bücherei vorbei. „Wir sind hier sehr glücklich“, sagt sie. Auch für Erwachsene gibt es ein kleines Medienangebot, welches das ehrenamtliche Team im örtlichen Buchhandel einkauft. „Krimis, Science Fiction und Erziehungsratgeber laufen gut“, sagt Weiss. In Musberg sieht die Situation etwas anders aus, berichtet Uwe Janssen. Weil es an der Eichbergschule mittlerweile keinen Nachmittagsunterricht mehr gibt, wünscht sich der Verein, dass die Bücherei nach Möglichkeit in der Ortsmitte untergebracht wird. Gesucht werden zudem junge Leute, die sich im Förderverein engagieren möchten.

20 Jahre Engagement für die Büchereien

Jubiläumsfeier
Der öffentliche Jubiläumsempfang steht unter der Überschrift: „20 Jahre Engagement für unsere Büchereien“. Die Veranstaltung beginnt am Sonntag, 21. April, 11 Uhr in der Leinfelder Stadtbücherei, Neuer Markt 1.

Ausleihzahlen
Der Förderverein wurde 2004 gegründet, um die Büchereien in allen vier Stadtteilen zu erhalten. Die Ehrenamtlichen stocken den städtischen Medienetat mit dem Erlös aus Flohmärkten und Spendensammlungen auf. In der Stettener Bücherei wurden 2023 exakt 18123 Medien ausgeliehen, in Musberg waren es 7238 Medien.

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