Es gibt Symptome psychischer Erkrankungen, über die einfach nicht gerne gesprochen wird. Genau das sollte aber geschehen, denn es ist ein wichtiger Schritt in Richtung Entstigmatisierung. Wenn wir über Depressionen sprechen, verbinden das die meisten mit Trägheit und Traurigkeit. Auch wenn das natürlich zutreffende Symptome sein können, gibt es auch Symptome, die nicht direkt mit einer Depression in Verbindung gebracht werden.
Männer verhalten sich oft anders
Männliche Betroffene können sich aggressiv verhalten oder exzessiv Substanzen, wie Alkohol oder Medikamente, missbrauchen. Dadurch geraten sie häufiger in Konflikt mit dem Gesetz und erhalten seltener psychologische Hilfe. Das macht sich auch in den Suizidzahlen bemerkbar, denn rund 75 Prozent der Selbsttötungen gehen von Männern aus. Das liegt nicht nur daran, dass sie aggressivere Methoden wählen, sondern auch daran, dass sie seltener Hilfe in Anspruch nehmen.
Keine Alltagsbegriffe
Wir benutzen im Alltag Begriffe wie „zwanghaft“, „gestört“ oder „schizophren“ in Kontexten, die diese Begriffe relativieren. Ein Trigger ist für Menschen mit Traumastörungen ein schwerwiegender Auslöser für zum Beispiel körperliche Reaktionen oder Panikattacken. Allerdings wird der Begriff Trigger auch von Menschen genutzt, die von einer Sache genervt oder irritiert sind. Das führt dazu, dass der Begriff an Deutlichkeit verliert, die Betroffene und Behandelnde brauchen, um einen realen Trigger zu definieren.
Schizophren bedeutet nicht verrückt
Eine schizophrene Störung ist inzwischen gut behandelbar. Betroffene können medikamentös eingestellt werden und ein Leben ohne schwere Einschränkungen führen. In der gesellschaftlichen Wahrnehmung ist die Schizophrenie immer noch eine stark stigmatisierte Erkrankung, in welcher Betroffene „wahnsinnig“ und „verrückt“ sind. Betroffene können unter Wahnvorstellungen (zum Beispiel verfolgt werden, Stimmen hören) leiden, zu den Symptomen einer schizophrenen Psychose zählen aber auch sozialer Rückzug oder emotionale Verflachung. Wahnvorstellungen sind für Laien einschüchternd, das liegt allerdings auch daran, dass wir nicht offen über diese unbequemen Symptome sprechen und nicht wissen, wie wir damit umgehen können.
Stigma: Psychisch krank
Es gibt nicht die eine Art eine psychische Erkrankung zu äußern. Psychische Erkankungen sind komplex und ihre Symptome sind es auch. Vor allem unbequeme Symptome können Angst machen, aber die Angst liegt in der Unwissenheit und mehr Aufklärung über verschiedene psychische Erkrankungen führt zu weniger Berührungsängsten - auch mit unbequemen Symptomen.
ÜBER DIE AUTORIN
Mit ganz viel Ehrlichkeit, Feingefühl und Liebe für die Sache schreibt unsere Autorin über das Leben mit psychischen Krankheiten. Warum das nicht immer einfach ist und gegen welche Vorurteile sie ankämpft, erzählt sie in der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth.
Anmerkung der Redaktion: Wenn du selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leidest oder jemanden kennst, der daran leidet, kannst du dir bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Du erreichst diese telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.
Informationen und Hilfe bei Depressionen:
https://www.deutsche-depressionshilfe.de
Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 0800/116 111 (Mo. bis Sa. 14-20 Uhr, anonym & kostenlos!)
In Stuttgart bietet der Arbeitskreis Leben suizidgefährdeten Menschen, Menschen in Lebenskrisen, Angehörigen, sowie Hinterbliebenen nach dem Suizid eines nahestehenden Menschen Unterstützung an. Telefon 0711/600 620, hier geht es zur Internetseite >>>
Kassenärztliche Therapeuten in Deutschland:
http://www.kbv.de/html/arztsuche.php