Letzte Staffel der Serie „Mad Men“ Bye, bye, ihr Verrückten!

Von StZ 

Sieben Staffeln lang hat „Mad Men“ von der Werbewelt der Sixties in New York City erzählt. Jetzt zeigt der Fox Channel die sieben letzten Folgen. Fans sind gespannt, welches Schicksal die Figuren wohl ereilen wird.

Die „Mad Men“-Familie ist in den Siebzigern angekommen. Foto: AMC
Die „Mad Men“-Familie ist in den Siebzigern angekommen. Foto: AMC

Stuttgart - Sieben Staffeln „Mad Men“, sieben Staffeln Werbewelt der Sixties in New York City gehen zu Ende. Jetzt zeigt der Bezahlsender Fox Channel die sieben finalen Folgen der preisgekrönten Reihe kurz nach der US-Premiere bei uns. Los geht es am Ostermontag, 21 Uhr. Wir stellen die wichtigsten Charaktere vor.

Pete Campbell: Böser Bubi (von Julia Schröder)

Vincent Kartheiser alias Pete Campbell. Foto: AMC

Wenn man es recht bedenkt, hat Pete Campbell (Vincent Kartheiser) sich im Lauf der Jahre – er ist unterdessen einer der Dienstältesten bei Sterling Cooper – ganz schön was aufs Kerbholz geschnitzt: Peggy ein Kind angedreht, Don Draper erfolglos erpresst, den Betreuer/Liebhaber seiner dementen Mutter vergrault . . . Offenbar ist seine Herkunft aus New Yorker Uradel ihm eher Hypothek als Startblock. Aber nun ist er ja endlich raus aus der Rolle des ambitionierten Firmendeppen, nun hat er die fimschigen New Yorker Übergangssakkos gegen flott-pastellige Attribute des West-Coast-Styles getauscht und die griesgrämige Ehefrau gegen eine heiße Blondine! Was kommt als Nächstes? Nun, der Milchbubi mit dem sich lichtenden Haupthaar wird sicher bald den nächsten Fettnapf für einen Swimmingpool halten. (von Julia Schröder)

 

Joan Harris/Holloway: Körper und Seele, von Julia Schröder

Christina Hendricks alias Joan. Foto: AMC

Joan (Christina Hendricks), anfangs Chef­assistentin von Sterling Cooper und bis zur siebten Staffel aufgestiegen zur Partnerin, ist die Verkörperung des Slogans „Sex sells“: einerseits setzt sie ihre attraktive Erscheinung (flammend rotes Haar, üppige Figur, Flirtgenie) unverblümt ein, um in einer männlich dominierten Arbeitswelt ihre Interessen durchzusetzen, andererseits wird sie von ihren Chefs sexuell diskriminiert und ausgebeutet bis zum Missbrauch. Privat hilft ihr die Erotik wenig. In all dem bewährt sie sich dank großer seelischer Stärke. Für die Zukunft ist der Vollzeit arbeitenden alleinerziehenden Mutter eines kleinen Sohnes zu wünschen, dass zu beidem – Körper und Seele – ein ihren fachlichen Fähigkeiten angemessener beruflicher Erfolg tritt. Ob die Siebziger schon das richtige Jahrzehnt dafür sind?

 

Betty Draper/Francis: Traurige Hausfrau (von Ariane Holzhausen)

January Jones alias Betty. Foto: AMC

Als Don Drapers Frau war Betty (January Jones) eine einsame unglückliche Hausfrau mit Kindern. Als Henry Francis’ Frau ist sie eine einsame unglückliche Politikergattin mit noch mehr Kindern. Die Leere, die sich in der Grace-Kelly-ähnlichen Hülle breitmacht, betäubt Betty mit viel Alkohol oder viel Essen. Sie spürt, dass es da draußen mehr gibt als dieses Schöne-Frau-von-Dasein – aber ob das wirklich was für sie sein könnte? Als sie noch mal mit ihrem Ex Don im Bett landet, ist die sonst So-korrekt-perfekt-sein-Wollende aus ihrer fest gefügten Welt ausgebrochen. Ob sie noch mutiger wird? Immerhin hat sie zuletzt ihren hauseigenen Politiker ziemlich bloßgestellt.

 

Sally Draper: Rebellin aus Gründen (von Eva-Maria Manz)

Kiernan Shipka alias Sally Draper. Foto: AMC

Die Tochter von Don und Betty Draper war fünf Jahre alt, als wir sie in der ersten Staffel kennenlernten. Ihre konservative Mutter erklärte Sally (Kiernan Shipka) früh genug, wie der Hase läuft, etwa: „Du küsst keine Jungs, du wirst geküsst.“ Mittlerweile ist Sally ein rauchender Teenager im Internat. Sie erlebt, wie die Erwachsenen das eine sagen und das andere tun, wie sie saufen und fremdgehen. Die Welt, in der Sally aufwächst ist mindestens so „phony“, also verlogen, wie jene die schon Holden Caulfield im „Fänger im Roggen“ leiden ließ. Doch Sally lässt sich nicht unterkriegen, ist frech, und ihr Style wird immer cooler. Vielleicht will sie bald ihren Abschlussball schwänzen, um heimlich ein Jimi-Hendrix-Konzert zu besuchen . . .

 

Megan Draper: Die Lady des Jahrzehnts (von Eva-Maria Manz)

Jessica Paré alias Megan Draper- Foto: AMC

War das bezaubernd, als Megan in der fünften Staffel „Zou Bisou Bisou“ für Don sang! Megan (Jessica Paré) ist zweisprachig aufgewachsen, sexy, modern, ganz anders als Dons erste Frau Betty. Megan passt in die Siebziger, für Don ein adäquates Accessoire für die neue Lebensphase. Doch Megan will Schauspielerin werden, zieht nach L.A., Don geht fremd, und so scheitert langsam auch diese Ehe. Im Internet kursiert die wilde Theorie, Megan stelle das Alter Ego des einstigen TV-Sternchens Sharon Tate dar und müsse deshalb am Ende der Show sterben. Anhaltspunkt ist ein Shirt mit einem roten Stern, das Megan in der sechsten Staffel trug. Tate hatte das gleiche Shirt auf einem ihrer letzten Shootings an, bevor sie 1969 hochschwanger von der Manson-Familie ermordet wurde.

 

Peggy Olson: Unscheinbar erfolgreich (von Ariane Holzhausen)

Elisabeth Moss alias Peggy Olson. Foto: AMC

Unglaublich, wie naiv Peggy Olson (Elisabeth Moss) anfangs der Serie als Sekretärin von Don Draper durch die Werbewelt stolperte. Damals dachte das Mauerblümchen noch, es gehört zu ihren Pflichten, mit dem Chef ins Bett zu steigen. Inzwischen ist sie die modernste Figur der Serie: Sie ist längst selbst Chefin, rettet Draper oft seinen hübschen Hintern und hat für ihre sehr hart erkämpfte Karriere – natürlich anders als ihre männlichen Kollegen – ihr uneheliches Kind bei ihrer Mutter lassen, ihr Privatleben opfern und ständige Diskriminierungen einstecken müssen. Vielleicht verbrennt die ebenso katholische wie freigeistige Frau am Ende ihren BH und kann ihren Erfolg einfach mal genießen?