Die schlechte Nachricht gleich vorneweg: Untreue hat in Deutschland zugenommen. Laut einer bevölkerungsrepräsentativen Studie der Dating-Plattform Elite Partner ist jeder Dritte schon einmal fremdgegangen. Und nicht nur die Gründe für Untreue unterscheiden sich zwischen den Geschlechtern.
Ich-bezogene Gründe
So geben in einer Umfrage 25 Prozent der vergebenen Männer und 31 Prozent der Frauen an, dass sie schon einmal fremdgegangen sind. Am häufigsten gehen Frauen in einer bestimmten Lebensphase fremd: In ihren Dreißigern haben sogar 39 Prozent der Frauen ihren Partner schon einmal betrogen.59 Prozent der Befragten hätten nicht ausschließen können, einen weiteren Seitensprung zu wagen und knapp ein Drittel hat sich als Single schon ein oder mehrmals auf eine vergebene Person eingelassen.
Doch was sind die Gründe? Paartherapeut Eric Hegmann sieht darin sehr ich-bezogene Gründe. "Der Wunsch nach Anerkennung, Ausleben von erotischen Fantasien, das Bedürfnis nach Exploration und neuen Erfahrungen. Gleichzeitig stimmt immer noch: Paare, die miteinander über ihre sexuellen Wünsche und Bedürfnisse sprechen können, können diese auch gemeinsam ausleben.“
Wann beginnt Fremdgehen?
Doch wo beginnt Fremdgehen? Laut der Studie von Elite Partner reagieren Frauen viel empfindlicher auf wandernde Augen: Für 26 Prozent gilt bereits ein Flirt als Fremdgehen - nur 20 Prozent der Männer sehen es so. Auch beim emotionalen Fremdgehen - also, wenn man sich in jemand anderen verliebt, auch ohne, dass man seinen Gefühlen nachgibt und nichts passiert - ist für 44 Prozent der Frauen bereits Untreue. Gerade 30 Prozent der Männer sehen es ähnlich. Auch beim Thema Küssen sind sich die Geschlechter uneinig: Nur für 58 Prozent der Männer gilt ein Kuss als Fremdgehen, während für mehr als zwei Drittel der Frauen (70 Prozent) ganz klar Untreue vorliegt.
Eine Beziehung aus einem Seitensprung?
Aber warum ticken Frauen beim Fremdgehen anders - und warum steigen die Zahlen? Diplom-Psychologin Lisa Fischbach meint, dass Frauen sich heute eher trauen, Untreue zuzugeben. "Die sexuelle Emanzipation von Frauen spielt hier eine Rolle: Auch wenn Frauen heutzutage immer noch im Vergleich zu Männern für lustvolle und vielfältige Sexualität gesellschaftlich anders bewertet werden, trauen sie sich zunehmend, ihren sexuellen Bedürfnissen nachzugehen und offener darüber zu sprechen", so die Expertin.
Dazu komme laut Fischbach auch, dass Frauen Untreue anders definieren und ihr Untreue-Radar deutlich früher anschlägt. "Reicht bei ihnen meist schon ein Kuss, sind viele Männer erst bei Seitensprüngen oder Affären der Meinung, dass es sich um Fremdgehen gehandelt hat", so die Diplom-Psychologin.
Emotionale Gründe - oder sexuelle Reize
Als Hauptursache für Untreue werden mit 49 Prozent unglückliche Beziehungen genannt. Aus 36 Prozent der Seitensprünge entstanden demnach neue Beziehungen. Doch auch um Rache kann es bei der Untreue gehen: So gibt knapp jeder zehnte an, dass er sich an dem Partner rächen wollte. Die Studie von Elite Partner offenbart auch, dass Frauen eher aus emotionalen Gründen fremdgehen, während bei Männern eher sexuelle Reize und Abwechslung eine Rolle spielen.
WEITERLESEN NACH DIESEM VERLAGSANGEBOT
Es geht nicht immer um Sex
Wer jetzt denkt, dass es beim Fremdgehen vor allem um Sex geht, täuscht sich. In einer Studie der University of Maryland, der Indiana University und der Stony Brook University befragten die Forscher 495 Menschen, die zuvor angegeben hatten, bereits untreu gewesen zu sein. In den Fragen ging es nur darum, die Beweggründe herauszufinden – und die wenigsten hatten etwas mit Körperlichkeit und Lust zu tun. Die Befragten gaben an, dass sie aufgrund von Wut, geringem Interesse, Vernachlässigung, mangelnder Liebe, zur Steigerung des Selbstwerts oder einfach aufgrund einer Gelegenheit fremdgingen.
Was überrascht, ist, dass nur eine von fünf Beziehungen wegen Untreue beendet wird. So wissen etwa 28,3 Prozent nichts vom Seitensprung, während 21,8 Prozent die Untreue verzeihen können. War das Fremdgehen auf Wut, mangelnde Liebe, Vernachlässigung oder geringe Loyalität zurückzuführen, wurde die Beziehung viel eher beendet.