Stuttgarts früherer OB Wolfgang Schuster hatte den Traum eines Hauses der Kulturen der Welt als Anker, Scharnier und Tor zu den neu entwickelten Quartieren auf den Stuttgart 21-Flächen. Zeitlich einst realistisch, wurde das Linden-Museum in den vergangenen zehn Jahren zunehmend zum Spielball widerstreitender Interessen.
Mehr und mehr drohte zudem auch vor dem Hintergrund der notwendigen Debatten um das Aufarbeiten des kolonialen Erbes einerseits aber auch der nicht weniger relevanten Neubewertung der wichtigen Nordamerika-Abteilung aus dem Blick zu geraten, um was es eigentlich geht: Ein Informations- und Debattenforum zu schaffen, das doch seinen Kern als Hort einer der europaweit hochkarätigsten Sammlungen kulturgeschichtlicher Gegenstände nicht vernachlässigt.
Möglichkeit mit Bodenhaftung
Genau auf diese Zweigleisigkeit zielt nun der Vorstoß von Land und Stadt, die Zukunft des Linden-Museums am jetzigen Standort zu sichern. Der von Verwaltungseinheiten befreite und um mögliche neue öffentliche Dialogräume bereicherte Museumsbau von 1911 und eine zuvorderst der Büronutzung vorbehaltene Erweiterung – dies scheint tatsächlich eine zeitgerechte, weil mit viel Bodenhaftung versehene Möglichkeit.
Mehr noch aber besteht mit und in diesem Vorstoß die Möglichkeit einer städtebaulichen Neuordnung am Hegelplatz. Weder das Liederhallen-Areal, noch das Klinikum-Areal, noch das Universitäts-Areal sind wirklich formuliert. Ein Bildungsforum der Kulturen der Welt könnte in diesem Dreieck eine eigene Kraft sein – mit entsprechenden Impulsen in die forschende Nachbarschaft.
Teil der Stadtgesellschaft
Jede Studie zum Thema Linden-Museum, mit dem sich die Menschen in Stuttgart und in der Region wie kaum mit einem anderen Museum generationsübergreifend identifizieren, ist eine Studie zum Verkehrsknoten Hegelplatz und zum Großthema Bildungscampus.
Realitäten erkennen
Angst vor großen Begriffen sollte man keine haben. Es gilt nur, die Realitäten ernst zu nehmen. Genau das machen Land und Stadt mit ihrem Vorstoß.