Das Linden-Museum am Hegelplatz Foto: lichtgut/Achim Zweygarth
Die geplante Sanierung des Linden-Museums ist noch nicht gesichert. Dies geht aus einer Antwort des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst auf eine Anfrage der SPD-Fraktion im Stuttgarter Landtag hervor.
Nikolai B. Forstbauer
12.01.2024 - 11:26 Uhr
Als Schatzkammer der Welt und der Welten fasziniert das Linden-Museum in Stuttgart das Publikum. Als Schrittmacherin in der Debatte um Dekolonialisierung und mehr noch um die Rückgabe im 19. und frühen 20. Jahrhundert geraubter Kulturgüter steht das Linden-Museum immer wieder im nationalen und internationalen Scheinwerferlicht.
Immer aber, wenn es um die notwendigen Eigeninteressen von Direktorin Inés de Castro und ihres Teams geht, immer, wenn die Frage nach der Zukunft eines weithin einmaligen Museums gestellt wird, erlischen die Scheinwerfer, werden die Reden leiser. Grund genug also, immer wieder nachzufragen – etwa danach, was aus dem im Juli 2023 gefassten Grundsatzbeschluss des Verwaltungsrates des Linden-Museums (mitgetragen von Land und Stadt) folgt, das Linden-Museum am jetzigen Standort Hegelplatz zu sanieren und zu erweitern.
Inés de Castro lenkt das Linden-Museum Foto: dpa/Sebastian Gollnow
Ende des Jahres 2023 hat Martin Rivoir, Kulturpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Stuttgarter Landtag, nachgefragt. In seiner Antwort unterstreicht das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) noch einmal die zentralen Punkte des Grundsatzbeschlusses des Verwaltungsrates des Linden-Museums: „Gegenstand der aktuellen Planungen sind das Grundstück mit dem Bestandsgebäude des Linden-Museums am Hegelplatz 1 sowie eine Teilfläche des gegenüberliegenden Grundstücks an der Ecke Hegelstraße/Holzgartenstraße“, heißt es da. Und weiter: „Sämtliche künftig vom Linden-Museum genutzten Flächen sollen nach heutiger Überlegung auf diesen Grundstücken untergebracht werden.“
Schließlich bekräftigt die verantwortliche Ministerin Petra Olschowski (Grüne) in der Antwort auf die SPD-Anfrage: „Die Finanzierung des Projekts soll je zur Hälfte durch die Stadt Stuttgart und das Land Baden-Württemberg erfolgen. Voraussetzung für eine Realisierung wäre die Aufnahme in die Haushaltspläne von Stadt und Land.“
Kommt die Bedarfsanmeldung Anfang Februar?
Da ist er dann wieder, der sachlich richtige Hinweis auf etwaige und etwaig notwendige Schritte. So heißt es in Olschowskis Antwort auf die SPD-Anfrage: „Aktuell erarbeitet das Linden-Museum die aktualisierte Bedarfsanmeldung. Deren Vorliegen ist Grundlage für alle weiteren Verfahrensschritte.“ Wie also sieht es es mit dieser Bedarfsanmeldung aktuell aus? Und von welchem Zeithorizont müssen die Verantwortlichen im Linden-Museum und das interessierte Publikum für die geplante Sanierung und Erweiterung am Standort Hegelplatz ausgehen?
Ministerin Petra Olschowski Foto: mwk/Lena Lux
Unsere Zeitung hat nachgefragt – und so antworten das von Petra Olschowski (Grüne) geführte Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und das von Inés de Castro gelenkte Linden-Museum gemeinsam:
Bis wann erwartet das MWK die konkrete Bedarfsanmeldung des Linden-Museums. Und bis wann hat das Linden-Museum diese fertiggestellt?
Wir gehen davon aus, dass die Bedarfsanmeldung bis Anfang Februar vorliegen wird.
Ist es richtig, allein von einer Planungsphase von jetzt an bis Mitte 2025 zu sprechen? Sprich von einer Realisierungsphase frühestens von 2026 an? Und einem Baubeginn frühestens 2027?
Der nächste Schritt ist eine Machbarkeitsstudie. Erst auf ihrer Grundlage können die notwendigen Mittel in den Landeshaushalts eingestellt werden. Voraussetzungen für beide Schritte sind ein Kabinettsbeschluss und entsprechende Gremienentscheidungen der Landeshauptstadt Stuttgart. Auf dieser Basis kann der konkrete Zeitplan für die Realisierung bestimmt werden. Aktuell sind Zeitplan und Baubeginn noch offen.
Reden wir über eine temporäre Schließung der Sammlung (für wohl vier bis fünf Jahre) bei Gastspielbetrieb etwa im Kunstgebäude?
Eine zeitweilige Schließung der Sammlung ist vermutlich nicht zu vermeiden. Über die Frage eines Ausweichstandortes muss zu gegebener Zeit entschieden werden, das Kunstgebäude könnte bei den Überlegungen für zeitweise Interimslösungen eine Rolle spielen.
In welchem Zeithorizont wäre die Erweiterung (mutmaßlich ja vor allem Verwaltung) auf dem Nachbar-Areal „einsatzbereit“? Würde dann das Linden-Museum anhaltend vom Standort aus gesteuert? Und: Die Sammlung als Ganzes wäre dann (mit Ausräumen, Sanierung, gegebenenfalls Umbau, Einräumen) bis zu sieben Jahren nicht zu sehen. Ist das richtig?
Sobald die Maßnahme konkretere Formen annimmt, werden auch Aussagen zum organisatorischen Ablauf, zu Schließzeiten oder zur interimistischen Präsentation von Teilen der Sammlung sowie zum künftigen Betriebskonzept des Lindenmuseums möglich.