Zur Eröffnung einer Ausstellung im Literaturhaus haben Peer Steinbrück und der Zeichner José Antonio Muñoz über die Graphic Novel „Eternauta“ gesprochen.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)

Stuttgart - In klaren Worten wird an diesem Abend, der eigentlich einem Comic gilt, auch deutsche Politik gegeißelt. Das liegt aber nicht daran, dass der ehemalige Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück mit auf der Bühne des Literaturhauses sitzt und dass er nun die Gelegenheit ergriffe, fern vom Thema ein bisschen Stimmung fürs eigene Lager zu machen. Es liegt daran, dass der frisch und erstmals auf Deutsch erschienene Comic-Klassiker „Eternauta“ aus Argentinien stammt und dass er im Bewusstsein vieler Argentinier enger mit der schrecklichen Zeit der jüngsten Militärdiktatur (1976–1983) verknüpft ist als irgendein anderes Werk der Kultur.

Unter dieser Diktatur wurden 30 000 Menschen verschleppt und ermordet. „Eine besonders perfide Folter“ nennt die Journalistin Anna Kemper, die das Schicksal des „Eternauta“-Autors Héctor Germán Oesterheld recherchiert hat, die Art, wie die Junta Gegner beseitigte: sie ließ sie verschwinden, verschickte keine Todesnachrichten, übergab auch keine Leichname an die Angehörigen. Die bleiben bis heute in quälender Ungewissheit, was geschah.

Demokratie erstickt in Blut und Qual

Anna Kemper, die mitverantwortlich ist für die Konzeption der Ausstellung „Der Mythos Eternauta“, die bis zum 15. April im Literaturhaus gezeigt wird, weiß auch, wen die Junta als Gegner ansah: „Es genügte, in einer Gewerkschaft aktiv gewesen zu sein – oder Soziologie zu studieren.“ Das Ersticken der Demokratie in Qual und Blut hat Deutschland nicht daran gehindert, die Wirtschaftsbeziehungen aufrechtzuhalten und sogar an der Fußball-Weltmeisterschaft im Reich der Folterer teilzunehmen.

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