Im Politikbereich unter Leitung des Ex-CDU-Politikers Eckart von Klaeden schien Mack zu reüssieren. Drei Jahre lang war er zuständig für Verkehrs-, Umwelt- und Digitalpolitik, vor einem Jahr wurde er dann zum Chef der Hauptstadt-Vertretung befördert. „Head of Government Relations Germany“, lautete sein offizieller Titel. In Berlin öffneten sich dem smarten Interessenvertreter viele Türen, gerade in die Ampelkoalition hinein pflegte er gute Kontakte. Ministern, Staatssekretären und Abgeordneten, bilanzierte er, habe man die Facetten der Transformation erläutert.
Dank an Vorstände, aber nicht an den direkten Chef
Nun aber verlässt Mack überraschend den inzwischen zu Mercedes-Benz umfirmierten Konzern. Im Karrierenetzwerk Linked-In verkündete er unlängst seinen Abschied auf Ende März 2024: „Es war mir eine Ehre . . .“ Unter einem Foto, das im Vordergrund groß die Front eines Elektro-Mercedes zeigt, findet er nur lobende Worte für seinen Arbeitgeber: Die Transformation habe dort Fahrt aufgenommen, in jedem Segment gebe es heute ein vollelektrisches Fahrzeug, statt „electric first“ heiße es „electric only“. Dank richtet Mack an sein Team „für die erfolgreiche Arbeit“ sowie an Källenius und die für Integrität und Nachhaltigkeit zuständige Vorständin Renata Jungo Brüngger „für ihr Vertrauen“. Von Klaeden erwähnt er nicht.
Die Reaktionen fielen einhellig aus. „Fürs Unternehmen ein Verlust“, für Mack eine Chance auf neue Herausforderungen, kommentierte der einstige Stuttgarter Umweltminister Franz Untersteller (Grüne). „Sehr schade – du hast dort wirklich etwas bewegt“, sekundierte der frühere Spitzen-Grüne Michael Vesper. Und die bis 2023 amtierende IT-Chefin von Mercedes, Sabine Scheunert, dankte dem Lobbyisten für die „großartige Zusammenarbeit“. Mack solle seinem Herzen folgen und sich nicht beirren lassen, ermunterte sie ihn mit dem Zitat eines früheren US-Präsidenten. Nur vom Unternehmen gibt es, auch auf Nachfrage, keinerlei Kommentar zu der Personalie. Zu „arbeitsrechtlichen Verfahren“ äußere man sich grundsätzlich nicht.
Fristlose Kündigung beschäftigt das Arbeitsgericht
Tatsächlich hatte Macks Abgang, wie erst jetzt bekannt wird, über Monate hinweg das Arbeitsgericht Stuttgart beschäftigt. Dort klagte er nach Auskunft einer Sprecherin „gegen eine fristlose Kündigung der Mercedes Benz Group AG“. Ein Gütetermin im Herbst sei erfolglos verstrichen, inzwischen sei das Verfahren „durch eine Einigung der Parteien beendet“. Warum der Autokonzern den viel gelobten Interessenvertreter feuern wollte – dazu sagt auch Mack nichts. Offenbar wurde er verdächtigt, hinter einem Bericht des „Manager-Magazins“ vom Mai 2023 zu stecken, der sich höchst kritisch mit von Klaeden und seiner „Gurkentruppe“ beschäftigte. Er selbst soll den Vorwurf weit von sich gewiesen haben. Im Unternehmen wird vermutet, dass Mack gehen musste, weil er von Klaeden zu einflussreich geworden sei; auch die „FAZ“ hörte von „atmosphärischen Störungen“ im Politikbereich.
Mehrfach machten die Mercedes-Lobbyisten, die eigentlich geräuschlos hinter den Kulissen agieren sollten, in den vergangenen Monaten Schlagzeilen. Mal ging es um fragwürdige frühere Äußerungen des Brüsseler Bürochefs, etwa zum Klimawandel; inzwischen hat der Mann Mercedes verlassen. Mal hatte der Konzern Probleme mit dem Transparenzregister beim Stuttgarter Landtag, in das er sich erst nach langem Zögern eingetragen hat, mal mit einer Solidaraktion für Israel, bei der er reichlich spät dran war. Vom Unternehmen gab es stets Rückendeckung für die Interessenvertreter, die „sehr erfolgreich und mit uneingeschränkter Unterstützung des Vorstands“ arbeiteten.
Ex-CDU-Minister sollte zu Mercedes wechseln
Aktuell beschäftigt eine – inzwischen gescheiterte – Neubesetzung im Politikbereich Medien und Öffentlichkeit. Offenbar als Nachfolger für Mack und den Brüsseler Bürochef wollte von Klaeden einen langjährigen Weggefährten aus der CDU holen: den früheren Ministerialbeamten und brandenburgischen Verkehrsminister Guido Beermann. Im vorigen November hatte der 58-Jährige nach vier Amtsjahren überraschend seinen Rücktritt erklärt. Begründung: Er wolle sich eine private Auszeit gönnen und beruflich noch einmal „etwas anderes“ machen. Knapp ein Jahr vor der Landtagswahl stieß das auf gelindes Erstaunen. Dann sickerte durch, dass es Beermann zu Mercedes ziehe. Das ließ auch deshalb aufhorchen, weil er immer wieder mit Autothemen zu tun hatte.
Als beamteter Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium war er auch für die gescheiterte Pkw-Maut zuständig. Im Untersuchungsausschuss dazu fiel er vor allem durch Erinnerungslücken auf, die ihm Abgeordnete aber nicht abnahmen. Auch die Diesel-Affäre samt den Konsequenzen für die Hersteller fiel in seine Amtszeit im Hause von Andreas Scheuer (CSU). Die Organisation Lobbycontrol verwies darauf, dass Beermanns Entscheidungen auch für Mercedes relevant gewesen seien. Da könne der Anschein entstehen, er habe schon seinen künftigen Arbeitgeber im Blick gehabt. Prompt fragen Kritiker, ob er das Mercedes-Angebot bereits als Minister erhalten habe. Auch finanziell schien dieses attraktiv, gemunkelt wurde von 300 000 Euro jährlich.
Scharfe Regeln für den Seitenwechsel
Im Bundesverkehrsministerium und der Potsdamer Staatskanzlei war gerade erst eine Prüfung möglicher Interessenkonflikte angelaufen, da machte Beermann einen Rückzieher. Man möge sein Schreiben vom Dezember, in dem er den geplanten Wechsel anzeigte, „als gegenstandslos“ betrachten, schrieb er laut „Tagesspiegel“. Eine Genehmigung wäre offenbar keineswegs sicher gewesen. Die Regeln im brandenburgischen Ministergesetz gehören bundesweit zu den schärfsten – zu Recht, findet Lobbycontrol: Es gelte den Eindruck zu vermeiden, dass Spitzenpolitiker ihr Insiderwissen in Diensten der Industrie zu Geld machten. Schon als von Klaeden vor gut zehn Jahren aus dem Kanzleramt zu Daimler wechselte, führte das zu erheblichen Irritationen; sogar die Staatsanwaltschaft prüfte die näheren Umstände. Von Mercedes-Benz heißt es nur, man äußere sich nicht zu laufenden Personalbesetzungen. Die Nachfolge in den Repräsentanzen Berlin und Brüssel werde derzeit geklärt und „kurzfristig entschieden“.
Der Ex-Mercedes-Mann Mack schaut derweil nach vorne. Er freue sich auf „neue berufliche Herausforderungen in 2024“, schreibt er bei Linked-In. Der Titel seines Eintrags: „Danke Mercedes!“