Lobo Electronic Licht für die Türme von Aschgabat

Von Alexander Günzler 

Die Lobo Electronic GmbH aus Aalen liefert Laseranlagen und passende Showkonzepte in alle Welt – im vergangenem Jahr sogar nach Turkmenistan. Beeindruckend sind nicht nur die Lichtshows des kleinen Riesen von der Ostalb.

Im Jahr 2010 veranstaltete Lobo Electronic  aus Aalen eine große Lasershow für das 40-Jahr-Jubiläum des  Sultanats Oman. Foto: Lobo Laser- und Multimediasysteme 16 Bilder
Im Jahr 2010 veranstaltete Lobo Electronic aus Aalen eine große Lasershow für das 40-Jahr-Jubiläum des Sultanats Oman. Foto: Lobo Laser- und Multimediasysteme

Stuttgart - Der Bass dröhnt. Ein grüner Lichtkranz tanzt auf jeden Schlag. Dann: heroische Musik. Auf einem Vorhang aus Wasser erscheinen Zahlen, Formen, Bilder, die sich drehen und leuchten – blau, rot, violett. Mannsgroße Hände aus Licht schrauben sich in die Höhe, zu Fanfarenstößen schneiden sich bunte Kegel durchs Dunkel, immer dichter wird das Geflecht aus Wasserdampf, Strahlen und Feuer. Nach einer Viertelstunde ist das Spektakel vorüber und Lothar Bopp – schwarzes Hemd, schwarze Hose, schwarze Schuhe – sagt ins Dunkel hinein: „Wenn wir jemanden hier drinhaben, wird es einfach.“

Knapp vier Millionen Euro an modernster Technik hat der Geschäftsführer der Aalener Lobo Electronic GmbH in seinem Multimedia-Studio, das jedes Heimkino in den Schatten stellen dürfte, verbaut. Bopp zählt auf: vier große „Sparks“-Laser, einen „Bliss“ in der Mitte, ein paar kleinere Systeme drum herum, sechs Videoprojektoren, „Moving Lights“, Flammeneffekte und Wasserleinwände. „Das Zusammenspiel von allem ist das Interessante“, sagt er. Wobei Laser alleine natürlich nicht langweilig seien, wie er betont – sind die Geräte doch nach wie vor das Fundament seines mittlerweile 30 Jahre alten Unternehmens.

Umsatz soll 10-Millionen-Euro-Marke knacken

Noch vor Beginn seines Studiums der Feinwerktechnik – einer Kombination aus Optik, Elektronik und Feinmechanik – an der Fachhochschule Aalen gründete der damals 19 Jahre alte Lothar Bopp seine Firma Lobo. „Ich hatte Laser auf einer Messe gesehen und fand das faszinierend“, sagt er. Während des Studiums hatte Bopp bereits eine Handvoll Mitarbeiter. Von den heute rund 30 Mitarbeitern seien auch noch einige aus den Anfangstagen an Bord, wie der Chef erzählt.

Die Ausrichtung von Lobo hat sich mit der Zeit hingegen stark gewandelt. „In den ersten Jahren haben wir unsere Umsätze fast zu 100 Prozent mit Laseranlagen für Discotheken gemacht“, sagt Bopp. Heute mache dieses Geschäftsfeld nur noch zwei Prozent des Umsatzes aus. Dieser lag laut Bopp 2011 insgesamt „im hohen einstelligen Millionenbereich“ und solle in diesem Jahr erstmals die 10-Millionen-Euro-Marke knacken.

Der Markt ist eine Nische

Was die weiteren Wachstumsmöglichkeiten des Unternehmens anbelangt, gibt sich der Chef zurückhaltend: „Unser Markt ist eher eine Nische, da kann man als 30 Jahre alte Firma nicht mehr allzu schnell wachsen.“ Dies sei aber insofern von Vorteil, als dass diese Nische für Großkonzerne wie etwa Panasonic oder Sanyo zu klein sei und deshalb von dort keine Konkurrenz drohe. „Das ist unser Glück“, sagt der Lobo-Chef.

Natürlich gibt es dennoch Konkurrenten weltweit. Wobei Lobo im Vergleich sehr gut dastehe, sagt Bopp. Zum Beweis zeigt er auf eine üppige Trophäensammlung, die er in seinem Büro aufgereiht hat. „Seit Jahren bekommen wir die meisten Branchenpreise weltweit“, sagt Bopp. So habe seine Firma bereits 134 Awards der International Laser Display Association (Ilda) abgeräumt. „Viele sind stolz, wenn sie überhaupt einen haben“, sagt der Firmengründer.

Chinesen sind keine Konkurrenz

Obwohl einige Hersteller versuchten, die Geräte von der Ostalb zu kopieren, verfolgt Lobo nicht den Ansatz, sich mit Hilfe von Patenten dagegen schützen zu wollen. „Unsere Strategie ist es, mit neuen Produkten schneller zu sein als der Markt“, sagt Bopp. Und die Chinesen? „Die Chinesen bekommen es einfach nicht hin“, sagt Bopp lapidar. Zwar gebe es chinesische Firmen, die den Markt mit 3000-Euro-Laserprojektoren überschwemmen würden. „Die sind aber weit unter unserer Qualität – und höchstens gut für ein bisschen Discogeflacker.“ Die Lobo-Laser seien hingegen High-End-Produkte, je nach Modell mit Stückpreisen von 50 000 bis 250 000 Euro. Entwickelt und gefertigt wird ausschließlich in Aalen. „Bei unseren kleinen Stückzahlen würde sich eine Produktion im Ausland auch gar nicht lohnen“, sagt Bopp.

Rund 70 Prozent des Geschäfts macht bei Lobo nach wie vor der Verkauf und die Installation solcher Laseranlagen aus. Kreuzfahrtschiffe wie etwa die Queen Mary 2, das Wagner Festspielhaus in Bayreuth, Freizeitparks, Planetarien – unter anderem auch in Stuttgart – oder Museen wie das BMW Museum in München haben Lobo-Systeme installiert. Geliefert wird in alle Welt. „Wir haben Kunden in 75 Ländern“, sagt Bopp. Rund 80 Prozent des Umsatzes werde bei Lobo im Ausland erwirtschaftet, wobei die größten Aufträge aus dem arabischen Raum kämen.

Auch Turkmenistan ist Kunde

Seit Ende des vergangenen Jahres gehört auch Turkmenistan zur Lobo-Kundenkartei. In der Hauptstadt Aschgabat sind seitdem die höchsten Türme im Rahmen einer Dauerinstallation mit grünen Lichtbündeln made in Aalen verbunden. „Die Laser überwinden dort zum Teil Distanzen von knapp 30 Kilometern“, sagt Bopp. Eingebaute GPS-Module würden gewährleisten, dass alle Geräte jeden Abend zeitgleich ein- und morgens um fünf Uhr wieder ausgeschaltet werden. „Geld hat bei denen keine Rolle gespielt“, sagt der Lobo-Chef. Rund 2,5 Millionen Euro habe der turkmenische Staat für die komplette Anlage auf den Tisch gelegt.

Abseits dauerhaft installierter Systeme erwirtschaftet Lobo rund 30 Prozent des Umsatzes mit dem sogenannten Eventservice. Dabei geht es um die Konzeption, technische Ausstattung – von Lasern über Videoprojektion, Leinwände und Feuereffekte bis zur Komposition passender Musik – und Steuerung von (Groß-)Veranstaltungen. „300 Shows können wir standardmäßig anbieten“, sagt Bopp. Oft würden aber auch individuelle Konzepte erarbeitet – etwa für Fabrikeinweihungen und Messestarts, aber auch für Feierlichkeiten wie 40 Jahre Oman oder den diesjährigen Eurovision Song Contest in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku.

3,4 Milliarden Zuschauer bei einer Show

Besonders gerne erinnert sich der Lobo-Chef an die Asian Games in Katar 2006. „Bei weltweit 3,4 Milliarden Zuschauern muss alles sitzen, da gibt es keinen zweiten Versuch.“ Trotz sintflutartiger Regenfälle eine knappe Stunde vor Beginn glückte die Show – die Gerätereihe von damals ist inzwischen allerdings ausrangiert. „Die fünf Anlagen haben 400 000 Watt an Energie verbraucht und 300 Liter Kühlwasser in der Minute benötigt“, erklärt Bopp. Jedes der Geräte brachte 1100 Kilo auf die Waage.

Die neueste Lobo-Lasergeneration mit dem Namen „Sparks“ verbrauche im Vergleich dazu nur noch ein Prozent der Energie, sei komplett luftgekühlt, wiege noch 130 Kilo pro Stück und sei zudem auch noch heller als die alte Baureihe. Innovation made in Aalen – von der sich viele ausländische Kunden gerne selbst ein Bild vor Ort machten, wie Bopp erzählt. Nach der Show im Multimedia-Studio sei es bis zur Bestellung aber meist nur noch Formsache.