Lokaltermin im Brust oder Keule Ein gastronomisches Kleinod

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Seit Oktober heißt das einstige Irma La Douce in der Katharinenstraße nun Brust oder Keule. Patron ist Andreas Ackermann, der Heilbronner hat als Sommelier, Restaurantleiter und Hotelchef in Zürich, Wien, Berlin und den USA gearbeitet.

Andreas Ackermann bedient seine Gäste leger, aber mit  Charme. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Andreas Ackermann bedient seine Gäste leger, aber mit Charme. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Skandinavien ade. Das Gastro-Experiment Smøgen ist Geschichte. Seit Oktober heißt das einstige Irma La Douce in der Katharinenstraße nun Brust oder Keule. Patron ist Andreas Ackermann, der Heilbronner hat als Sommelier, Restaurantleiter und Hotelchef in Zürich, Wien, Berlin und den USA gearbeitet. Ins seinem „ersten und letzten“ eigenen Lokal setzt er auf schwäbische Klassiker, hat aber auch keine Scheu vor Ausflügen nach Frankreich. Schließlich hat er den Namen seiner Restauration und Vinothek von der Filmkomödie aus dem Jahr 1976 mit dem legendären Louis de Funès geliehen.

Optisch hat das Restaurant die diversen Wechsel unbeschadet überstanden: Es ist nach wie vor ein Schmuckstück, mit Kronleuchter, Marmortreppe, Kamin und dem cognacfarbenen Leder auf Bank und Stühlen. Ackermann begrüßt uns leger in Hemd und Jeans, so als seien wir gute Bekannte. Aus der Abendkarte können sich seine Gäste ein dreigängiges Menu du Chef zusammenstellen – zum fairen Preis von 33 Euro. Da gönnen wir uns zum Einstieg gern ein Glas Pernet-Champagner (8,50 Euro).

Bei der Vorspeise alles richtig gemacht

Vorab gibt’s für uns ein Tässchen vom Bodenkohlrabensüppchen mit ordentlich Speck drin. Zur Gemüsesorte sagt der smarte Kellner nur: „Das heißt halt so und wir können’s auch nicht ändern.“ Bei der Vorspeisenvariation (vier Euro Aufpreis) hat der Küchenchef Holger Endress alles richtig gemacht. Hübsch angerichtet auf der Etagère wartet gratinierter Ziegenkäste auf Roter Beete mit scharfem Waldorfsalat, samtiges Beeftatar, Hackepeter von der geräucherten Bachforelle auf knackigem Heckengäulinsensalat und lauwarme, deftig gefüllte Filderkrautroulade auf gekräutertem Kartoffelsalat.

Da haben’s die bodenständigen Hauptgerichte schwer. Beim Coq au Vin „BoK“ vom Schwarzfederhuhn mit Champignons, Schalotten und gestampftem Kartoffelpüree vermissen wir den Weingeschmack, die Soße erinnert eher an einen Bratenjus. Die Bouillabaise mit gebratenen Fischfilets, Miesmuscheln und gegrilltem mediterranen Gemüse erinnert uns durchaus an das Vorbild aus Marseille – auch wenn die Fischeinlage etwas trocken ist.

Weinkarte enthält 250 stolze Positionen

Zum Dessert gefällt uns die Käseauswahl von der bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall mit Birnenchutney. Das Aprikosentörtchen ist ein Kunstwerk aus dünnsten Teigschichten, eine schöne Ergänzung zu seiner cremigen Süße ist das herb-fruchtige Rotweinsorbet.

Die Weinkarte enthält stolze 250 Positionen, vor allem Württemberger, dazu die deutschen Klassiker, viele Franzosen, einige Italiener und Spanier. Wir sind mit dem Weißburgunder von Friedrich Becker aus der Pfalz sehr zufrieden (25,50 Euro). Den Chateau d’Aiguilhe von Neipperg probieren wir dann zum Rostbraten vom Boeuf de Hohenlohe mit einer Schüssel dampfender Spatzen. Wo gibt’s das schon noch?

Brust oder Keule, Katharinenstr. 21 b, 70182 Stuttgart, Telefon 860 27 300, Sonntag Ruhetag. Geöffnet: Mo bis Fr 12 bis 14.30 und 18 bis 0 Uhr, Sa 17 bis 1 Uhr.

Küche ****

Service ***

Ambiente ****

***** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, **= Luft nach oben, * = viel zu verbessern

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.

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