Lokaltermin in der Gutsschenke Ludwigsburg Filigrane Kompositionen mit Bodenhaftung

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Seit Februar kocht in der Gutsschenke des Schlosshotels Monrepos Harald Derfuß. Er steht für eine leichte Feinschmeckerküche auf hohem Niveau.

Harald Derfuß (links) und Marc Schnierer laden in die Gutsschenke ein. Foto: factum/Bach
Harald Derfuß (links) und Marc Schnierer laden in die Gutsschenke ein. Foto: factum/Bach

Ludwigsburg - Allein ist man an einem Frühlingssonntag am Schloss Monrepos nicht: Ruder- und Tretbootkapitäne stechen im Minutentakt in See, um dessen Ufer eine Armada von Kinderwagen kreist. Etwas ruhiger wird’s vor dem 150 Jahre alten Hauptgebäude des Schlosshotels, im Rücken Weingut und Reitstall, vorn die Terrasse unter Kastanienbäumen.

In der Gutsschenke kocht seit Februar Harald Derfuß. Er kommt vom Adler in Asperg, über dem unter seiner Regie ein Michelin-Stern funkelte. Und auch die Gutsschenke soll dem Anspruch des Schlosshotels Monrepos wieder gerecht werden. Dafür stehen zwei Namen: das Haus Herzog von Württemberg, dem das Anwesen gehört, und die Hoteliersfamilie Finkbeiner aus Baiersbronn, seit 2014 die Betreiberin.

Freundlicher Empfang im etwas biederen Ambiente

Serviceleiter Marc Schnierer und sein Team nehmen uns freundlich in Empfang. Sie haben deutlich mehr Schwung als das Landhaus-Ambiente mit Holzdekor und Halogenstrahlern. Stattdessen prickelt der Riesling des Weinguts Herzog von Württemberg – und mindestens genauso der alkoholfreie „Pomme Pure“ vom Bodensee.

Das zarte Rindercarpaccio vom Lunch-menü (drei Gänge für 33 Euro) muss ein bisschen kämpfen gegen den aromatischen Miniaturwald aus Röstzwiebelschaum, Spitzkohlsalat und Mispeln. Das saftige Tatar und Gegrillte vom Rinderfilet dagegen wird perfekt ergänzt von Eigelbcreme, pikantem Gurkensalat, Senfkörner-Vinaigrette und Kapern (19 Euro). Bei der Cremesuppe von Topinambur mit geräucherten Entenbrustwürfelchen und Orangenfilets zeigt sich: Derfuß beherrscht das Filigrane, hat aber die Bodenhaftung nicht verloren.

Weinempfehlungen erweisen sich als vorzüglich

Dafür steht auf der Karte die Abteilung „Aus der historischen Schlossküche“, wo wir die zarten Kalbsschnitzelchen finden, in Fassbutter gebraten, mit Preiselbeeren, Bratkartoffeln und knackigen Blattsalaten (24 Euro). Der Fisch ist wieder ein Leichtgewicht: Eine saftige Tranche vom weißen Heilbutt schwimmt im fruchtigen Tomaten-Safran-Sud mit Fenchel, Frühlingslauch und Zucchini. Dazu gibt’s Basilikum-Schlosskartoffeln, die, nun ja, nach Pesto schmecken. Dafür bekommt das Filet vom Milchkalb die volle Punktzahl, für das nussige Fleisch, die würzigen hausgemachten Kalbs-Oliven-Bratwürstchen und den mediterranen Dreiklang aus Zitronenthymianjus, Paprikagemüse und Kartoffel-Auberginen-Lasagne (33 Euro).

Alle Gerichte begleitet die Weinempfehlung aufs Angenehmste. Aus Ihringen am Kaiserstuhl von Joachim Heger stammt der Weißburgunder „Gras im Ofen Großes Gewächs“, der uns mit seiner mineralischen Wucht (62 Euro) begeistert. Zum Schluss lassen wir uns das hausgemachte Sorbet, herbe Passionsfrucht und sanfte Brombeere, auf der Zunge zergehen. Wie gut, dass ein Ruderboot auf uns wartet. Kalorien abtrainieren auf romantische Art.

Gutsschenke am Schlosshotel Monrepos, ­Domäne Monrepos 22, 71634 Ludwigsburg, Telefon 0 71 41/3 02 56 00, www.schlosshotel-monrepos.de. Geöffnet: Mittwoch bis Sonntag 12 bis 22, Küche 12 bis 14 und 18 bis 21.30 Uhr.

Die Bewertung:

Küche ****

Service *****

Ambiente ***

***** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, ** = Luft nach oben, * = viel zu verbessern

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.

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