Loriot-Denkmal in Stuttgart Tierschützer von Peta wollen Mops beschriften

Seit 2014 Blickfang am Eugensplatz: der Mops auf der Loriot-Säule. Foto: jse

Der Mops vom Eugensplatz ist eine beliebte Touristenattraktion. Viele Betrachter erinnert er an Loriot. Aber nicht alle. Die Tierschutzorganisation Peta erinnert der Mops an Qualzucht. Sie fordert, eine Infotafel an dem Denkmal anzubringen.

Stadtleben/Stadtkultur: Jan Sellner (jse)

Neun Jahre nachdem die Loriot-Säule am Eugensplatz auf Initiative unserer Zeitung mit einem Bronze-Mops gekrönt worden ist, meldet die Tierschutzorganisation Peta Bedenken wegen der unkommentierten Zurschaustellung des Vierbeiners an, dem Vicco von Bülow bekanntlich selbst ein Denkmal gesetzt hatte: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“

 

In einem Schreiben an Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper fordern die Tierschützer, eine Infotafel neben dem Loriot-Denkmal aufzustellen: „Auf dieser sollen die unzähligen ,rassetypischen‘ Krankheitsbilder und das damit verbundene Leid der brachyzephalen Vierbeiner, zu denen auch der Mops gehört, aufgelistet werden.“ Unter Brachyzephalie versteht man eine zuchtbedingte Deformation des Schädels.

Tierschützer sehen auch den „Retromops“ kritisch

Zur Begründung erklärt Jana Hoger, Peta-Fachreferentin für tierische Mitbewohner, zu Loriots Lebzeiten (1923-2011) seien die gesundheitlichen Folgen der Mopszucht nicht hinlänglich bekannt gewesen. „Heute weiß man, welche massiven Einschränkungen die vielzähligen Qualzuchtmerkmale mit sich bringen.“ Mit der Infotafel sollten die Menschen aufgeklärt und von künftigen „Nachahmungskäufen“ abgehalten werden. „Ein Leben als Qualzucht bedeutet immer ein Leben voller Leid“, betont die Peta-Referentin. Im Gegensatz zu Loriot-Fans, so Hoger, hätten Möpse nichts zu lachen. Das angezüchtete Kindchenschema ginge mit gesundheitlichen Problemen einher: „Kein Mops lebt ohne massive Einschränkungen.“ Dazu zählten Atemnot, Zahn-, Nasen- und Augenprobleme sowie Entzündungen. Ihre Zucht müsse daher gestoppt werden. Kritisch sieht die Tierschutzorganisation auch den Trend zum „Retromops“. Er entsteht durch die Paarung von Mops und Parson Russell Terrier. Durch eine längere Nase sollen die Tieren besser atmen können. Für Peta bedeutet das jedoch „nur einen vermeintlichen Gewinn“. Auch Retromöpse litten häufig unter gesundheitlichen Problemen.

Mit einer Guerilla-Aktion fing alles an

Was macht das mit dem Bronze-Mops am Eugensplatz? Zur Erinnerung: Die von dem Schriftsteller Gerhard Raff initiierte und von dem Bildhauer Uli Gsell ausgeführte, 2013 eingeweihte Stele zur Ehren des früheren Eugensplatz-Bewohners Loriots sah ursprünglich keinen Mops vor. Mitglieder des Stuttgart-Blogs Kessel TV setzten später in einer Guerilla-Aktion nächtens einen goldfarben besprühten Deko-Mops aus dem Baumarkt auf die Säule, was allgemeine Erheiterung auslöste. So schnell, wie er gekommen war, verschwand der Mops wieder. Und das spurlos. Viele Stuttgarter hatten da aber schon Gefallen an dem Gag gefunden – für unsere Zeitung Anlass, gemeinsam mit Leserinnen und Lesern Geld zusammenzutragen, um bei Bildhauer Gsell einen Bronze-Mops in Auftrag zu geben (Kosten 6000 Euro).

Bei der zweiten Einweihung des Denkmals im Mai 2014 sprach Stuttgarts damaliger OB Fritz Kuhn vor mehreren Hundert Gästen, darunter etliche Mops-Besitzer. Bläser des Eberhard-Ludwigs-Gymnasium – Loriots früherer Schule – spielten, der Kabarettist Christoph Sonntag warb für die Gründung einer Mops-Partei. Nebenan wurde Mops-Eis serviert. Eine Geschichte wie aus dem Loriot-Drehbuch, die sogar Eingang in den „Spiegel“ fand. Seitdem hat sich der Mops vom Eugensplatz zu einer Touristenattraktion entwickelt – auf die nun auch Peta aufmerksam geworden ist.

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