Stadtkind Stuttgart

LOVEiT-Open-Airs abgesagt Veranstalter fordern: Mehr Toleranz für Techno

Von Tanja Simoncev 

Am 10. September hätte das letzte LOVEiT-Open-Air in diesem Jahr stattfinden sollen, doch Lärmbeschwerden und andere unerwartete Geschehnisse machten dem Event unter freiem Himmel einen Strich durch die Rechnung. Jetzt melden sich Veranstalter und die Bezirksvorsteherin von Wangen, Beate Dietrich, zu Wort.

Die LOVEiT-Open-Airs, die zuletzt am Waldheim Wangen stattfanden, mussten wegen Lärmbeschwerden die Zelte abbrechen. Foto: LOVEiT
Die LOVEiT-Open-Airs, die zuletzt am Waldheim Wangen stattfanden, mussten wegen Lärmbeschwerden die Zelte abbrechen. Foto: LOVEiT

Stuttgart - Eigentlich war es ihr Sommer, ein "Summer of LOVEiT" wenn man so will, bei dem die Label-Gründer wiederholt für ausgelassene Stimmung, Musik und Snacks unter freiem Himmel am Waldheim in Wangen sorgten. Doch ganz plötzlich wurde der Crew um Robin Dietrich und Tobias Rückle die Genehmigung für das Event entzogen - ihr letztes am 10. September angekündigtes Open Air musste absagt werden. Man machte seinem Ärger über die Sozialen Netzwerke Luft und fand schnell Zuspruch beim Feiervolk. Mit uns sprachen die Veranstalter über das, was war und das, was da noch kommen mag. Außerdem ließen wir Beate Dietrich, die Bezirksvorsteherin von Wangen, zu Wort kommen.

Kulturschaffende oder Party-Veranstalter?

Tatsächlich hatten Tobias und Robin die Wahl, das Event noch einmal genehmigen zu lassen. Die Frist dafür sei aber einfach zu knapp gewesen, so die beiden. Hinzu kam, dass die Betreiberin des Waldheims aus diversen Gründen auch nicht mehr mitgespielt habe und man sich deshalb gezwungen sah, das vorläufige Aus zu verkünden. "Natürlich ärgert uns das sehr. Die letzten beiden Open Airs liefen super und das Wetter hätte auch mitgespielt. Es wäre einfach ein cooler Abschluss gewesen", so Robin.

Doch wenn es nach Tobias geht, zieht das Ganze viel weitere Kreise: "Das Ding ist doch einfach auch, dass wir ja nicht als Kulturschaffende gelten, sondern Leute sind, die Partys machen, wo Musik läuft, die nur entfernt was mit Kultur zu tun hat." Dass die Szene groß sei, sei irrelevant. "Im Endeffekt stehen bei den Open Airs rund 600 Leute gegen ein paar Lärmbeschwerden, da frage ich mich, wo das öffentliche Interesse liegt?" Man habe sich im gesetzlichen Rahmen befunden und bis 22 Uhr Musik gemacht. "Das muss man in einer freien Gesellschaft einfach ertragen."  

Und Robin ergänzt: "Man ist ja schon tolerant, aber eben nicht was die Musik angeht." An jeder Ecke gebe es ein "Feuerwehr- oder Vereinsfeschtle" und das auch immer mit lauter Live-Musik, "aber wenn wir mal anfragen, wird sofort abgeblockt." Schallschutzgutachten würden von der Stadt verlangt werden, die Unmengen an Kosten verursachen und dann sei nicht mal sicher, ob das Event überhaupt durchgewunken werde. "Das alles lohnt sich ja nur, weil es Leute gibt, die uns supporten. Das ist tatsächlich ein großes Glück, nach vier Geschäftsjahren sind wir immer noch da. Und wir nehmen das ja auch alles in Kauf und machen das, weil es unsere Leidenschaft ist", betonen die beiden. Und Tobias ergänzt: "Wir brauchen einfach mehr Toleranz in einer Großstadt wie Stuttgart."  

Musik oder Lärm?

Die Bezirkvorsteherin von Wangen, Beate Dietrich, sitze, wie sie selbst sagt, zwischen den Stühlen und könne beide Seiten verstehen. "Aber wenn am Montag nach einem solchen Open Air das Telefon nicht mehr still steht, dann ist das schon ein Problem." Es stehe einem Landschaftsschutzgebiet, wo Menschen nach Ruhe und Erholung suchen, ein Rave gegenüber, der mit Techno-Musik die ganze Ortschaft beschalle. "Wenn man dann bei hohen Temperaturen nicht raus kann, weil es zu laut ist, dann ist das schon sehr ärgerlich." Es tue ihr aber auch leid für die Techno-Fans. "Da muss man sich vielleicht einfach nach einer Location umschauen, wo sich niemand gestört fühlt, vielleicht in einem Industriegebiet?", so die Bezirksvorsteherin. Es sei ihr auch ein Anliegen, dass die jungen Leute weiterhin Events in den Stadtbezirken wie Wangen veranstalten. "Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen kommen oft viel zu kurz." Aber dann müsse man sich eben auch zu benehmen wissen und nicht überall Müll liegen lassen oder Wände beschmieren, betont Dietrich weiter. 

Und wie geht es nun mit dem LOVEiT-Open-Air weiter? "Dieses Jahr wird das nichts mehr mit den Open Airs, wir machen jetzt erstmal unsere Club-Events weiter", sagen die feierwütigen Veranstalter. Die Open Airs seien aber definitiv nicht gestorben. "Wir bleiben dran", verspricht Robin, "und suchen gerade andere Locations und Gastronomen, die Bock auf 800 bis 1000 Gäste haben." Man habe schon was im Auge, könne aber noch nichts Genaueres dazu sagen. Fest steht aber: Sowohl Bezirksvorsteherin Dietrich als auch die Veranstalter würden sich gerne an einem runden Tisch austauschen und über Lösungen diskutieren.