Toilettenhäuschen, Flyer und Volleyball: die Stadt startet eine neue Offensive, um die vor allem jugendlichen Besucher auf dem Akademiehof anzusprechen – und den Müll auf dem Platz und das Pinkeln in der Tiefgarage einzudämmen.

Familie/Bildung/Soziales: Hilke Lorenz (ilo)

Ludwigsburg - Christoph Balzer kommt richtig ins Schwärmen. Er ist voll des Lobes für den Platz, der für die Stadt Ludwigsburg in der warmen Jahreszeit jedoch zu einem Dauerbrennpunkt zu werden droht. „Ich halte den Akademiehof für städtebaulich gelungen“, sagt der Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung. Mit dieser Zuneigung steht Balzer nicht alleine da. Auch Marika Köpf von der Akademie der Darstellenden Kunst, der unmittelbaren Platzanrainerin,schätzt den Platz und empfindet ihn „tagsüber wunderschön“. Aber wenn es dunkel wird, verändere er sich. Dann werden die Ecken der Akademie zu Ersatztoiletten, und dann bestellt die Ausbildungsstätte Securitykräfte, wenn Theaterpremieren stattfinden.

 

Fans hat der Akademiehof in der Tat viele. Und der Konflikt ist auch nicht neu. Denn unter den Besuchern sind immer auch welche, die leere Glasflaschen nicht in den Müll, sondern auf den Boden werfen und – was bei den Anwohnern für große Verärgerung sorgt – in das Treppenhaus der Tiefgarage pinkeln. Auf dem Akademiehof treffen Welten aufeinander.

„Behandelt den Akademieplatz wie Euer zweites Wohnzimmer“

Die Stadt hat nun Sachbeschädigung, Drogenkonsum, Alkoholexzessen, Wildpinkeln, Lärmbelästigung und Vermüllung einmal mehr den Kampf angesagt. Mit Flyern, die die Beschäftigten des kommunalen Ordnungsdienstes bei ihren Einsätzen verteilen, sollen Störenfriede gezielt angesprochen werden. Die farbigen Merkblätter sind in einer bewusst jugendlichen Sprache verfasst. Unter dem Leitmotiv „Bist du noch ganz sauber?“ finden sich Aussprüche wie „Was für ein geiler Platz!“ und die Aufforderung „Behandelt den Akademieplatz doch einfach wie euer zweites Wohnzimmer“. Dem schließt sich eine durchaus ernst gemeinte mögliche Sanktion an: „Denn es wäre wirklich schade, wenn er geschlossen würde. Das wollen wir doch alle nicht.“

In der Tat will das erst mal niemand. „Es ist im Moment nicht wahrscheinlich, dass wir soweit gehen“, sagt Christoph Balzer. Alle Beteiligten wollen den Platz für Besucher zugänglich halten. Gleichwohl sei es allen Teilnehmern eines Workshops zum Thema Akademiehof wichtig gewesen, mögliche Konsequenzen in den Flyer aufzunehmen. Die Vorstellungen, wie sich der Platz für Besucher sperren ließe, gehen von einem Verbotsschild bis zu einem Zaun, wie Balzer erklärt. Regelmäßig treffen sich Vertreter vom Fachbereich Sicherheit und Ordnung, von der Polizei, Studierende und Platz-Anrainer wie Filmakademie und Akademie für Darstellende Kunst, sowie Vertreter der städtischen Jugendförderung und Platzbesucher, um sich auszutauschen.