Ludwigsburg Grundschulen werden nicht zwangsfusioniert

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Eine Mehrheit der Ludwigsburger Stadträte rückt vom eigenen Vorstoß ab, die Anton-Bruckner- und die Pestalozzischule zusammenzuschließen. Aber es bleibt beim Aus für die besondere Ganztagsbetreuung an der Bruckner-Schule.

Gleiche Schulart, unterschiedliche Kultur: eine  Fusion von  Pestalozzi- und  Anton-Bruckner-Schule (rechts) wird es vorerst nicht geben. Foto: factum/Bach
Gleiche Schulart, unterschiedliche Kultur: eine Fusion von Pestalozzi- und Anton-Bruckner-Schule (rechts) wird es vorerst nicht geben. Foto: factum/Bach

Ludwigsburg - Offenbar haben sich die Ludwigsburger Stadträte darauf verlegt, kurz vor dem Ende der Wahlperiode noch ein paar überraschende Pirouetten zu drehen: Nach der Umkehrung eines Beschlusses zur Marstall-Kita in der letzten Woche, gab es jetzt ein Bäumchen-Wechsel-Dich in Sachen Grundschulfusion. Ein interfraktioneller Antrag von CDU, SPD, Freien Wählern und Grünen, in dem der Zusammenschluss von Anton-Bruckner- und Pestalozzischule ausdrücklich gefordert worden war, fand im Sozialausschuss keine Mehrheit. Eine klare Absage gab es dagegen von der Diakonie: die erfolgreiche Ganztagsbetreuung an der Bruckner-Schule wird nicht fortgesetzt.

Der Träger evangelische Kirchengemeinde hatte die Vereinbarung über den Ganztag mit Verweis auf die veränderten Rahmenbedingungen gekündigt. Die neuen Richtlinien der Landesregierung drängten die freien Träger an den Rand. Die Diakonie könne ihren Mitarbeitern deshalb keine verlässliche Perspektive bieten. Bis zuletzt hatten jedoch die Eltern und die Lehrer der Bruckner-Schule um den Erhalt der auf ihren Bedarf zugeschnittenen Ganztagsbetreuung gekämpft. Sie hofften, Stadt, Schulamt und Diakonie fänden einen Weg aus der Misere. Martin Strecker machte diese Hoffnungen im Sozialausschuss zunichte: „Wir können nicht hinter diese Entscheidung zurück, und wir wollen es auch nicht“, sagte der Leiter der Diakonischen Bezirksstelle. Einzig über eine Interimsphase sei noch zu reden. Denn die Diakonie will die Arbeit schon mit Ablauf dieses Schuljahres einstellen, ein neues Konzept für den Ganztag wird es aber frühestens zum Schuljahr 2015/16 geben. „Wir überlegen, wie wir dieses Jahr gemeinsam hinkriegen“, sagt Strecker.

„Wir brauchen einen klaren Auftrag“

Unabhängig von der Entscheidung der Diakonie, hatten die Fraktionen von Grünen, CDU, SPD und Freien Wählern im April gefordert, die beiden Grundschulen am Innenstadtcampus zu einer Einrichtung zu verschmelzen. Und zwar schon für den kommenden Herbst. Das hat die Verwaltung überrascht – und Schulamtsleiterin Gabriele Traub dazu veranlasst, die Notbremse zu ziehen. Sie teilte den Stadträten in einem Brief mit, dass die Fusion zwar umgesetzt werden könne, aber nicht vor dem Schuljahr 2015/16.

Dieser Vorbehalt von der Behördenleiterin hat die Antragsteller offenbar derart aus dem Tritt gebracht, dass sie sich nun schwer taten, überhaupt noch einen klaren Willen zu bekunden. Der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried insistierte mehrmals: „Wir brauchen einen klaren Auftrag von Ihnen. Sollen die beiden Schulen zusammengelegt werden? Dann müssen wir den Weg dorthin gestalten. Oder soll ein ergebnisoffener Prozess eingeleitet werden?“ Seigfried verwies darauf, dass bereits in der Vergangenheit die Idee verfolgt worden sei, die beiden Schulen zusammenzulegen. Doch die Bereitschaft habe auf beiden Seiten gefehlt.

Nur das Land würde sparen

Eine Anordnung von oben sei der falsche Weg, meinte Johann Heer (FDP). Die Liberalen lehnten diesen „Schnellschuss zur Unzeit“ ab. Der Vorstoß der Ratskollegen verrate, dass eine fundierte Sachkenntnis fehle. „Wir wollen stattdessen ein offenes Gespräch“, sagte Heer. Entweder rauften sich die Schulen zusammen oder es bliebe beim Status quo. Seigfried stellte klar, dass die Stadt von einer Fusion nicht profitiere: „Wir sparen dadurch nichts, nur das Land würde sparen.“ Die Schulamtsleiterin Traub wies darauf hin, dass aufgrund der Zusammenlegung am Ende aus den bisher noch sechs Klassen fünf werden könnten. Man könne dann anders als bisher mit dem Klassenteiler jonglieren.

„Die Freien Wähler haben ihre Meinung geändert“, bekannte schließlich Roland Glasbrenner. Gabriele Moersch (FW) schlug vor, „bis zum November die Vor- und Nachteile einer Fusion auszuloten“. Dann könne der neue Gemeinderat entscheiden. Das entsprach dann auch dem Willen der Ratsmehrheit. Der Antrag auf Fusion wurde dagegen mit 8 : 7 Stimmen abgelehnt.




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