Ludwigsburg Nachfolgemodell für Leseklassen kommt an

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Elternvertreter halten das Nachfolgekonzept für die abgeschafften Leseklassen zwar nur für die zweitbeste Lösung, stehen aber dahinter. Sie drängen darauf, dass neben der Prävention auch die Intensivförderung nicht auf der Strecke bleibt.

Elisabeth Esch, Andreas Postl, Anja Wild und Heike Schlegel (von links). Foto: factum/Bach
Elisabeth Esch, Andreas Postl, Anja Wild und Heike Schlegel (von links). Foto: factum/Bach

Ludwigsburg - Von Sommer bis Herbst 2013 haben Lehrer, Eltern und Elternvertreter um den Erhalt der Ludwigsburger Leseklassen gekämpft – und immerhin einen Teilsieg errungen. Die Abschaffung des bewährten Modells konnten sie zwar nicht verhindern, sehr wohl aber, dass lese- und rechtschreibschwache Kinder ganz ohne Förderung bleiben. Wofür früher neun Lehrkräfte eingesetzt wurden, zahlt das Land jetzt nur noch 36 Lehrerwochenstunden. In einem ersten Durchlauf sind zwischen Oktober und März 43 Kindern auf die neue Weise gefördert worden, und nicht nur das Schulamt feiert das als Erfolg. „Wir führen jetzt keinen Jubeltanz auf“, sagt ­Anja Wild vom Elternbeirat der Grundschule Marbach, „aber wir fänden es gut, wenn es sich so durchsetzen würde.“ Die Schulamtsleiterin Gabriele Traub versicherte, dass auch die Intensivförderung in den nächsten Jahren erhalten bleibe.

Damit hat sie die Hauptbedenken der Elternvertreter des Arbeitskreises Leseklassen, der sich jetzt mit der Leiterin des Staatlichen Schulamtes zu einer Stärken-Schwäche-Analyse getroffen hat, angesprochen. Da die Intensivförderung von Amts wegen zunächst nur ein kleines Zugeständnis an die Eltern gewesen sei, gab es im AK die Befürchtung, dass dieser Part bei der ersten sich bietenden Gelegenheit wieder kassiert werde. Denn als die Leseklassen abgeschafft wurden, standen noch 32 Kinder dafür auf einer Warteliste. „Das war so ein bisschen wie angeklebt“, sagt Wild.

„In jeder Kreise liegt eine Chance“

Offenbar sei die Intensivförderung aber inzwischen fester Bestandteil des Konzepts; auch wenn sie schwerpunktmäßig bei der Prävention in den ersten Wochen der ersten Klassen ansetze und darauf abziele, den Lehrern besondere Werkzeuge an die Hand zu geben, um mögliche Defizite frühzeitig zu erkennen. Die Förderung dauert jeweils nicht länger als 20 bis 30 Minuten, findet aber dafür jeden Tag statt.

Die Schüler von der Warteliste gehörten zu den ersten 43 Kindern, die nach der neuen Variante geschult wurden. Der zweite Förderlehrgang mit weiteren 42 Kindern hat im April begonnen; mit dabei auch zehn Kinder, denen die Zeit beim ersten Kurs nicht gereicht hat. „Aus meiner Sicht hat sich bewahrheitet, dass in jeder Krise auch eine Chance liegt“, sagt Erwin Weiblen, der Elternbeiratsvorsitzende des Beruflichen Schulzentrums Bietigheim-Bissingen.

Die „bedauerliche Zerschlagung der bewährten Leseklassen“ habe dazu geführt, dass Grundschullehrerinnen in den Genuss einer niveauvollen Fortbildung gekommen seien. Maßgeblich war dabei das Konzept der Würzburger Psychologin Petra Küspert. Weiblen hofft, dass in nächster Zeit noch mehr Lehrer geschult werden. Der Arbeitskreis habe dem Schulamt angeboten, bei Bedarf auch nach Sponsoren dafür zu suchen. „Frau Küspert hat viele Seminare in Heilbronn gegeben. Dort hat eine Firma mitfinanziert“, sagt Weiblen.

Arbeitskreis bleibt bestehen

Zwar war es politische Absicht, diese ­Lese- und Rechtschreibförderung in den Pflichtunterricht zu integrieren, doch dazu fehlt noch ein entsprechender Beschluss des Kultusministeriums. An einzelnen Schulen sei der Förderunterricht ausgefallen, weil andere Lehrer krank waren, sagt Elisabeth Esch, die Sprecherin des Arbeitskreises. „Wir haben dem Schulamt gegenüber klargemacht, dass diese Förderung nicht als Steinbruch missbraucht werden darf.“ Doch solange sie aus dem gleichen Topf finanziert wird wie eine Theater-AG oder ein Foto-Workshop – also Angeboten des Ergänzungsbereichs –, kann wohl auch die Behörde kaum ausschließen, dass ein Schulleiter eine Lehrerin vom Lesekurs für den regulären Unterricht abzieht.

Die Elternvertreter wünschen sich, dass das Angebot noch mehr beworben wird. Längst sei nicht bei allen Lehrern und erst recht nicht bei allen Eltern angekommen, dass es diese Methode gibt, sagt Esch. Um zu zeigen, für welch geballten Elternwillen sie eintreten, haben die AK-Mitglieder der Schulamtsleiterin Listen mit 4000 Unterschriften überreicht. Der AK bleibt bestehen; er will sich vielleicht schon im Juli erneut mit der Schulamtsleiterin treffen.




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