Die Stadt Ludwigsburg und der Förderverein Burkina Faso bauen ihre Hilfe in Westafrika aus. Sie werden Klimapartner von Kongoussi.

Ludwigsburg: Ludwig Laibacher (lai)

Ludwigsburg - Ludwigsburg hat in Kongoussi bereits eine Grund- und eine Berufsschule gebaut, jetzt sollen eine Solaranlage und Wasserpumpen folgen. Das Geld dafür kommt von Engagement Global, einer vom Bund geförderten Gesellschaft. Die Stadtverwaltung und der Förderkreis Burkina Faso sind vor allem wegen ihrer seit 2006 bestehenden Kontakte in das westafrikanische Land für diese kommunale Klimapartnerschaft angefragt worden. „Eigentlich hatten wir schon genug mit den Projekten zu tun, die wir dort betreiben“, sagt Konrad Seigfried. Ludwigsburg habe aber zugesagt, weil auch die Partnerstadt Montbéliard in die Hilfe für die 70 000-Einwohner-Stadt in der Sahelzone eingebunden ist.

Vom 2. bis 9. Januar war der Erste Bürgermeister mit einer Delegation vor Ort. Bis kurz vor Weihnachten sei nicht klar gewesen, ob die Reise überhaupt stattfinden kann und ob es sinnvoll ist, nach dem Putsch vom November Projekte in Burkina Faso zu unterstützen. Zurückgekommen seien aber alle voller Zuversicht. „Noch ist unklar, wie es weitergeht, aber wir haben einen frischen Wind gespürt“, sagt Seigfried. Kommunalwahlen werde es in Burkina Faso wohl frühestens 2016 geben.

57 Weiler und Dörfer

Viele der vertrauten Gesichter von früher seien von der politischen Bühne – auch der Kongoussis – verschwunden. Viele Funktionen seien übergangsweise auf andere, meist jüngere Schultern übertragen worden. „Aber alle wollen, dass es mehr Demokratie gibt“, sagt Christine Süß, die Beauftragte für Städtepartnerschaften.

Die Bundesregierung suche insgesamt 50 Kommunen für diese Klimapartnerschaften, bisher aber hätten sich nur 30 bereit erklärt, sagt Seigfried. „Die meisten unterstützen Projekte in Südamerika, nur zehn engagieren sich in Afrika.“ Und auch von diesen könnten sich die meisten als Partner auf Augenhöhe begegnen. Nicht so im Fall Ludwigsburgs und Burkina Fasos. Kongoussi bestehe aus einer Kernstadt mit 30 000 Einwohnern sowie 57 Weilern und Dörfern drumherum. „Vier dieser Dörfer sind noch immer ohne Wasserversorgung“, sagt der Bürgermeister.

Hier zum Beispiel könne Ludwigsburg ansetzen. Ein Alternative wäre auch der Bau einer Solaranlage, um eine Krankenstation mit Licht zu versorgen. „Wir haben über insgesamt 16 Projekte diskutiert, bis September müssen wir uns entschieden haben“, sagt Seigfried. Bisher seien Entwicklungen in der Wasserversorgung und der Landwirtschaft in Kongoussi vorwiegend Sache der Partner aus Montbéliard gewesen. „Wir haben eine trilaterale Kooperation“, sagt Seigfried. „Bei den Franzosen geht die Förderung über nationale In-stitutionen, während bei uns die Kommunen freie Hand haben.“ In einem ersten Gespräch mit Marie-Noëlle Biguinet, der Bürgermeisterin von Montbéliard, habe er vergangene Woche die Pläne unterbreitet. Eine Entscheidung stehe noch aus.

Werkzeugkisten für Berufsschüler

Angefragt worden sei auch die Organisation Ingenieure ohne Grenzen, sagt Süß. Sie hätten das nötige Know-how und könnten Fragen zur Machbarkeit beantworten. „Das ist eben eine ganz andere Welt“, sagt der Bürgermeister. „Es gibt dort zwar eine staatliche Wassergesellschaft, aber die ist nur zuständig für die Städte.“ In den Dörfern aber fände sich meist kaum mehr als ein Schöpfbrunnen. Auch der große Bamsee, von dessen Wasser die Region lebe, drohe zu versanden.

Die Stadt Ludwigsburg würde ihr neues Engagement gern mit dem alten verquicken und die in der Berufsschule ausgebildeten Jugendlichen als Handwerker bei den Wasser- oder Stromprojekten vor Ort einsetzen. Zumal deren beruflicher Werdegang ohnehin offen ist. Die Berufsschule funktioniere, aber noch fehle die Arbeit, sagt Seigfried. Da sei es sehr gelegen gekommen, dass die Firma Hahn und Kolb 40 Werkzeugkisten gespendet habe. Damit seien die frischgebackenen Gesellen wenigstens mit dem Nötigsten ausgestattet.

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