Ludwigsburg Visionen von der Radlerstadt

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Die Ludwigsburger Stadträte geben grünes Licht für den Routenplan 2025. In einer ersten Etappe soll in der Marbacher Straße Platz für Zweiräder geschaffen werden.

Der Routenplan funktioniert nach dem Prinzip U-Bahn-Netz. Foto: Kölz
Der Routenplan funktioniert nach dem Prinzip U-Bahn-Netz. Foto: Kölz

Ludwigsburg - Ludwigsburg will bei allen modernen Entwicklungen gern die Nase vorn haben: Egal ob es um Bürgerfreundlichkeit und frühkindliche Förderung oder um einen Spitzenplatz als Wirtschaftsstandort oder Nachhaltigkeit und E-Mobilität geht. Ein Thema hat die Stadt darüber stets links liegen lassen, obwohl es für ein Mobilitäts- und Nachhaltigkeitskonzept unerlässlich ist: das Radeln. Doch das soll jetzt nachgeholt werden, der Bauausschuss hat dem sogenannten Routenplan 2025 grünes Licht erteilt. In einem ersten Schritt sollen im kommenden Jahr die Linie Martin-Luther-, Kurfürsten- und August-Bebel-Straße sowie die Marbacher Straße zwischen Neckarbücke und Schlossstraße radfahrerfreundlich werden.

Netz mit vielen Lücken

Vergleiche mit Städten wie Münster oder Freiburg sind fehl am Platz. Dort bringen es die Radler auf einen Anteil von mehr als 30 Prozent. In Ludwigsburg dagegen trauen sich nur knapp neun Prozent der Bürger regelmäßig auf das Zweirad. Nicht nur die Hauptverkehrsachsen sind vom Auto dominiert, da ist kein Platz mehr für langsamere Vehikel. Wer Rad fährt, lebt gefährlich, und wenn er auf die Gehsteige ausweicht, handelt er sich entweder ein Bußgeld oder Ärger mit Fußgängern ein. Das Problem seien die vielen Lücken im Radwegenetz, sagt Gunter Kölz. Denn es gibt zwar ausgewiesene Radwege, aber meist enden sie abrupt an einer Kreuzung und werden jenseits davon nicht fortgeführt.

Der Chef des Planungsbüros Kölz hat darum ein Gitter mit Nord-Süd- und Ost-West-Routen über den Stadtplan gelegt. Das erinnert nicht nur von ungefähr an das Liniennetz der Metro: „Die Radler müssen sich so orientieren können, wie die Menschen in der U-Bahn“, sagt der Diplom-Ingenieur. Sie müssten wissen, welche Linien sie zu wählen hätten, um etwa von Pflugfelden nach Grünbühl oder von Eglosheim nach Oßweil zu kommen.

Die bereits angepeilten Umbauten an der Marbacher Straße und zwischen Luther- und Bebel-Straße bieten sich an, weil sie leicht umzusetzen sind. In vielen anderen Fällen sind jedoch entweder Konflikte mit den Anwohnern oder den Autofahrern zu erwarten. Darum schlug Baubürgermeister Michael Ilk die Einrichtung eines Runden Tisches vor: „Das müssen wir machen, wie bei der Grünen Bettlade.“ Die verschiedenen Interessen müssten im Vorfeld ausgelotet werden.

Radlerrampe contra Nadelöhr

Den Grünen gehen die Anregungen nicht weit genug. Deren Fraktionssprecher Markus Gericke hätte gern weitere Straßenzüge in den Routenplan mit aufgenommen. Stadtplaner Martin Kurt warnte davor, sich schon vor Beginn des Ausbaus zu verzetteln. Das Netz könne auch später noch enger geknüpft werden. Bernhard Remmele (Freie Wähler) würde gern die Idee einer Radwegrampe von der Dannecker- über die Bahngleise zur Bismarckstraße wiederbeleben, um so das Nadelöhr am Schillerdurchlass zu entschärfen. Eckard Nestmann vom Fachbereich Stadtplanung wies das zurück: „Das ist mit enormen Kosten verbunden – ganz abgesehen vom Protest vieler Anwohner.“




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