Ludwigsburg Weniger Geld für Sport und Kultur

Von Michael Bosch 

Weil die Corona-Krise ein großes Loch in die Kasse der Stadt Ludwigsburg gerissen hat, muss gespart werden, wo es nur geht. Auch Kultur- und Sportvereine müssen ihren Teil beitragen. Die Kürzungen fallen an einigen Stellen weniger hart aus als befürchtet.

Keine Höhenfluge mehr: Lange profitierten Sport- und Kulturvereine von üppigen Zuschüssen – das ist vorbei. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch
Keine Höhenfluge mehr: Lange profitierten Sport- und Kulturvereine von üppigen Zuschüssen – das ist vorbei. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Ludwigsburg - Als im März und April das Leben auf ein Minimum heruntergefahren wurde, traf das auch die Vereine. Weil sowohl beim Sport als auch in der Kultur nichts mehr ging, und auch nach Wochen keine Signale aus der Landespolitik kamen, bekamen es einige mit der Angst zu tun. Die Stadt reagierte und griff den Clubs aus Ludwigsburg unter die Arme, indem sie ihnen die Hälfte des Betrags, der jedem einzelnen aus der Grundförderung zusteht, auszahlte. Anschließend war die Befürchtung bei einigen aber groß, dass es dabei bleiben würde und das restliche Geld aus der Grundförderung – für viele Clubs ein zentraler Posten bei ihren Planungen – wegen der finanziellen Schieflage zurückgehalten wird.

Die Sorge war unbegründet, wie sich in dieser Woche gezeigt hat. Der Ausschuss für Bildung, Sport und Soziales (BSS) hat beschlossen, dass die Ludwigsburger Vereine jene Grundforderung erhalten, mit der sie gerechnet haben. Wenn die Stadt in der kommenden Woche den Nachtragsetat beschließt und gleichzeitig die Haushaltsperre aufhebt, kann auch wieder Geld an die Kultureinrichtungen fließen.

Deutlich weniger Ausgaben für das Landesturnfest

„Der Unterstützung durch die Stadt kommt in der Krise eine noch größere Bedeutung zu als ohnehin, alle weiteren Einnahmequellen sind weitestgehend versiegt“, sagt die Vorsitzende des Stadtverbands für Sport, Petra Kutzschmar. Die Vereine müssen aber Einschnitte an anderer Stelle hinnehmen. Weil viele Veranstaltungen sowie der Wettkampf- und Trainingsbetrieb ausgefallen sind, sind die Kürzungen weniger gravierend. Die Clubs müssen zum Beispiel bei der Förderung von Übungsleitern und Vereinsjubiläen, Mietkosten- und Personalkostenzuschüsse mit zehn Prozent weniger auskommen. Wo es möglich war, hat die Stadt feste Beträge gestrichen. Bei der Ehrung der besten Sportlerinnen und Sportler können beispielsweise 20 000 Euro eingespart werden.

Lesen Sie hier: Große Vereine bangen um die Existenz

Im Bereich Sport rechnet die Stadt insgesamt mit 487 000 Euro weniger an Ausgaben. 330 000 Euro davon entfallen allein auf das Landesturnfest. Weil es coronabedingt nicht stattfinden konnte, musste die Stadt auch weniger Geld ausgeben. „Dass wir das Fest nach eineinhalb Jahren Vorbereitung absagen mussten, hat wehgetan. Dass wir damit jetzt so einen großen Betrag einsparen, tut aber nicht weh“, sagt Raphael Dahler, der Leiter des Fachbereichs Sport und Gesundheit.

Über die Schlossfestspiele wird noch beraten

Analog zum Sport werden auch bei den Kulturvereinen und -einrichtungen zehn Prozent der Zuschüsse gestrichen, die Grundförderung bleibt aber auch in diesem Bereich unangetastet. Die Kürzungen hat der Ausschuss für Wirtschaft, Kultur und Verwaltung (WKV) in dieser Woche beschlossen. 185 000 Euro knappst die Stadt den Vereinen so ab. Die Verwaltung rechnet im Kulturbereich mit Einsparungen von insgesamt 695 000 Euro, auch hier schlagen ausgefallene Veranstaltungen zu Buche. Offen blieb noch die Frage nach der Unterstützung für die Ludwigsburger Schlossfestspiele. Über sie soll im dritten Quartal beraten werden.

Die Gemeinderäte waren sich größtenteils einig, dass das Niveau bei der Förderung von Kultur und Sport bisher sehr hoch war, der Oberbürgermeister Matthias Knecht sprach im WKV dennoch von „schmerzlichen Einschnitten, die in die Gesellschaft hineinwirken“. Es wurden dann auch Stimmen laut, die Kürzungen möglichst schnell zu überprüfen und sie im kommenden Jahr gegebenenfalls wieder zurückzunehmen. Klaus Herrmann, der Fraktionsvorsitzende der CDU, sagte: „Wir winken hier oft Sachen viel schneller durch, da geht es um ganz andere Summen.“ Hubertus von Stackelberg (SPD) schlug im BSS vor zu überprüfen, wo Zuschüsse vielleicht nicht mehr zwingend nötig sind. „Wir sollten schauen, wie wir Abhängigkeiten geschaffen haben.“




Unsere Empfehlung für Sie