Ludwigsburg Zwischen allen Stühlen

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Volker Springer ist seit 100 Tagen im Ludwigsburger Rathaus tätig – im schwierigen Amt eines Controllers.

Architekt und Kaufmann:  der neue Controller Volker Springer Foto: factum/Granville
Architekt und Kaufmann: der neue Controller Volker Springer Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Wenn in den letzten Jahren die Kosten für ein städtisches Bauprojekt aus dem Ruder gelaufen sind, riefen die Stadträte nach einem Controller. Lange aber sperrte sich die Rathausspitze dagegen. Inzwischen wurde diese Stelle geschaffen – und zwar innerhalb des Rathauses. Seit Anfang März fungiert Volker Springer als Controller für Bauinvestitionen. Ein Job zwischen allen Stühlen.

Projektleiter und -entwickler

Als gelernter Industriekaufmann, Diplom-Ingenieur (FH) und Architekt kommt der 1960 in Bietigheim-Bissingen geborene Springer der Stellenbeschreibung, wie sie einzelne Räte im Vorfeld skizziert hatten, zumindest sehr nah. Aber eigentlich sollte ein Controller nach deren Einschätzung auch noch Statiker, Brandschutzexperte und Wirtschaftsprüfer sein. Springer verweist auf seine bisherigen beruflichen Stationen: „Ein Projektleiter sollte eigentlich alles können, was auch für ein Controlling nötig ist.“ Und als Projektleiter hat der 55-Jährige lange gearbeitet – noch dazu in sehr unterschiedlichen Unternehmen.

„Nach der Realschule habe ich in Ludwigsburg eine kaufmännische Lehre gemacht und danach noch vier Jahre in diesem Beruf gearbeitet“, sagt Springer. Mit 24 allerdings stand ihm der Sinn nach einer Veränderung. Er studierte Architektur an der Stuttgarter Hochschule für Technik. 1991 begann er bei der Bietigheimer Wohnbaugesellschaft, wo er als Projektleiter und -entwickler tätig war. 2008 wechselte er zur LBBW-Immobilien Gesellschaft, wo er sich um Premiumwohnen in Stuttgart, München und Berlin zu kümmern hatte.

Gleichzeitig war Springer in die Kommunalentwicklung der Heidelberger Bahnstadt involviert. Darüber wiederum gelangte er zu der Bremer Beteiligungsgesellschaft Zech-Group. Zu den jüngsten Großprojekten, an denen er beteiligt war, gehört die Entwicklung des ehemaligen Erlusgeländes in Speyer und die Realisierung der Wohn- und Gewerbeansiedlung in der Bahnstadt Heidelberg.

Als die Stadt Ludwigsburg im vergangenen September die Stelle eines Controllers ausschrieb, war er sofort interessiert. Weil er diesen Posten spannend findet – und weil er gern wieder in Wohnortnähe arbeiten wollte. Seit 2011 lebt der verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder in Pattonville. Das Bewerbungsverfahren zog sich dann aber etwas länger hin: Nachdem ein Mitbewerber bei einem ersten Termin im November überraschend die Kandidatur zurückzog, wurde die Wahl vertagt. Erst im Januar bestimmte der Bauausschuss Springer zum neuen Controller.

An Prioritätenliste mitgearbeitet

„Meine Stelle hier ist ans Baudezernat angeschlossen“, sagt Springer. Er hält das aber für unproblematisch. „Irgendwem tritt man immer auf die Füße.“ Doch die ersten Erfahrungen hätten gezeigt, dass er unabhängig und neutral arbeiten könne. Was auch der Tatsache zu verdanken sei, dass bei solchen Planungen verschiedene Interessen aufeinanderträfen – also auch Beteiligte unter Umständen gern jemand mit am Tisch haben, der sich neutral dazu äußern kann. Ein externer Controller könne meist erst zu spät für eine Prüfung herangezogen werden, meint Springer.

Bisher war der Controller bereits an der Ausarbeitung einer Prioritätenliste für die Hochbaumaßen der nächsten Jahre beteiligt. Aktuell hat er ein Auge auf die Planungen für die August-Lämmle-Schule und die Turnhalle Hoheneck. Als nächstes möchte er eine Festschreibung für Baustandards auf den Weg bringen: „Es geht darum, solche Ausgaben transparenter zu machen.“