So nennt er es, wenn er auf seinem Stückle in Ludwigsburg-Hoheneck sitzt und seinen Schafen zuguckt. Es sind gehörnte, weiße Heidschnucken, eine alte Landschafrasse, die es nur noch selten gibt. Wer Schäfchen zählt, kommt auf 17 Stück: Bodo, der Bock, seine sieben Frauen und neun Lämmer. Die Zahlen sind wie aus dem Bilderbuch, sagt Andreas Holzwarth lachend. Statistisch gesehen haben Heidschnucken eine Reproduktionsrate von 1,3. Passt dieses Frühjahr also genau.
Die jüngsten sind gerade mal eine Woche alt
Bodo ist seinem Reproduktionsauftrag ebenfalls auf den Punkt nachgekommen. Er kam im vergangenen Herbst als neuer Bock in die Herde. Auf den Tag fünf Monate später war das erste Lämmchen da. Seine neun Nachkommen – darunter zwei Zwillingspärchen – sind zwischen einem Monat und etwas mehr als einer Woche alt.
Und sie sind süß. Drei Schwarze und sechs Weiße sind es heuer. Die Lämmer hüpfen, springen und määäähen, dass es eine schiere Freude ist. Sheepwatching auf dem grünen Sofa macht deshalb im Moment besonders viel Spaß. Aber auch sonst sitzt Andreas Holzwarth gerne hier. Es erdet, beruhigt und entspannt ihn. „Das ist Balsam für die Seele. Schafe tun immer gut“, findet der 55-Jährige.
Andreas Holzwarth hat seit mehr als 40 Jahren Heidschnucken. Als Bub auf dem elterlichen Geflügelhof in Hoheneck wünschte er sich immer Schafe. Eine Heidschnucken-Herde war abzugeben, die Familie übernahm sie. Für Andreas Holzwarth blieben die Schafe immer ein Hobby. Beruflich arbeitete er zunächst als Architekt, ehe er den elterlichen Betrieb übernahm, wo er aber inzwischen keine Tiere mehr hat.
Mit seiner knallroten Kappe und dem rot-weiß gestreiften Pulli kennen ihn viele. Dreimal die Woche steht er als Händler auf dem Ludwigsburger Wochenmarkt und verkauft Eier, Honig und Geflügel aus der Region. Manchmal gibt es auch Heidschnucken-Fleisch. Es hat nicht den „typischen Schafgeschmack“, sagt Holzwarth, zudem sei es fettarm und sehr zart. „Eine Delikatesse.“
Lämmchen mit der Flasche großziehen
Die Schafe bleiben in der Regel ein bis vier, fünf Jahre bei ihm auf der Weide. Dann muss Platz für neue Lämmer sein. Das Schafshobby von Andreas Holzwarth ist durchaus aufwendig. Der Elektrozaun muss laufen, der Unterstand ausgemistet werden. Außerdem kommt es immer mal wieder vor, dass eines der Lämmer mit der Flasche großgezogen werden muss. Auch eines der aktuellen Lämmchen hat eine Woche lang die Flasche bekommen, weil es dem Mutterschaf nicht so gut ging. Inzwischen ist aber wieder alles in Ordnung.
Andreas Holzwarth bekommt bei diesen Aufgaben immer wieder Hilfe aus der Nachbarschaft in Hoheneck. Eine Win-Win-Situation, wie Monika Peter, die ums Eck wohnt. Sie selbst, ihr Ehemann, aber vor allem die Kinder kommen mehr in die Natur. „Das tut so gut“, sagt sie. Und Andreas Holzwarth hat etwas Unterstützung bei der Aufgabe. „Ich würde mich freuen, wenn sich nochmal jemand meldet, der Freude dran hätte, gelegentlich mit anzupacken. Verstärkung ist immer gut“, sagt er.
Die Schafe haben sich an diesem Nachmittag inzwischen in die andere Ecke der Weide verzogen. Andreas Holzwarth raschelt mit den Pellets im Eimer. Die Antwort ist ein vielstimmiges „Määääh“. Im Schafsgalopp bewegt sich die Herde wieder auf das mintgrüne Sofa zu. Das Sheepwatching kann weitergehen.