Der amerikanische Militärpilot Gail Halvorsen hat vor 75 Jahren ein Bibelwort in die Tat umgesetzt: Alles Gute kommt von oben, heißt es im Jakobusbrief. Berliner Kinder haben das im Spätsommer 1948 leibhaftig erlebt. Halvorsen ließ selbstgebastelte Fallschirme mit Süßigkeiten auf sie herabregnen. Daher kommt der Ausdruck „Rosinenbomber“.
Anlass dazu bot ein Fall von imperialer Erpressung: Nach der Währungsreform in den westlichen Besatzungszonen verhängten die Russen damals eine Blockade über Berlin. Amerikaner und Briten installierten kurzerhand eine sogenannte Luftbrücke, um die 2,2 Millionen Menschen in der ruinierten deutschen Hauptstadt zu versorgen. Leute wie Halvorsen flogen in 277 569 Einsätzen Lebensmittel und andere Hilfsgüter im Minutentakt herbei. Alle drei Minuten landete ein „Rosinenbomber“ in Tempelhof oder Gatow, später auch in Tegel, wo binnen 90 Tagen ein neuer Flughafen aus dem Boden gestampft worden ist. Am 18. September 1948 wurde ein Rekord verzeichnet: 897 Hilfsflüge erreichten an jenem Tag Berlin – zum Vergleich: im Juli 2023 starteten und landeten auf dem neuen Hauptstadtflughafen BER täglich im Schnitt nur gut 500 Maschinen.
Die „Rosinenbomber“ transportieren keineswegs nur Süßkram: Sie schafften alles heran, was die Berliner in den anderthalb Jahren der Blockade zum Überleben brauchten. Zwei Drittel der Fracht war Kohle zum Heizen. Bei der gigantischen Rettungsaktion kamen 31 Landsleute von Gail Halvorsen, 40 Briten und 13 Deutsche ums Leben. Halvorsen selbst hat seinen Einsatz unbeschadet überstanden. Er wurde später Militärkommandant in Tempelhof, schied nach 8000 Flugstunden als Oberst aus dem Dienst bei der Airforce aus uns starb 2022 im Alter von 101 Jahren.