Luftfahrt Die Politik verhindert eine Fusion

Von Thomas Magenheim, München 

Die Fusion von EADS und BAE scheitert am politischen Widerstand – vor allem aus Deutschland. Die Bundesregierung weist die Schuldzuweisung zurück. Die EADS bleibt ein von der Politik kontrollierter Konzern – mit welchen Folgen?

Der Eurofighter wird von EADS und BAE gemeinsam produziert. Foto: dapd
Der Eurofighter wird von EADS und BAE gemeinsam produziert. Foto: dapd

München - Die geplante Großfusion zwischen dem europäischen Luft- und Raumfahrtriesen EADS sowie dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems ist vom Tisch. „Es ist natürlich schade, dass wir keinen Erfolg hatten, aber ich bin froh, dass wir es versucht haben“, gestand EADS-Chef Tom Enders sein Scheitern ein. Er galt mit BAE-Chef Ian King als Kopf hinter dem Plan, den weltgrößten Luftfahrt- und Rüstungskonzern zu schmieden und damit zugleich die Macht von Politikern zu beschneiden. Auch King äußerte sich enttäuscht. Bei den Gründen für den Flop bleiben die Partner, die nun nicht zusammenkommen dürfen, offiziell sehr vage. Die Interessen der beteiligten Parteien hätten nicht in Einklang gebracht werden können, heißt es.

Damit sind die drei Regierungen in   Großbritannien, Frankreich und Deutschland gemeint. „Ich bin davon überzeugt, dass EADS seine Stärken am besten selbstständig auf dem Weltmarkt zur Geltung bringen kann“, begrüßte Peter Hintze (CDU) als Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt das Scheitern der ­Fusionsbemühungen. Davon würden nun auch die 29 deutschen EADS-Standorte mit ihren rund 50 000 Beschäftigten profitieren. Die Technologienation Deutschland habe ein originäres Interesse daran, dass Forschung, Entwicklung und industrielle Produktion hierzulande stark bleiben.

Der Bund hat dem EADS-Chef bis zuletzt misstraut

Diese Worte zeigen, dass der Bund den Garantien von Enders, deutsche Stellen und Standorte seien bei einer Fusion sicher, bis zuletzt misstraut hat. Daneben wurde hartnäckig über das Ausmaß des staatlichen Einflusses in einem fusionierten Gesamtkonzern gerungen. Wie hoffnungslos die Pläne der sich untereinander einigen Manager zuletzt geworden sind, zeigt auch der Umstand, dass sie auf eine mögliche Verlängerung der Gespräche mit den Regierungen um vier Wochen verzichtet haben.

Gescheitert ist die Elefantenhochzeit letztlich an der Bundesregierung, heißt es aus den beteiligten Verhandlungskreisen. „Frau Merkel wollte nicht“, bringt ein Insider die Haltung der Bundeskanzlerin auf den Punkt. Zur Begründung seien lediglich gegenüber den Konzernen „übergreifende Erwägungen“ geltend gemacht worden. Berlin hatte zuletzt für Deutschland unter anderem die Zentrale des fusionierten Konzerns gefordert, sagen Verhandlungskreise. Selbst dabei habe sich eine Lösung abgezeichnet. Letztlich sei man an einer Berliner Fundamentalopposition gescheitert.

Daimler will aussteigen

Die Konzerne gaben sich von der Haltung der deutschen Regierung überrascht. Man sei nach Vorgesprächen mit der Politik schon im Juli davon ausgegangen, dass die französische Regierung die entscheidende Hürde sei. Frankreich ist mit knapp 15 Prozent direkt an der EADS beteiligt. Weitere 7,5 Prozent hält der Lagar­dère-Konzern. Auf deutscher Seite, die insgesamt ebenfalls 22,35 Prozent der EADS kontrolliert, ist der Daimler-Konzern der bestimmende Aktionär. Die Stuttgarter wollen aber ebenso wie Lagardère aussteigen.

Die französische Regierung hätte der Fusion letztlich zugestimmt, sagen Beteiligte. Zunächst wollten die Franzosen nicht garantieren, sich am fusionierten Konzern mit neun Prozent Anteil zu begnügen. Dann habe Paris aber eingelenkt. Einen gleichen Anteil hat auch die deutsche Regierung beansprucht, so dass beide zusammen auf 18 Prozent gekommen wären, was unter einer Sperrminorität von 25 Prozent liegt. Das habe die britische Regierung akzeptiert, die nur über eine sogenannte goldene Aktie von BAE verfügt, mit der hätte sie eine Fusion zu Fall bringen können.

„Die Bundesregierung hat sich einem Konsens verweigert“

Nachdem sich Frankreich und Großbritannien verständigt hatten, hing zuletzt alles an Deutschland. „Die Bundesregierung hat sich einem Konsens verweigert“, kritisiert ein Insider. Berlin habe für die Luft- und Raumfahrtindustrie keine Vorwärtsstrategie, sondern nur eine des Festhaltens. Stellen und Standorte vor allem in der Rüstungssparte seien dadurch nicht sicherer geworden. Als gescheitert muss mit der geplatzten Fusion auch die Vision 2020 von Tom Enders gelten. Deren Ziel war, zum boomenden EADS-Zivilgeschäft der Tochter Airbus mit der Rüstung ein gleichberechtigtes zweites Standbein aufzubauen. Bislang liefert die EADS-Rüstungssparte Cassidian nur rund ein Fünftel des Gesamtgeschäfts. Vor allem am weltgrößten Rüstungsmarkt USA konnte die EADS kaum Fuß fassen. Zugleich wurden in den europäischen Heimatmärkten die Wehretats gestrichen.

Mit der BAE hätte diese Schwäche über Nacht beseitigt werden können. Die Briten sind der drittgrößte Rüstungskonzern der Welt und machen die Hälfte ihres Geschäfts in den Vereinigten Staaten. Vom Sinn einer Fusion waren aber nicht alle überzeugt. Kritik kam zuletzt vom BAE-Großaktionär Invesco. Auch die Reaktion der Börse zeigt, dass sie in der Fusion keinen Vorteil für die EADS gesehen hat. Die EADS-Aktie legte nach dem offiziellen Scheitern des Zusammenschlusses um zeitweise knapp fünf Prozent zu. Als Folge werden nun voraussichtlich die staatlichen Kräfte bei der EADS gestärkt. Der Bund bekräftigte, Daimler-Anteile über ihre Förderbank KfW übernehmen zu wollen. Auch in Frankreich steht der Staat parat, um die von Lagardère gehaltenen EADS-Aktien aufzukaufen.