Lusthaus Die Reste eines Schmuckstücks vom Verfall gerettet

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Der Verein „Neues Lusthaus“ hat am Samstag die gelungene Erhaltung des Denkmals gefeiert. Das kleine Überbleibsel eines ursprünglichen Lustschlosses wurde einst in den Schlossgarten versetzt.

Die Arkaden der Lusthausruine sind nach der Sanierung wieder zugänglich. Foto: Frank Eppler
Die Arkaden der Lusthausruine sind nach der Sanierung wieder zugänglich. Foto: Frank Eppler

Stuttgart - Komm in den totgesagten Park und schau“ – diese Zeile eines Gedichts von Stefan George, vorgetragen von Mitgliedern der Akademie für gesprochenes Wort, verbreiteten am Samstag ihr ganzes Pathos vor der alten Lusthausruine. Der Vortrag war Teil einer Veranstaltung, mit der der Förderverein Neues Lusthaus Stuttgart die vor geraumer Zeit abgeschlossene Sanierung dieses Denkmals beging.

Roland Ostertag, der Vorsitzende des rund 70 Mitglieder zählenden Vereins, erinnerte an die jüngere Geschichte dieser Überreste des alten Lusthauses aus der Renaissance. Jahrzehntelang sei das Denkmal nicht gepflegt und geschützt worden, kritisierte Ostertag im Rückblick. Die Devise der zuständigen Behörden sei lange Zeit gewesen, das Gemäuer in Würde sterben zu lassen. Ende der 80er Jahre wurde die Ruine dann mit dem Verweis „Einsturzgefahr, Betreten verboten“ unzugänglich gemacht.

Vor zehn Jahren seien dann erste Stimmen der Kritik laut geworden. Erst nachdem im Sommer 2008 der Verein Neues Lusthaus gegründet worden sei, in dem viele Kulturschaffende Mitglied sind, habe sich das Blatt gewendet und die Behörde eingelenkt. Inzwischen ist das Bauwerk für 600 000 Euro vom Land saniert worden. Der Verein hat mit Spenden von 30 000 Euro den Wildwuchs um die Ruine beseitigt und eine Drainage finanziert.

Das alte Lusthaus ist viele Jahrhunderte lang ein Schmuckstück der Stuttgarter Baugeschichte gewesen. Erbaut von 1584 bis 1593 von dem Architekten Georg Beer im Auftrag von Herzog Ludwig von Württemberg, war der Renaissancebau ein Zentrum des geselligen Lebens in der Residenzstadt. Dort fanden höfische Feste und später auch Theater- und Opernaufführungen statt. Im Jahr 1902 fand diese glanzvolle Geschichte ein jähes Ende: Ein Brand zerstörte weitgehend den historischen Bau, der an der Stelle des heutigen Kunstvereinsgebäudes stand. Die spärlichen Reste des kunsthistorisch bedeutenden Bauwerks: eine Loggia, Arkaden mit Gewölben und eine zweiläufige Freitreppe. 1904 wurden diese Überbleibsel dann in den Schlossgarten versetzt.

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