Machtkampf beim VfB Stuttgart spitzt sich zu Warum Thomas Hitzlsperger Claus Vogt aus dem Amt drängen will

AG-Chef Thomas Hitzsleprger (li.) und Präsident Claus Vogt vom VfB Stuttgart sind sich längst nicht mehr einig. Foto: Baumann
AG-Chef Thomas Hitzsleprger (li.) und Präsident Claus Vogt vom VfB Stuttgart sind sich längst nicht mehr einig. Foto: Baumann

Paukenschlag beim VfB Stuttgart: Wenn am 18. März die Wahl des Präsidenten ansteht, will auch Thomas Hitzlsperger, der Chef der VfB AG, Kandidat sein. Damit spitzt sich der Machtkampf bei den Weiß-Roten zu.

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Stuttgart - Am 18. März findet die nächste Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart statt. Der Vorlauf hat längst begonnen. Organisatorisch, weil noch unklar ist, wie die Sitzung aufgrund der Corona-Pandemie ablaufen kann. Vor allem aber auch personell. Weil Claus Vogt am 15. Dezember 2019 nur für eine Übergangszeit nach dem Rücktritt von Wolfgang Dietrich zum Präsidenten des VfB Stuttgart e.V. gewählt worden ist, steht nun erneut die Wahl des Clubchefs an – diesmal für eine komplette Amtszeit.

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Die Frist für mögliche Bewerberinnen und Bewerber ist am 18. Dezember abgelaufen. Claus Vogt will wieder antreten, drei mögliche Kontrahenten gibt es – darunter, das ist nun bekannt, ist eine Personalie, die ein wahres Beben im weiß-roten Haus auslöst.

Doppelfunktion von Hitzlsperger?

Thomas Hitzlsperger will Präsident des VfB werden und Claus Vogt so aus dem Amt drängen. Hitzlsperger, der Vorstandsvorsitzende der VfB Stuttgart 1893 AG? Genau der.

Der ehemalige Nationalspieler strebt eine Doppelfunktion an, die wohl möglich ist, wenn er nicht, wie derzeit Claus Vogt, als Clubchef auch Aufsichtsratsvorsitzender der AG wäre. Oder anders ausgedrückt: Thomas Hitzlsperger strebt nach der Allmacht im heutigen Konstrukt des VfB, das eigentlich eine Gewaltenteilung mit Kontrollfunktion vorsieht. In einem offenen Brief bestätigte Hitzlsperger am Mittwochnachmittag sein Vorhaben.

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Auf der einen Seite der Präsident des Vereins, der die Abteilungen jenseits des Profifußballs repräsentiert und in der AG Vertreter des Mehrheitseigners und zudem Aufsichtsratschef ist. Dort der AG-Vorstand mit seinem Vorsitzenden, der das operative Geschäft des Profibetriebs führt und damit das sportliche und wirtschaftliche Geschehen des Bundesligateams bestimmt. Nun also will Hitzlsperger beide Ämter bekleiden.

Seit Monaten gibt es Ungereimtheiten

Hintergrund sind Unstimmigkeiten zwischen Vogt und Hitzlsperger, beziehungsweise dem AG-Vorstand, die zuletzt immer häufiger öffentlich zutage traten. „Ein tiefer Riss geht durch unseren Club. Dieser Riss gefährdet alles, worauf wir zu Recht stolz sind“, schreibt Hitzlsperger in seinem Brief und benennt das Konfliktfeld aus seiner Sicht offen: „Der Riss verläuft zwischen unserem Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden Claus Vogt auf der einen Seite und dem gesamten Vorstand der AG und zahlreichen Gremienmitgliedern aus Präsidium, Aufsichtsrat und Vereinsbeirat sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf der anderen Seite.“

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Der AG-Chef fühlt sich vom kontrollierenden Vereinsboss in schnellen Entscheidungen gebremst, Vogt wird nachgesagt, er scheue klare und zügige Entscheidungen. Dass die von Vogt in externe Hände gegebene Aufklärung der Datenaffäre nach wie vor nicht abgeschlossen ist, sorgt zudem für Unmut. Vogts Präsenz in den sozialen Medien, die ihn eher als Fan denn als Funktionär darstellt, kommt in der AG auch nicht gut an.

Vogt dagegen beruft sich stets auf seine Rolle und Rechte als Kontrolleur der AG-Verantwortlichen sowie als Vertreter der rund 70 000 Mitglieder und Fans. Tatsächlich ist er kein Angestellter, sondern gewählter Präsident – eine im Fußball durchaus übliche schnelle Trennung kann es also gar nicht geben. Hitzlsperger sieht als Lösung des Konflikts nun die eigene Kandidatur als Präsident.

Vogt gilt als Gegenentwurf zu Dietrich

Rückenwind geben ihm seine Beliebtheit im VfB-Umfeld sowie die sportliche Entwicklung der Mannschaft nach dem Aufstieg. Allerdings: Auch der bisher ehrenamtlich tätige Vogt ist gerade bei einem Großteil der Fans sehr beliebt, die sehen ihn als Gegenentwurf zu seinem Vorgänger Wolfgang Dietrich. Das positive Bild, das der VfB derzeit abgibt, wird auch dem Unternehmer zugeschrieben. Zum Vorgehen von Hitzlsperger sagt er nur so viel: „Ich war über die Vorgänge informiert. Aber Internes bleibt für mich intern.“

Neben Vogt und Hitzlsperger haben auch der Unternehmer Volker Zeh und Friedhild Miller ihre Bewerbungsunterlagen eingereicht. Der Vereinsbeirat muss nun entscheiden, wen er zur Wahl stellt. Geplant sind zwei Kandidaten.

 




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