Magazin für ADAC-Mitglieder Die „Motorwelt“ kommt nicht mehr nach Hause

Von Thomas Magenheim-Hörmann 

Das ADAC-Clubmagazin „Motorwelt“ und seine Erscheinung wird ab 2020 stark verändert.

Das Clubmagazin des ADAC wird nicht mehr nach Hause geliefert. Foto: SVEN SIMON
Das Clubmagazin des ADAC wird nicht mehr nach Hause geliefert. Foto: SVEN SIMON

München - Mit einer Auflage von zuletzt über 13 Millionen Exemplaren zählt das ADAC-Clubmagazin „Motorwelt“ zu den umsatzstärksten Magazinen Deutschlands. Rechnet man sie den monatlichen Titeln zu, obwohl die Clubzeitschrift seit rund zwei Jahren nur noch zehnmal im Jahr erscheint, ist sie in dieser Hinsicht sogar die Nummer eins. Aber die rund 20 Millionen ADAC-Mitglieder, die ihre Vereinszeitschrift bislang verlässlich ins Haus geliefert bekommen, werden ab 2020 in dieser Hinsicht leere Briefkästen vorfinden. Eingestellt wird die „Motorwelt“ dann zwar nicht, aber im Umfang auf vier Ausgaben jährlich reduziert, und wer sie lesen will, muss sie bei ADAC-Geschäftsstellen oder bei Partnern wie Tankstellen abholen.

Grund dafür sind Digitalisierung und Sparzwänge. Offiziell hält sich die Autofahrerlobby zu den Plänen und ihren Hintergründen noch weitgehend in Schweigen. „Richtig ist, dass wir im Rahmen unseres ambitionierten Zukunftsprogramms ‚Pole Position‘ auch die Kommunikationsaktivitäten und -kanäle des ADAC neu aufstellen“, räumt der Geschäftsführer Alexander Möller zurückhaltend ein. Weil sich auch Clubmitglieder immer mehr online informieren und man glaubt, nur so speziell junge Autofahrer zu erreichen, plant der ADAC nun eine digitale Kommunikationsoffensive, die zugleich auch in ein größeres Sparprogramm eingebettet ist. Denn seit seinem Skandal um den eingestellten Autopreis Gelber Engel ist der Club angeschlagen. Um seinen Vereinsstatus nicht zu gefährden, wurde zudem eine Strukturreform nebst Neuaufstellung erzwungen. Die beiden traditionellen ADAC-Bestandteile Verein und Wirtschaftstöchter wurden strikter voneinander getrennt und um eine Stiftung ergänzt, was Geld kostet. Deshalb werden gerade erstmals in der jüngeren Clubgeschichte 274 der bundesweit rund 9000 Stellen gestrichen.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Zeitschrift ein Verlustgeschäft ist

Selbst vor der ehrwürdigen „Motorwelt“ machen die Rotstiftpläne keinen Halt. Ein offenes Geheimnis ist, dass die Clubzeitschrift trotz auflagenbedingt hoher Werbeeinnahmen ein Verlustgeschäft ist. Das liegt nicht nur an den Druckkosten, derer sich bislang der Burda-Verlag erfreut, sondern vor allem auch am Porto. Eine zweistellige Millionensumme streicht die Deutsche Post bislang jährlich für die „Motorwelt“ ein. Dazu kündigte sich eine Portoerhöhung an. Erscheint die Clubzeitschrift nur noch einmal im Quartal und wird sie an Ausgabestellen selbst von den Lesern abgeholt, reduzieren sich die Kosten drastisch. Sie soll aber nicht als Printausgabe ganz eingestellt und völlig ins Digitale transferiert werden. „Wir setzen weiterhin auf eine regelmäßig erscheinende, gedruckte Ausgabe unseres Clubmagazins als relevanter Leuchtturm der ADAC-Kommunikation“, verspricht Möller. Details zur Ausgestaltung will er erst in den nächsten Monaten nennen.

Ob das Magazin künftig überhaupt noch von ADAC-Redakteuren geschrieben wird, ist offen. Ein komplettes Outsourcing ist in der Diskussion. Ein Insider verrät, dass der Grundsatzbeschluss zum quartalsweisen Erscheinen getroffen ist. „Das wird so kommen“, versichert er. Bis Ende des Jahres müsse noch geklärt werden, wo sich Mitglieder ihr Clubmagazin künftig kostenlos abholen können. Bei ADAC-Geschäftsstellen und Tankstellen allein soll es nicht bleiben. Dann dürfte auch klarer werden, wer das Magazin überhaupt liest. Bislang gehen viele Experten davon aus, dass die „Motorwelt“ oft ungelesen im Papiermüll landet. Inhaltlich soll die neue „Motorwelt“ das Bemühen des Clubs stärker widerspiegeln, sich von der traditionellen Autofahrerlobby zum modernen Mobilitätsdienstleister zu entwickeln – was immer das heißt.

Die „Motorwelt“ ab 2020 auch an Nicht-Mitglieder des ADAC zu verkaufen ist bislang nicht geplant. Abwegig wäre der Gedanke nicht. Denn der ADAC öffnet schon in einem anderen Bereich sein Angebot für jedermann: Mit einer clubeigenen Rechtsschutzpolice wird das erste ADAC-Produkt seit Kurzem auch Nichtmitgliedern angeboten. Mitglieder erhalten die Versicherung mit Rabatt. Diese Praxis soll demnächst auf andere Policen ausgedehnt werden. Das Konzept könnte eventuell als Vorbild für die „Motorwelt“ dienen.