Der Eckensee im Schlossgarten bietet aktuell ein Bild, das an seinen Ursprungszustand erinnert: das Becken weitgehend leer und kein Kupferknäuel mehr. Während Mitarbeiter der für die Parkpflege zuständigen Wilhelma am Donnerstagvormittag die jährliche Reinigung des Sees beendeten, hob ein Schwerlastkran das zwei Tonnen schwere Kupferknäuel, das einmal ein Teil des Operndachs war, aus dem Becken und platzierte es auf dem Opernvorplatz. Dort wurde das Gebilde zunächst mit Gewichten platt gemacht und später abtransportiert. Marcel Hein, Juniorchef der mit der Demontage beauftragten Firma Hein, beaufsichtigte den „nicht alltäglichen Auftrag“. Seine Firma war es auch, die das Kupferknäuel im April 2022 samt Stahlunterkonstruktion im Eckensee platzierte. Der Abbau am Donnerstag verlief planmäßig. „Es hat alles funktioniert“, erklärte der junge Maschinenbaumeister.
Das zwei Tonnen schwere Knäuel wird eingeschmolzen
Entstanden war das Knäuel durch einen Gewaltakt der Natur. Am 28. Juni 2021 hatte ein Sturm Teile des 500 Quadratmeter großen Operndachs abgerissen und zusammengefaltet. In der Folge beschloss das Finanzministerium, einer Idee des SPD-Landtagsabgeordneten Martin Rivoir folgend, das Knäuel als „Mahnmal für den Klimawandel“ im angrenzenden Eckensee aufzustellen. Allerdings nur temporär, wie es damals schon hieß. Gegen eine dauerhafte Installation des scharfkantigen Objekts sprachen laut Ministerium der Denkmalschutz, aber auch Sicherheitsgründe.
„Eigentlich schade“, fand eine ältere Passantin am Donnerstagvormittag, die mit ihren Smartphone noch eilig ein paar Bilder schoss: „Es war eine tolle Idee, das Dach als Mahnmal aufzustellen.“ Sie hätte das Knäuel gerne erhalten gesehen. Martin Rivoir hatte dafür eigens noch eine Online-Petition gestartet – jedoch vergeblich. Das ursprünglich acht Meter langer, vier Meter hohe und dreieinhalb Meter breite Objekt kommt jetzt auf einen Wertstoffhof; das Kupfer wird eingeschmolzen.
FDP-Abgeordneter beklagt Steuerverschwendung
Die Installation hatte allerdings nicht nur Freunde. Beim Abbau vernahm Marcel Hein auch etliche kritische Stimmen – von wegen Kunst und Mahnmal! Steuergeld sei hier verschwendet worden, schimpften einige Passanten.
Kein Freund des Knäuels ist auch der Stuttgarter FDP-Landtagsabgeordnete Friedrich Haag: „Es ist zu begrüßen, dass Finanzminister Bayaz endlich das Kupferknäuel demontieren lässt“, schrieb Haag: „Für mich war das nie ein Mahnmal für Klimawandel, sondern ein trauriges Symbol für Sanierungsstau und Steuergeldverschwendung.“ Der schlechte Zustand von Landesliegenschaften, wie die Oper, sei peinlich. Eine Anspielung darauf, dass Teile des Operndachs dem Sturm im Juni 2021 nicht standgehalten hatte. In den Augen Haags handelte es sich um eine „fragwürdige Installation“, die den Steuerzahler 25 000 Euro gekostet habe.
Das Knäuel auf der Opernbühne
Sollte an dem Knäuel dennoch je wieder Bedarf bestehen – Marcel Hein hat vor dessen Demontage Aufnahmen gemacht, aus denen sich ein Kunststoffmodell aus dem 3-Drucker erstellen ließe. Und dann ist da noch die Nachbildung aus Holz, Stoff und Styropor, die aktuell in der Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ zu sehen ist – auch dort als Anspielung auf den Klimawandel.