Malala aus Pakistan Queen empfängt tapfere 16-Jährige

Queen Elizabeth II. war sichtlich beeindruckt von der Stärke der 16-jährigen Pakistanerin Malala, die von einem Talibankämpfer in den Kopf geschossen wurde. Foto: Getty Images Europe 11 Bilder
Queen Elizabeth II. war sichtlich beeindruckt von der Stärke der 16-jährigen Pakistanerin Malala, die von einem Talibankämpfer in den Kopf geschossen wurde. Foto: Getty Images Europe

Die Taliban hätten keinen größeren Fehler machen können, als Malala in den Kopf zu schießen. Denn statt zu schweigen, tritt die 16-Jährige nur um so lauter für Menschenrechte ein - und trifft nun sogar die Queen.  

New York - Vor einem Jahr fragte ein Taliban-Kämpfer in einem Schulbus in Pakistan: „Wer ist Malala? Wer ist Malala?“ Wenn sie sich nicht melde, töte er alle Kinder. Schließlich schoss er der 15-Jährigen in den Kopf, weil sie in ihrem Internetblog Bildung für alle gefordert hatte - auch für Mädchen. Doch Malala Yousafzai überlebte und wurde weltweit bekannt als das Mädchen, das den radikalislamischen Taliban die Stirn bietet. Während sie in Pakistan nach wie vor viele Feinde hat, ist sie im Westen ein Star. Am Freitag traf sie im Buckingham Palast sogar die britische Queen und überreichte der Königin ihr Buch.

Malala war elf, als sie im Internet Schule für alle forderte. „Die Taliban hatten Unterricht für Mädchen verboten und im Radio gesagt: „Ihr wisst, was wir sonst mit Euch machen!“ Ich dachte mir, dass das doch nicht gerecht sein kann.“ Der Vater, ein Schuldirektor, unterstützte sie. „Lieber aufstehen und sterben als 100 Jahre im Joch leben“, sagt er heute. „Wenn es um Freiheit geht, dürfen wir keine Kompromisse machen.“ Als die Taliban Hunderte Schulen sprengten, schrieb Malala dagegen - und wurde zum Todfeind der Islamisten.

"Ich lebe und kann sogar lachen"

„Alles ist gut. Ich lebe und kann sogar lachen“, sagte Malala Yousafzai in einem Interview der CNN-Moderatorin Christiane Amanpour. „Damals wusste ich nicht, dass der Tag, der in einem Schulbus begann, in einem Krankenhaus in Birmingham enden würde.“ Dieser Tag dauerte acht Tage mit Notoperationen und drei Krankenhaus-Verlegungen. Als sie wieder die Augen aufschlug, war sie nicht mehr im Swat-Tal, sondern im Queen Elizabeth Hospital im englischen Birmingham. „Mein erster Gedanke: Du wurdest angeschossen. Es war kein Traum! Mein zweiter war, dass ich einfach glücklich war zu leben. Der dritte: Oh Gott, wer soll das bezahlen?“

Darum muss sich die nun 16-Jährige keine Sorgen machen. Stiftungen unterstützen sie und zudem kommt gerade ihre Autobiografie auf den Markt. Das Fernsehen liebt sie: Ein 16-Jähriges Mädchen aus einer abgelegen Region Pakistans, das doch weltgewandt und klug, ja weise spricht. Ihre Antworten haben perfekte Fernsehlänge und bestehen aus mutigen Worten („Sie können mich erschießen, aber nicht meine Träume.“) und humorvollen Bemerkungen („Ich muss Stärke zeigen und meine Stimme erheben. Ich meine zu Hause gegen meine Brüder.“).

Vorwurf der Selbstvermarktung

Im CNN-Interview wirkt die 16-Jährige selbstsicher - und rückt doch immer wieder fast schüchtern ihr Kopftuch zurecht. Malala ist ein Kind ihres Landes. Sie liebt ihre Heimat, spricht von der Liebe zu Gott und auch ihrer Lieblingsmusik. „Früher war es Justin Bieber. Aber jetzt, wo ich so weit weg von zu Hause bin, ist es die Musik meiner Heimat.“ Denn Malala ist seit der Behandlung in England noch nicht wieder nach Hause zurückgekehrt. Das bringt ihr den Vorwurf der Selbstvermarktung ein und in der Tat hat sie kaum einen Tag ohne Interviews. Ihre Anhänger verweisen auf eine andere Tatsache: Trotz, ja wegen der weltweiten Solidarität - die UN haben sogar einen Malala-Tag ausgerufen - haben die Taliban ihre Morddrohung erneuert.

„Ich dachte, die Taliban haben Manieren. Fast so wie Menschen“, sagt sie in New York. „Aber wenn sie mich wegen meiner Meinung töten wollen, werde ich sie jeden Tag daran erinnern.“ Die Islamisten hätten Angst vor Bildung und vor Frauen. „Eine gebildete Frau ist das Furchtbarste, dass sie sich vorstellen können.“ Dann blickt sie in New York ins Publikum und sagt: „Seid glücklich, dass Bildung bei Euch etwas Normales ist.“

Die Teenager mit ihr auf dem Podium, die vielleicht jeden Morgen die Schule verdammen, gucken zu Boden. „In Großbritannien“, scherzt Prinz Philip, der für seinen derben Humor bekannte Ehemann von Queen Elizabeth II., würden die Eltern ihre Kinder nur zur Schule schicken, weil sie die Kinder aus dem Haus haben wollen.

Malala ist ambitioniert. „Eigentlich wollte ich Ärztin werden. Aber ich glaube, als Politiker kann man noch mehr Menschen helfen.“ Deshalb: „Ja, ich möchte Premierministerin meines Landes werden.“

„Sie ist keine Schülerin mehr. Sie ist unser aller Lehrerin“, sagt Washingtons UN-Botschafterin Samantha Power. Die Taliban hätten bewiesen, wie lebensfeindlich sie seien. „Und dieses kleine Mädchen hat ihnen Angst eingejagt.“ Dabei gebe es weltweit 57 Millionen Kinder, die nicht zur Schule dürften, in Pakistan sei es jedes dritte Kind. „Ein Lehrer oder ein Buch können die Welt verändern“, sagt Power. „Oder ein Kind. Heute würde niemand mehr fragen: „Wer ist Malala?“.“

 

 




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