Mali engagiert russische Söldner Hilfe für die Putsch-Regierung

Deutsche Soldaten sind in Mali stationiert. Foto: Michael Kappeler/dpa
Deutsche Soldaten sind in Mali stationiert. Foto: Michael Kappeler/dpa

Malis Militärregime steht offenbar kurz vor der Unterzeichnung einer Vereinbarung mit einer berüchtigten russischen Söldnergruppe. Was bedeutet das für die Mission der Bundeswehr?

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Bamako - Malis Militärregierung will sich offenbar der russischen Söldnergruppe Wagner bedienen, die mit bis zu 1000 bezahlten Legionären gegen islamische Extremisten in dem westafrikanischen Krisenstaat vorgehen soll. Der Plan sorge in europäischen Diplomatenkreisen für helle Aufregung, meldet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zahlreiche Experten. In Mali sind außer einigen Tausend französischen Fremdenlegionären auch mehr als 1000 Bundeswehrsoldaten stationiert. Die Entwicklung in dem westafrikanischen Staat werde „mit größter Sorgfalt verfolgt“, erklärte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam auf Anfrage unserer Zeitung.

Frankreich will den Söldnerdeal stoppen

Dem Reuters-Bericht zufolge soll die Gruppe Wagner für ihre Dienste mehr als zehn Millionen Dollar monatlich erhalten. Dazu gehörten unter anderem der persönliche Schutz des Präsidenten sowie die Ausbildung malischer Soldaten – sie wurden bisher von der europäischen Ausbildungsmission in Mali (EUTM) trainiert. Seit dem malischen Militärcoup im Mai dieses Jahres ist die Mission, der auch rund 300 Bundeswehrsoldaten angehören, suspendiert. Was im Fall eines Vertragsabschlusses zwischen der malischen Regierung und der Gruppe Wagner geschieht, müsse die Politik beantworten, heißt es in Potsdam.

Derzeit setzt offenbar vor allem Frankreich alle diplomatischen Hebel in Bewegung, um den Söldnerdeal zu stoppen. Paris habe bereits Emissäre nach Moskau und Bamako gesandt. Frankreich hat in der unruhigen Sahelzone mehr Soldaten als jede andere Nation stationiert. Paris betrachtet die ehemalige Kolonie als seinen Einflussbereich. Bereits im Januar 2012 wurden mehr als zehntausend Soldaten nach Mali geschickt, nachdem die nördliche Hälfte des Landes von Islamisten besetzt worden war. Deren oberflächliche Vertreibung gelang den französischen Einheiten schnell – doch der Untergrundkrieg der Extremisten ging weiter. Auch deshalb wird in Paris schon seit Monaten laut über eine Verringerung der militärischen Präsenz nachgedacht. Europäische Partner wie Deutschland sollten einen größeren Anteil übernehmen, heißt es.

In Mali werden Frankreichs Andeutungen als Bedrohung wahrgenommen. Man befürchtet, die französische „Schutzmacht“ könne das Interesse an ihrem afrikanischen Schützling genauso schnell verlieren wie die amerikanische an Afghanistan. In der Hauptstadt Bamako kommt es immer öfter zu antifranzösischen Protesten.

Die Gruppe Wagner breitet sich in Afrika aus

General Assimi Goïta, der innerhalb eines Jahres gleich zweimal eine Regierung stürzte, weiß um die Achillesferse Frankreichs: Paris konkurriert mit Moskau um politischen Einfluss und den Zugang zu afrikanischen Rohstoffvorkommen. Frankreich musste in der Zentralafrikanischen Republik eine empfindliche Niederlage einstecken. Dort setzten sich Moskau und seine „private“ Gruppe Wagner als Partner des angeschlagenen Präsidenten Faustin Archange Touadera durch. Die Söldnertruppe lässt sich den Einsatz ihrer bis zu 2000 „Militärberater“ über den Zugang zu den Diamantenvorkommen im Nordosten des Landes bezahlen. Ein ähnliches Arrangement könnte auch im goldreichen Mali getroffen worden sein.

Die Gruppe Wagner breitet sich seit mehreren Jahren über Afrika aus: Sie war mit über 2000 Söldnern am libyschen Bürgerkrieg beteiligt, unterstützte den inzwischen entmachteten sudanesischen Diktator Omar al Baschir, kämpfte gegen islamische Extremisten im Norden Mosambiks und schützt die Interessen von Minenunternehmen im Kongo. Russlands Engagement auf dem Kontinent ist nicht selbstlos: 16 Prozent der russischen Waffenexporte gehen nach Afrika.




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