Mallorca will den Sauftourismus eindämmen: Wie der „Ballermann“ soll nun auch die britische Urlauberhochburg Magaluf „Benimmregeln“ erhalten. Der Ort war zuletzt durch Skandale in die Medien geraten.

Stuttgart - Kein Schnaps, kein Bier und keine Limonade: auf Mallorcas Partymeile Magaluf soll in diesem Sommer der Getränkekonsum auf der Straße während der Nachtstunden generell untersagt werden. Das nächtliche Trinkverbot soll dazu beitragen, den „Sündenpfuhl“ auf der spanischen Ferieninsel trockenzulegen. Darunter sollen auch nichtalkoholische Getränke fallen.

 

Die Gemeindeverwaltung will nicht zulassen, dass junge Urlauber Spirituosen in Limonadenflaschen zu ihren nächtlichen Strandpartys mitbringen. Und den Polizisten will man offenbar ersparen, die Flaschen und Pappbecher auf ihren Inhalt überprüfen zu müssen.

Das Trinkverbot für die Zeit von 22 bis acht Uhr ist eine der „Benimmregeln“, die die Gemeindeverwaltung von Calvià im Südwesten der Insel zum 1. Mai für die ihr unterstellten Strandgebiete in Kraft setzen will. Dazu gehören neben Magaluf auch Badeorte wie Palmanova oder Santa Ponça.

Sexskandal scheuchte Bevölkerung auf

Die Vergnügungsmeile Punta Ballena in Magaluf, wo sich auf einer Länge von etwa 400 Metern ein Lokal an das andere reiht, hatte schon seit Jahren einen schlechten Ruf. Es zieht überwiegend Urlauber aus Großbritannien an und gilt als das britische Gegenstück des bei vielen Deutschen beliebten „Ballermanns“ an der gegenüber liegenden Seite der Bucht von Palma.

Die Anwohner hatten sich schon lange darüber beklagt, dass es in den Straßen zuweilen nach Urin und Erbrochenem stank und der Strand nachts zu einem Tummelplatz von Kleinkriminellen und Prostituierten wurde. Mit der geplanten „Verordnung für ein zivilisiertes Zusammenleben“ ziehen die Verantwortlichen vor allem Konsequenzen aus dem Skandal, den trinkfreudige Urlauber im vorigen Jahr mit Sex- und Saufexzessen ausgelöst hatten. Ein im Internet verbreitetes Video zeigte eine junge Irin in einer Kneipe beim Oralsex mit mehreren Männern.

Die Angst, die Besucher zu verprellen

Um einen weiteren Imageverfall zu verhindern, wollte die Gemeinde in ihre Benimmregeln auch ein Verbot von organisierten Kneipentouren („Pub Crawling“) aufnehmen. Sie musste jedoch feststellen, dass ihr dazu die Befugnisse fehlten. Statt eines Verbots will sie nun eine Serie von Einschränkungen und Auflagen in Kraft setzen, die nach Ansicht der Zeitung „Ultima Hora“ diese Sauftouren praktisch unmöglich machen.

„In Magaluf musste einfach etwas geschehen“, meinte das Blatt „Majorca Daily Bulletin“, gab aber zu bedenken: „Vielleicht ist die Gemeinde zu weit gegangen. Denn nun besteht die Gefahr, dass sie den Besuchern den Spaß nimmt. Magaluf wird jedenfalls nie mehr das sein, was es mal war.“ Dagegen äußerten die Hoteliers und Souvenirhändler die Befürchtung, dass die Polizei nicht in der Lage sein werde, die Einhaltung der Benimmregeln wirksam durchzusetzen. „Es gibt bereits genug Verordnungen, aber die werden nicht eingehalten“, beklagte Pepe Tirado, Präsident eines Händlerverbandes, in der Zeitung „Diario de Mallorca“.

Am Ballermann halfen die strengen Regeln

Die Großgemeinde Calvià nahm sich bei ihrem Vorhaben die Benimmregeln zum Vorbild, die der Stadtrat von Palma de Mallorca im vorigen Jahr für die Strandgebiete der Inselhauptstadt eingeführt hatte, zu denen auch das Gebiet um den Ballermann gehört. Dort waren anfangs ebenfalls Bedenken laut geworden. Vertreter der Touristenbranche äußerten die Befürchtung, dass Feriengäste durch ein Übermaß an Verbotsregelungen abgeschreckt werden könnten. Die Urlauber reagierten jedoch überwiegend mit Verständnis.

Die Stadtverwaltung von Palma zog am Ende des vorigen Sommers eine durchweg positive Bilanz. Hütchenspieler und andere Kleinkriminelle seien weitgehend zurückgedrängt worden, gab der Tourismus-Stadtrat Alvaro Gijón bekannt. Die obligatorischen Trinkgelage mit Sangría-Eimern würden am Strand um den Ballermann kaum noch abgehalten.

Die Einnahmen aus den Geldbußen hielten sich mit insgesamt 18 000 Euro eher in Grenzen. Allerdings hatten die Verantwortlichen von Anfang an erklärt, dass es ihnen bei den Benimmregeln keineswegs um das Geld gegangen sei.