„Mama geht tanzen“ im Schocken Um 20.25 Uhr ist die Tanzfläche knallvoll
„Mama geht tanzen“ heißt ein Disco-Abend speziell für Mütter in Stuttgart. Wie kommt die Party bei den Mamas an – und wann sind die nächsten Termine?
„Mama geht tanzen“ heißt ein Disco-Abend speziell für Mütter in Stuttgart. Wie kommt die Party bei den Mamas an – und wann sind die nächsten Termine?
Es ist Freitagabend, kurz nach 19 Uhr. Vor dem Schocken, einem Nachtclub in Stuttgart, ist es noch hell. Aber zwölf Mamas sind schon da. Alle schick angezogen, die Haare zurechtgemacht, das Make-up sitzt. Sie wollen mal wieder feiern gehen, lange ist es her. Ganz glücklich und aufgeregt sind sie, alle reden durcheinander. „Welche Musik wird wohl heute gespielt?“ – „Ach, wie schön ist es, mal wieder vor einem Club zu stehen“. Die Kinder haben sie heute bei ihren Männern zuhause gelassen. Sie wollen gemeinsam Spaß haben, ein bisschen die Sau rauslassen.
Die Gruppe ist früh dran, der Einlass beginnt erst in einer knappen halben Stunde. Aber erstens warten sie noch auf weitere Feiernde, und zweitens, na ja, schließlich gehört zum Mamasein auch dazu, überpünktlich zu sein.
Die Veranstaltung, auf deren Beginn die Gruppe wartet, heißt „Mama geht tanzen“. Sie findet zum zweiten Mal in Stuttgart statt und ist Teil einer Partyreihe für Mütter. Beginn: 20 Uhr, Ende: 23 Uhr. Andrea Rücker und Anna Schumacheraus Wuppertal haben die Reihe Ende 2022 gegründet. Wie ist es dazu kommen, eine Party speziell für Mütter zu organisieren? „Wir wollten selber einfach mal wieder feiern gehen“, antworten die Mütter. Aber sie hätten keine Parties gefunden, die vor 23 Uhr beginnen, und alles andere wäre für die beiden zweifachen Mütter einfach zu spät. Also haben sie in ihrem Heimatort eine Party organisiert, die schon um 20 Uhr beginnt. Die beiden hofften damals, dass vielleicht 60 Leute kommen würden. Am Ende waren es 300.
Aus der Idee ist im vergangenen dreiviertel Jahr ein ganzes Franchise geworden. Immer neue Orte kamen hinzu, weil sich Mütter bei den beiden Wuppertalerinnen gemeldet hatten, um zu fragen, ob sie auch in ihre Stadt kommen. „Organisiert doch selbst eine Party!“, sagten sie dann, „wir helfen gerne“. So war es auch in Stuttgart. Luisa Mardaus sah das Angebot auf Instagram und schrieb die beiden Organisatorinnen an. Im Juli dieses Jahres organisierte sie die erste Party. In Stuttgart kam das Angebot dann genauso gut an wie in Wuppertal. Die Veranstaltungen sind wochenlang im Voraus ausverkauft – 450 Tickets.
19.57 Uhr. Draußen ist es dunkel geworden, drinnen wummern die Lautsprecher. Die Tanzfläche ist großteils noch leer, die ersten Mamas schwingen ihre Hüften oder bestellen ihren ersten Drink. Maracujasaft. Das ist noch ausbaufähig. Um 20.09 Uhr füllt sich die Tanzfläche langsam, fünfzehn Minuten später ist sie komplett voll. Die Lichter wechseln von blau nach rot und zurück. Aus dem Lautsprecher ertönt „I Follow Rivers“ von Lykke Li. Fortbewegen kann man sich jetzt nur noch langsam, man muss sich zwischen den tanzenden Mama durchdrücken. „Entschuldigung“, sagt eine Mama, als ihr eine andere Besucherin versehentlich auf den Fuß tritt.
Außer der ungewohnten Rücksichtnahme und der frühen Uhrzeit, sieht das aus wie eine ganz normale Party. Okay, es sind nur Frauen da. Also, fast nur Frauen: „Schau mal, da ist ein Mann mitgekommen“, flüstert eine Mutter ihrer Freundin zu. Sie schaut in die Richtung eines 40-Jährigen, der angestrengt in sein Glas starrt. „Er trinkt eigentlich nichts, aber das ist jetzt schon sein drittes Glas“, sagt seine Ehefrau lachend. „Meine Freundin hat abgesagt, dann musste er mitkommen“. Er ist einer von vier Männern im Raum.
Die Gründerinnen sowie Veranstalterin Luisa Mardaus betonen aber, dass Männer nicht ausgeschlossen werden. „Wir werden manchmal missverstanden, die Leute denken, wir wollen nur Mamas“, sagt Andrea. Sie würden aber keinen Mutterpass kontrollieren, und Ehemänner dürften natürlich auch rein. Einige Frauen seien auch kinderlos oder kommen, um neue Kontakte zu knüpfen.
Wer allerdings nicht an der Security vorbeikommt, sind ganze Männergruppen. „Wir wollen den Frauen einen Safe-Space bieten, an dem sie nicht ihr Getränk zuhalten müssen, aus Angst, dass ihnen jemand was reintut“, sagt Mardaus. Und sie wollen den Müttern einen Ort bieten, an dem sie frei sein und nur an sich selbst denken können. Einen Ort der Selbstfürsorge sozusagen.
21.53 Uhr. Lou Bega singt, er „wolle ein bisschen Monica in seinem Leben, ein bisschen Erica an seiner Seite, ein bisschen Rita“ sei alles, was er braucht. Die Mamas stimmen zu, sie grölen lautstark mit bei „Mambo Nr. 5“: „One, two, three, four, five“, die Hände gehen nach oben. Eine Frau benutzt den senkrechten Türgriff zum Pole-Dance. „Feiern, wie zuvor“ – das ist das Motto der Reihe. Die Mamas setzen es ausgelassen in die Tat um.
„Früher war ich viel tanzen“, erzählt Janina, 40Jahre alt. Für das Gespräch nimmt sie ihre Oropax aus dem Ohr; „Oh, Gott, was für ein Klischee“, sagt sie amüsiert. Die Mutter ist zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder feiern – zum ersten Mal, seit sie Kinder hat. „Ich merke gerade richtig, wie mir das gefehlt hat“, sagt die zweifache Mutter. Normalerweise geht sie auf Hochzeiten und Kindergeburtstage, die sind auch zu familienfreundlicheren Zeiten.
„Wäre das zu einer späteren Uhrzeit, wäre ich nicht hier“, sagt sie. Auch ihrer Freundin Julia geht es so, sie muss morgen früh um sieben Uhr aufstehen. Am Sonntag ist nämlich ein Familiengeburtstag, da muss sie noch zwei Kuchen backen. Außerdem muss ihr Sohn zu einem Fußballspiel. Den Abend wollten die beiden Mamas aber trotzdem auf keinen Fall verpassen. Er hat für sie auch etwas Nostalgisches. „Wir sind extra mit dem Fahrrad hergefahren, wie zu Studienzeiten“, erzählt Janina. „Ich war so aufgeregt, da hab ich meinen Fahrradschlüssel zuhause vergessen“, sagt Anna. Ihre Schminke mussten sie auch erst wieder herauskramen, so lange haben die beiden sie nicht mehr gebraucht.
Um Punkt 23 Uhr ist die Party zu Ende. Davor wird noch ein letzter Klassiker gespielt, „Time of My Life“ aus dem Film „Dirty Dancing“. In Stuttgart ist das immer der Rausschmeißer, berechtigterweise, denn die Mamas brüllen mit, was das Zeig hält. Dann geht die Musik aus. Luisa Mardaus bedankt sich bei ihrem Publikum und lädt die Gäste zum nächsten Eventein. Sie bekommt einen Riesenapplaus.
Ganz beseelt verlassen die Frauen das Schocken. Die, die noch weitertanzen möchten, können noch bleiben, aber die meisten machen sich auf den Weg nach Hause. „Ich geh jetzt ins Bett“, sagt Fatma aus Stuttgart. „Meine Füße tun so weh, ich kann nicht mehr stehen“. Das sei es aber wert gewesen, findet sie. Auch Julia und Janina gehen durchgetanzt und zufrieden nach Hause. Morgen wartet schließlich der Alltag. Beim nächsten Event werden sie aber auf jeden Fall wiederkommen.
Info.
Im Stuttgart und Umgebung gibt es neben den Partys im Schocken auch Veranstaltungen in Ludwigsburg, Tübingen und Eislingen bei Göppingen.
Tickets und Termine.
Die nächsten Veranstaltung findet am Samstag, den 30. September, in Eislingen sowie am Freitag, 6. Oktober, in Ludwigsburg statt. Tickets für Stuttgart und Umgebung gibt es hier.