Managementberatung Horváth Eine ungewohnte Rolle für Stefan Wolf

Stefan Wolf hat eine neue Aufgabe. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Gesamtmetall-Chef Stefan Wolf verstärkt die Stuttgarter Managementberatung Horváth. Der frühere Vorstandschef des Zulieferers Elring Klinger soll seine Expertise in der Transformation einbringen. Dennoch ist es eine ungewohnte Rolle für ihn.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Unternehmensberatung ist ein lukratives Geschäft mit teils üppigen Vergütungen – allerdings auch ein stilles Metier. Top-Strategieberater sind sehr gute Analytiker, die komplexe Probleme angehen und dafür Lösungen entwickeln können. Zugleich sind sie in der Lage, im Hintergrund fernab der öffentlichen Bühne zu agieren.

 

Insofern ist es eine Überraschung, dass der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Stefan Wolf, zum Anfang April als Senior Advisor bei der renommierten Stuttgarter Managementberatung Horváth angeheuert hat. Der frühere Vorstandschef des Dettinger Zulieferers Elring-Klinger soll seine Kompetenzen in den Bereichen Automotive und metallverarbeitende Unternehmen einbringen. Denn Horváth macht fast ein Viertel seines Umsatzes in der Automobilbranche, deren Transformation einen immer höheren Beratungsbedarf erfordert.

Ungewohnte Rolle für meinungsstarken Wirtschaftslobbyisten

Damit kennt Wolf sich aus, und anders als viele Berater beherrscht er auch das operative Handeln. Allerdings ist er kein Leisetreter. Der Verbandsführer tritt als meinungsstarker Wirtschaftslobbyist auf und hält sich auch mit parteipolitischen Äußerungen kaum zurück. So etwas ist in der Beraterbranche unüblich; zu groß erscheint etwa die Gefahr, mit einseitigen Äußerungen Kunden zu verprellen. Insofern wechselt der Jurist in eine für ihn ungewohnte Rolle.

Noch bis Mitte Juni ist Wolf als Verbandschef gewählt – die Zukunft bei Gesamtmetall hat er bisher offen gelassen, aber immer wieder auch die Bereitschaft betont, Beirats- oder Aufsichtsratsmandate zu übernehmen. Dies ließe sich mit dem neuen Job leicht verbinden. Wolf kenne den Veränderungsdruck und die Erfolgsfaktoren für erfolgreiche Transformationen „wie kein Zweiter“, lobt Horváth-Chef Helmut Ahr bei LinkedIn – die Neuerwerbung bewertet er als Coup.

Nur wenige prominente Köpfe in der Beraterszene

Bereits vor zwei Jahren hatte das Unternehmen den einstigen Topmanager der Stahlbranche, Heinz Jörg Fuhrmann, als Senior Advisor an sich gebunden. Prominente Wirtschaftsführer, die in die Beraterbranche wechseln, ohne vom Radarschirm der Öffentlichkeit zu verschwinden, sind freilich rar. Ein solches Beispiel ist die gebürtige Stuttgarterin Janina Kugel, die einst als Siemens-Personalvorständin für weltweit 380 000 Mitarbeitende verantwortlich war und seit vier Jahren als Senior Advisor für die Boston Consulting Group tätig ist. Kugel ist nicht nur Aufsichtsratsmitglied der Tui AG, sondern tritt auch immer wieder als Rednerin oder Podiumsteilnehmerin auf.

Vor gut einem Jahr hat zudem der frühere Bundesbank-Präsident und UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber als Berater bei Boston Consulting angefangen. Die leitenden Köpfe der Branche hingegen haben meist in der Szene selbst Karriere gemacht und sind lediglich Insidern bekannt.

Andreas Scheuer will sich selbstständig machen

Hin und wieder zieht es (abgewählte) Politiker mit guten Wirtschaftskontakten in die Unternehmensberatung. In solchen Fällen hat diese Branche eher die Funktion eines – wenn es gut läuft – üppig entlohnten Auffangbeckens. Jüngstes Beispiel ist der frühere Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der angekündigt hat, nach dem 1. April sein Bundestagsmandat niederzulegen. Offenbar will er sich mit einer eigenen Beraterfirma zu neuen Ufern aufmachen.

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