Die deutschen Unternehmen haben Rekordgewinne erzielt, entsprechend gut haben ihre Chefs verdient. Spitzenverdiener unter den 30 Dax-Konzernen ist SAP-Chef Bill McDermott.

Frankfurt - Bill McDermott, der Vorstandschef des Walldorfer Softwareriesen SAP, war im vergangenen Jahr der Spitzenverdiener unter den deutschen Managern der 30 Dax-Konzerne. Mehr als 15 Millionen Euro sind dem Amerikaner zugeflossen – zumindest wenn man so rechnet, wie die Unternehmensberatung HKP. Die Frankfurter Vergütungsexperten haben sich dazu entschlossen, den „Zufluss“ der Vergütungen im jeweiligen Jahr zum Maßstab zu nehmen, nicht etwa, wie andere, die Zusagen, die in einem Jahr gemacht wurden. Das liegt daran, dass der Anteil der längerfristig orientierten Anteile an der Vergütung der Spitzenmanager in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Auf Empfehlung der Corporate Governance Kommission, die im Auftrag der Bundesregierung Regeln für eine „gute Unternehmensführung“ aufstellt, sind die kurzfristigen Anreize seit dem Jahr 2006 zurückgegangen, die langfristigen Komponenten dagegen gestiegen.

Dadurch sei auch die Entwicklung der Gehälter der Vorstandschefs deutlich gebremst worden, sagte Michael Kramarsch, Partner von HKP, bei der Vorstellung der neuesten Gehaltsstudie. Über die vergangenen elf Jahre hinweg seien die Vergütungen der Spitzenmanager nur um 2,5 Prozent pro Jahr gestiegen, die Bruttolöhne- und Gehälter der Arbeitnehmer mit 2,3 Prozent nur geringfügig schwächer. Vor allem aber sei die Transparenz deutlich besser geworden, lobte Kramarsch.

Durchschnittseinkommen von 7,1 Millionen Euro

Seit 2013 folgen die Dax-Unternehmen den Vorschlägen der Kommission, seit 2015 alle Unternehmen. Einfacher wird ein Vergleich der Gehälter durch die Regeln allerdings nicht unbedingt. So setzt sich die Gesamtvergütung aus dem Fixgehalt, dem einjährigen Bonus und eine langfristigen Erfolgszahlung zusammen, die in der HKP-Rechnung aber erst dann wirklich gezählt wird, wenn sie ausgezahlt wird. Die Boni, die viele Spitzenmanager 2016 bekommen haben, sind also der Ausdruck von bis zu fünf guten Jahren. Zudem rechnen die HKP-Experten noch die Anteile für die Altersversorgung sowie sonstige Nebenleistungen hinzu. So kommen sie auf ein Durchschnittseinkommen der Vorstandsvorsitzenden von 7,1 Millionen Euro, 15 Prozent mehr als im Jahr davor.

Dabei ist allerdings zusätzlich zu berücksichtigen, dass im vergangenen Jahr nur 21 Vorstandschefs das ganze Jahr im Amt waren, „so wenige wie nie zuvor“, wie Kramarsch sagte. Der Anstieg der Vergütungen sei durchaus logisch, sagte der HKP-Partner. Immerhin seien auch die Gewinne der Dax-Unternehmen im vergangenen Jahr um 37 Prozent gestiegen, viele Unternehmen hätten Rekordergebnisse erzielt. Das sei der stärkste Gewinnanstieg seit 2010 gewesen.

Daimler-Chef Dieter Zetsche liegt auf Platz zwei

Hinter McDermott folgt Daimler-Chef Dieter Zetsche mit einer Gesamtvergütung von knapp 13,8 Millionen Euro auf Platz zwei. Bei Zetsche fällt zum Beispiel die Altersvorsorge mit 708 000 Euro ins Gewicht, die das Unternehmen 2016 für ihn zurückgestellt hat. Bei der Nummer drei der Hitliste, dem Chef von Heidelberger Cement, Bernd Scheifele, liegt dieser Posten sogar bei knapp 1,2 Millionen Euro, insgesamt sind ihm im vergangenen Jahr demnach 9,99 Millionen Euro zugeflossen. Knapp dahinter liegt Post-Chef Frank Appel. Siemens-Chef Joe Kaeser dagegen kam „nur“ auf 8,4 Millionen Euro, nur etwas mehr als BASF-Chef Kurt Bock.

Grundsätzlich hält HKP-Experte Kramarsch eine Obergrenze für die Gehälter der Spitzenmanager nicht für falsch. Letztlich seien sie Angestellte des Unternehmens und keine selbstständigen Unternehmer, die das volle Risiko übernehmen. Wenn dann ein Spitzenmanager, wie etwa der Chef der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, sich mit maßgeblichen Beträgen am eigenen Unternehmen beteiligt, dann sei dies auch ein Zeichen für unternehmerisches Engagement.

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