Mann+Hummel schließt Produktion Ende 2022 stehen die Bänder in Ludwigsburg still

Künftig ist bei Mann+Hummel in Ludwigsburg vor allem Forschung und Entwicklung angesiedelt. Foto: Mann+Hummel

Der Autozulieferer Mann+Hummel schließt Ende 2022 das Werk in Ludwigsburg. 400 Beschäftigte verlieren ihre Jobs und wissen nicht, wie es für sie weiter gehen soll.

Stuttgart - Jetzt ist es endgültig. Der Autozulieferer Mann+Hummel schließt die Produktion am Firmensitz Ludwigsburg Ende 2022. Betroffen sind davon 400 Beschäftigte. Geschäftsführung und Betriebsrat haben sich auf ein „für alle Seiten tragfähiges Ergebnis“ verständigt, teilt das Familienunternehmen mit. Über die Details der Einigung haben die Parteien Stillschweigen vereinbart, so Mann+Hummel. Zunächst sollen nächste Woche die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter persönlich über die Inhalte der Einigung informiert werden.

 

„Die im Sommer 2020 verkündete Entscheidung zur Schließung ist uns nicht leicht gefallen“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Fischer. „Um mittel- und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens mit weltweit 22 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sichern zu können, müssen wir diese Anpassung an unserem Produktionsnetzwerk vornehmen“, kommentiert Arbeitsdirektor Hanno Höhn die Entscheidung. Die Vertreter der Arbeitnehmer wollen sich erst äußern, wenn die Beschäftigten informiert sind.

„Schock, Wut, Traurigkeit“

Im Sommer 2020 waren die Schließungspläne der Produktion in Ludwigsburg durch einen Bericht unserer Zeitung bekannt geworden. „Schock, Wut, Traurigkeit, Unglaube – das volle Programm“, so beschrieb damals Susanne Thomas, Gewerkschaftssekretärin der IG Metall Ludwigsburg, die Stimmungslage in der Belegschaft. Die Mitarbeiter waren teilweise 30 Jahre bei Mann+Hummel – „das war wie eine zweite Familie“, habe ihr ein Betroffener gesagt.

„Die Produktion in Ludwigsburg ist schon länger hochgradig defizitär“, begründete Arbeitsdirektor Hanno Höhn damals die Schließungspläne. Er sprach von einem Minus in zweistelliger Millionenhöhe – bei einem Umsatz von 60 bis 70 Millionen Euro. An dem Standort werden unter anderem Kraftstoff-, Öl- und Luftfiltersysteme für die Erstausrüstung hergestellt, Produkte also, die Elektroautos nicht benötigen.

Ende Februar sind die Gespräche gescheitert

In den Verhandlungen konnten sich Geschäftsleitung und Arbeitnehmervertreter allerdings nicht über die Modalitäten zur Schließung einigen. Die Gespräche scheiterten Ende Februar. Daraufhin wurde die Einigungsstelle angerufen, die auch einige Male tagte; zuletzt noch in dieser Woche. In der Mitteilung von Mann+Hummel fällt das Wort Einigungsstelle allerdings nicht.

Unklar blieb bis zuletzt, warum die Verhandlungen im Februar gescheitert waren. In einem Flugblatt hatte der Betriebsrat die Beschäftigten lediglich über den Fakt informiert. „Wir, der Betriebsrat, haben alles darangesetzt, um mit dem Arbeitgeber eine Einigung zu erzielen“, erklärte der Betriebsrat damals. Und: „Trotz einer enormen Bewegung in den Verhandlungen seitens des Betriebsrates, ist der Arbeitgeber letztendlich der Auffassung, dass er keine Einigungsmöglichkeiten in den freien Verhandlungen sieht. Der Arbeitgeber hat gegenüber dem Betriebsrat die Verhandlungen für gescheitert erklärt.“

Firma gab sich einsilbig

Das Unternehmen gab sich damals einsilbig. „Die freien Verhandlungen haben zu keinem Ergebnis geführt. Arbeitgeber und Betriebsrat haben sich deshalb darauf verständigt, eine Lösung vor der einvernehmlich eingesetzten Einigungsstelle zu suchen“, teilte Mann+Hummel im Februar mit.

Die ursprünglich vom Konzern vorgeschlagenen alternativen Jobs an den Standorten Speyer/Rheinland-Pfalz, Marklkofen/Bayern und Sonneberg/Thüringen waren anscheinend schon im Februar vom Tisch. Dieses Angebot hatte die Arbeitnehmervertreter erzürnt. Von Zwangsversetzungen war die Rede. Wer diesen Ersatz-Arbeitsplatz nicht annimmt, sollte die Kündigungen erhalten, befürchtete der Betriebsrat.

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