Mark Lanegan in der Schorndorfer Manufaktur In düsteren Welten

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Die amerikanische Undergroundlegende Mark Lanegan war mal wieder in der Region. Am Freitagabend hat er in der Schorndorfer Manufaktur ein Konzert gegeben.

Mark Lanegan bei seinem Auftritt in der Manufaktur Foto: Gottfried Stoppel
Mark Lanegan bei seinem Auftritt in der Manufaktur Foto: Gottfried Stoppel

Schorndorf - Was könnte Mark Lanegan nicht alles erzählen. Wie Chris Cornell von Soundgarden das Debütalbum seiner Band Screaming Trees produziert hat. Wie er mit Kurt Cobain und Krist Novoselic von Nirvana sein Solodebüt oder mit Tad und Mark Pickerel von Mudhoney und Dinosaur Jr seinen Zweitling aufgenommen hat. Wie er mit Mike McCready von Pearl Jam, Layne Staley von Alice in Chains und John Saunders von den Walkabouts in der Supergroup Mad Season musizierte. Wie es ihm in den Jahren als Sänger der Queens of the Stone Age mit Josh Homme und dem damaligen Drummer Dave Grohl (Foo Fighters) erging. Oder wie die Zusammenarbeit mit Isobel Campbell von Belle & Sebastian oder PJ Harvey so lief. Kurzum: was er mit nahezu allen Größen des amerikanischen Grunge- und Alternativerocks sowie zweien der herausragenden britischen Sängerinnen so erlebt hat.

Kein großer Schwätzer vor dem Herrn

Aber Mark Lanegan neigt bekanntlich bei seinen Konzerten nicht zu besonderer Schwatzhaftigkeit. Auf der Bühne der ordentlich gefüllten Schorndorfer Manufaktur zeigte er sich am Freitagabend aber selbst für seine Verhältnisse besonders wortkarg. Keine Geste der Begrüßung, drei Mal raunt er zwischendurch „Thank you very much“, knapp stellt er noch die Band vor, stumm nimmt er vor der kargen Zugabe schließlich Abschied – ein Musiker, der sein Publikum einfangen will, verhält sich anders.

In den 75 Minuten der Show bis zur Zugabe steht er dazu mehr oder weniger regungslos mit seiner getönten Brille und in Jeansjacke im Halbdunkel der kaum illuminierten Bühne, auf der lediglich vier dünn leuchtende Spots seine vierköpfige Band, nicht jedoch ihn in Szene setzen. Auch das wäre allerdings noch kein Beinbruch.

Richtig schlecht ist jedoch der Sound, in dem dieses Konzert ertönt. Das verwundert, insbesondere in der Manufaktur, die doch über eine State-of-the-Art-PA verfügt und für gewöhnlich mit besonderer klanglicher Transparenz glänzen kann. Lanegans Band indes klingt matt und dumpf, viel zu mächtig grundiert der Bass den Klang, viel zu wenig prägnant sind die beiden Gitarren in Szene gesetzt. Lanegans Gesang fügt sich in dieses blasse Bild: weder ist er konturiert nach vorne gemischt, noch ist er klar vernehmbar.

Im Laufe des Konzerts wird das zwar etwas besser, gut aber noch lange nicht. Und so geht vieles unter: das wirklich tolle Lied „Hit the City“ etwa, das Lanegan in einer ganz schön abgebremsten Version (und natürlich ohne seine Originalduettpartnerin PJ Harvey) gleich als viertes Lied im Klangbrei versenkt. Oder die schönen Stücke von Lanegans bis dato erfolgreichstem Album „Blues Funeral“, etwa „Bleeding muddy Water“ oder „Ode to sad Disco“.

Was für eine Stimme – eigentlich

Als Introduktion des Konzerts deutet Mark Lanegan mit einem a capella gesungenen Einstieg an, warum man ihn die Eine-Million-Dollar-Stimme nennt. Auch im Konzertverlauf bleibt sein rauer und doch so sonorer Bariton das Momentum, was diesen Auftritt von einer x-beliebigen Grungeband unterscheidet. In der zweiten Hälfte liegt der Fokus dann eindeutig auf seinem aktuellen Album „Somebody’s knocking“, hier kommt jetzt auch der Synthesizer zum Einsatz und zaubert zumindest ein bisschen Abwechslung in den ansonsten in Tempo, Rhythmik und Harmonik recht gleichförmigen Abend. Aber gerade diese Schlenker in Richtung Industrial sorgen ja schon auf dem Album dafür, dass es zwar ein hörbarer, aber gewiss nicht Lanegans bester Longplayer geworden ist.

Und genau so gilt das auch für dieses Konzert. Nett, ihn nach seinen Auftritten 2017 im Wizemann und 2015 im Universum so schnell und noch immer lebendig wiederzuhören. Aber sein allerstärkstes Gastspiel war dieses ganz gewiss nicht.




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