Markus Lanz So äußert sich Markus Söder in der ZDF-Sendung

Markus Söder will Kanzler werden – auch wenn er das nicht offen sagt. Foto: dpa/Peter Kneffel
Markus Söder will Kanzler werden – auch wenn er das nicht offen sagt. Foto: dpa/Peter Kneffel

Im Kampf um die Kanzlerkandidatur setzt Markus Söder bei Markus Lanz Maßstäbe. Ein SPD-Politiker erzählt, wie sich Kollegen von menschenverachtenden Regimen kaufen lassen.

Politik/ Baden-Württemberg: Christian Gottschalk (cgo)

Stuttgart - Nun wissen wir also: nicht nur verliebte Teenager schreiben sich SMS, um zu erzählen, wie sie den Abend verbringen werden. Das machen auch Politiker, denen man ganz sicher keine innige Liebesbeziehung nachsagen kann. Armin Laschet habe ihn auf diesem Weg gebeten in der Sendung „friedlich“ zu sein, plaudert Markus Söder bei Markus Lanz aus dem Nähkästchen. Bayerns Ministerpräsident ist zugeschaltet, und der Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens wird mehrere Späher beauftragt haben, um zu berichten, was der Konkurrent um den Posten des Kanzlerkandidaten so von sich gibt. Wenn Laschet nicht gleich selber vor der Mattscheibe gesessen ist.

Ist Söders Platz noch in München?

Söder ist nicht im Hamburger Studio, sondern in München. Ist das noch sein Platz? „Mein Platz ist heute in Bayern“, sagt Söder. Und etwas später: „Mein Platz ist überall“. Nun gehört Markus Lanz ja ganz bestimmt nicht zu der Riege der Vorlagengeber in der deutschen Interviewergemeinde. Seine viel zu späte Sendung hat sich zu einer der besten Politik-Gesprächsrunden gemausert, die das deutsche Fernsehen zu bieten hat. Mit unerschütterlicher Penetranz versucht er Söder einen Satz zu entlocken, der in etwa so klingen könnte wie „Ja, ich will“. Es gelingt nicht. Doch auch wenn der Satz nicht fällt: Jeder, der Söder sieht, der erkennt, wie sehr da einer an den Stäben des Kanzleramtes rüttelt.

Markus Söder mag noch so oft „der Armin“ sagen, wenn er über Laschet spricht, um so das gute Verhältnis zu demonstrieren. Auch das nimmt ihm keiner ab. Söder lobt den baden-württembergischen Kollegen Winfried Kretschmann (Grüne) in den höchsten Tönen, findet Worte der Anerkennung für den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) und sagt über Laschet, dass dieser in der Corona-Politik „endlich“ auch die Linie von ihm und der Kanzlerin mittrage.

Der Wunsch Kanzler zu werden, ist spürbar

Söder will Kanzler werden, das ist aus jeder Pore zu spüren. Man merkt es, wenn er in einer Reihung von scheinbaren Nebensächlichkeiten erklärt, dass er ja schon immer für die Corona-Impfung beim Hausarzt war, dass Bayern damit früher begonnen habe als andere und dass alles natürlich super gut funktioniere. Und wenn Markus Lanz ihn fragt, ob er Laschet nicht mächtig vors Schienbein getreten habe, als er den Wert von Umfragen als deutlich wichtiger bewertet habe als sein Konkurrent, der in den Befragungen klar abgeschlagen ist, da schaut Söder wie das Mensch gewordene Unschuldslamm und fragt nur zurück: „Warum?“.

Etwa die Hälfte der gesamten Sendung ist vorbei, als Markus Söder mit dem Satz in die Münchner Nacht entschwindet, dass er keine Angst habe vor großen Aufgaben, wohl aber eine gewisse Demut. Damit scheint auch der Höhepunkt der Sendung vorüber. In der Folge darf der Journalist Hajo Schumacher noch erzählen, wie schwer sich die CDU mit einem Kanzler Söder tun könnte, und die Pharma-Unternehmerin Helga Rübsamen-Schaeff referiert darüber, wie wichtig es ist, auch Medikamente gegen Corona zu entwickeln.

Bericht aus dem Innenleben der Korruptionsaffäre

Das Gespräch droht zu versanden, da betritt mit Frank Schwabe noch ein Mann die Bühne, der es lohnt,wach zu bleiben. Schwabe ist SPD-Politiker, sitzt im Bundestag und im Europarat und berichtet praktisch aus erster Hand, wie es so läuft, wenn ein Land wie Aserbaidschan die Schatzschatullen öffnet, um Kaviardiplomatie zu betreiben. Im eigenen Land ist Schwabe kaum bekannt, ein Schicksal, welches er mit mehreren Europarats-Kollegen teilt. Im Ausland werde man dann hofiert, berichtet er.

Otto Hauser, einst Regierungssprecher von Helmut Kohl und nun Honorarkonsul Aserbaidschans, knüpfe erste Kontakte: „Kommt doch mal vorbei“. Politische Gespräche plus Begleitprogramm – und wie weit das Begleitprogramm bei jedem einzelnen gehe, das werde dann vor Ort getestet. Der eine bekommt Schokolade, andere eine Uhr oder es klopfen junge und willige Damen an der Hoteltür – all das soll es geben, erzählt Schwabe. Und er erzählt wie mit Axel Fischer noch heute ein CDU-Politiker im Bundestag sitzt, der sich im damaligen Mazedonien für einen Ex-Premier Nikola Gruevski verkämpfte, der mehr als nur ein wenig Dreck am Stecken hat. „Den sollten Sie mal einladen“, sagt Schwabe. Das Einschalten würde wohl lohnen.




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