Marode Neckarquerung in Bad Cannstatt Wann die Rosensteinbrücke abgerissen werden soll

Seit vergangenem Mai ist die Rosensteinbrücke gesperrt. Bis sie durch einen Neubau ersetzt wird, können noch sechs bis acht Jahre vergehen. Foto: Sebastian Steegmüller

Zum Rückbau der Rosensteinbrücke soll eine zweiwöchige Sperrung der Neckarschifffahrt genutzt werden. Im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik sorgte die Dimension des geplanten Bauwerks für Diskussionen.

Dass die beiden Stadträte Beate Bulle-Schmid (CDU) und Luigi Pantisano vom Linksbündnis bei verkehrspolitischen Themen einer Meinung sind, ist wohl die absolute Ausnahme. Am Dienstagvormittag traf dieser seltene Fall bei der Vorstellung der neuen Rosensteinbrücke im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik jedoch ein: Beide Lokalpolitiker lehnten den Vorschlag des Amts für Stadtplanung und Wohnen ab. Sie kritisierten die Dimension des geplanten Neubaus und forderten, dass die Bürger in Bad Cannstatt in die Entscheidung mit eingebunden werden sollen.

 

Ist die Sperrung eine Ent- oder Belastung?

Also ein Schulterschluss zwischen zwei ansonsten so oft konträren Lagern? Mitnichten. Denn die Beweggründe könnten nicht unterschiedlicher sein. Während Pantisano ein schlankeres Bauwerk fordert, das Radfahrern und Fußgängern sowie Bussen und Bahnen vorbehalten ist, wünscht sich Bulle-Schmid eine breitere Neckarquerung, die Platz für den Durchgangsverkehr bietet. Aus ihrer Sicht soll künftig auch Auto- und Lkw-Fahrern wieder eine direkte Verbindung zwischen der Neckarvor- und der Altstadt zur Verfügung stehen – und zwar in beiden Richtungen. Im vorgestellten Entwurf ist bislang aber nur maximal eine Fahrspur vorgesehen, denkbar wäre eine Einbahnstraße vom Wilhelma-Theater zur Schönestraße.

Gravierende Mängel an der Stahlbetonkonstruktion

Wie berichtet, ist die im Jahr 1953 errichtete Rosensteinbrücke marode. Bei Untersuchungen der Stahlbetonkonstruktion wurden gravierende Mängel festgestellt, zahlreiche Drähte im Inneren des Bauwerks sind korrodiert oder gar gebrochen. Es ist nicht mehr zu retten und muss durch einen Neubau ersetzt werden. Seit vergangenem Mai dürfen nur noch Fußgänger und Radfahrer das Bauwerk passieren, zu groß sind offenbar die Statikprobleme.

Über die Frage, ob auch die neue Rosensteinbrücke autofrei bleiben soll, scheiden sich im Gemeinderat die Geister. Eine Entscheidung wurde noch nicht gefällt. Obwohl die öko-soziale Mehrheit sich zur Aufwertung des Neckarufers eben dafür ausspricht, kristallisierte sich am Dienstag im Rathaus heraus, dass der Neubau so dimensioniert sein sollte, dass zumindest die Möglichkeit besteht, ihn für alle Verkehrsteilnehmer öffnen zu können. „Das Bauwerk muss eine hohe Flexibilität für die Zukunft bieten“, betonte der städtische Verkehrsplaner Andreas Hemmerich gegenüber den Stadträten.

Auf Sperrungen reagieren können

Er hofft daher auf einen entsprechenden Grundsatzbeschluss im kommenden Frühjahr. Man müsse zum Beispiel auf eine Sperrung des Rosensteintunnels reagieren können. Sollte irgendwann die Sanierung der König-Karls- oder der Reinhold-Meier-Brücke anstehen, müsse man den Verkehr ebenfalls entsprechend umleiten können.

Zugleich sieht er in dem Neubau eine große städtebauliche Chance. „Die neue Rosensteinbrücke ist ein zentrales Element der Stadt am Fluss und des Verkehrsstrukturplans Bad Cannstatt mit herausragender Bedeutung für den Umweltverbund.“ Die Planung müsse gemeinsam mit den angrenzenden Knotenpunkten und Freiflächen gedacht werden. „Sie soll die Umsetzung des Ideenwettbewerbs Neckarknie und das zukünftige Fuß- und Radwegenetz ermöglichen.“ Dem Mitarbeiter des Amts für Stadtplanung und Wohnen schwebt unter anderem vor, die Bus- und Stadtbahnhaltestellen Rosensteinbrücke direkt auf das Bauwerk zu verlegen. Nicht nur wegen der kürzeren und sicheren Wege beim Umsteigen sei dies ein großer Vorteil. Man könnte so auch auf Seite der Neckarvorstadt Platz für die Aufwertung des Neckarufers schaffen. Auch die Anbindung an die Cannstatter Altstadt werde dadurch verbessert.

Bis es jedoch so weit ist, können noch sechs bis acht Jahre vergehen. „Der Rückbau der Rosensteinbrücke ist nicht einfach“, sagte Claus-Dieter Hauck, der beim städtischen Tiefbauamt für Stuttgarts Brücken zuständig ist. „Der Hauptteil kann aufgrund der Neckarschifffahrt erst im Sommer 2024 abgerissen werden, wir werden eine zweiwöchige Sperrung der Bundeswasserstraße nutzen.“

Um den Neubau der Rosensteinbrücke und der ebenfalls maroden Löwentorbrücke zügig voranzutreiben, sollen beim Tiefbauamt vier neue Stellen geschaffen werden. Beim Austausch des letzteren Bauwerks, auf der eine der wichtigsten Stadtbahntrassen in Stuttgart verläuft, ist mit Kosten in Höhe von 80 Millionen Euro zu rechnen. Der Ersatz der Rosensteinbrücke könnte mit rund 44 Millionen Euro zu Buche schlagen. Jürgen Mutz, der Leiter des Tiefbauamts, betonte jedoch, dass es sich nur um erste, grobe Schätzungen handele. Auf die genauen Summen „will ich mich am Ende des Tages nicht festlegen“.

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