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Marokko Essaouira: Die Vollendete

Bullauge in der Festungsmauer Essaouiras: Wer durch diese Öffnung ein Foto macht, so heißt es, kommt auf jeden Fall in die marokkanische Künstler- und Hafenstadt zurück. Foto: Weller 5 Bilder
Bullauge in der Festungsmauer Essaouiras: Wer durch diese Öffnung ein Foto macht, so heißt es, kommt auf jeden Fall in die marokkanische Künstler- und Hafenstadt zurück. Foto: Weller

Alle reden von Marrakesch. Doch es gibt viele andere schöne Städte in Marokko zu entdecken - zum Beispiel Essaouira an der Atlantikküste.  

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Essaouira - Es ist wohl das bekannteste Motiv von Essaouira, übersetzt „Die Vollendete“, eine Hafenstadt an der marokkanischen Atlantikküste: der Blick durchs Bullauge an der Festungsmauer nahe dem Hafen mit seinen betagten weiß-blauen Fischerbooten. „Wer durch diese Öffnung ein Foto schießt“, orakelt Fremdenführer Achmed, „der kommt auf jeden Fall hierher zurück.“ Stimmt hoffentlich. Diese Aufnahme machen deshalb alle Essaouira-Besucher. Vor dem Bullauge wurde sogar ein Holztreppchen aufgestellt, damit man eine optimale Perspektive hat, sicher ist sicher. Denn wer diese Stadt einmal besucht hat und wer den Orient anziehend findet, der wird leicht zum Wiederholungstäter.

Wieso? Da ist zum einen die exponierte Lage der Stadt, die an drei Seiten tief ins Meer hineinragt. Am Ufer ist es immer windig. Der Wind bringt eine unglaubliche Energie, Essaouira zählt als Hochburg der jungen Wind- und Kitesurfer-Gemeinde. Den ganzen Tag über kann man die bunten Kite-Schirme über der wilden Brandung tanzen sehen. Viele kennen Essaouira auch wegen des alljährlich im Frühsommer (Juni) stattfindenden Gnoua-Musikfestivals - die Gnoua oder Gnawa, eine ethnische Minderheit in Marokko mit einem ganz eigenen, sehr rhythmusbetonten und hypnotischen Musikstil, zogen einst auch Pop- und Rockgrößen wie Jimi Hendrix, Carlos Santana oder die Bandmitglieder von Led Zeppelin hierher. Jimi Hendrix etwa hielt sich in Diabat unweit von Essaouira auf.

Hippie-Feeling à la Woodstock

Jetzt beherbergt das heruntergekommene Gebäude mit Hendrix’ Konterfei auf der Fassade ein Café. Auf den zahlreichen Bühnen in der Altstadt treten heutzutage außer traditionellen Gnoua-Musikern auch internationale Stars aus den Sparten Rock, Pop, Jazz und Weltmusik auf. Dann herrscht Ausnahmezustand in der ansonsten beschaulichen kleinen Stadt, die von mehreren Hunderttausend Festival-Besuchern regelrecht überschwemmt wird. Viele übernachten einfach mit Schlafsack am langen Strand: Hippie-Feeling à la Woodstock. Den Rest des Jahres über kann man eine unvergleichlich lässige Atmosphäre genießen - vom permanenten Geschrei der zahllosen Möwen abgesehen.

Es wird zwar außerhalb der Festungsmauer viel gebaut, doch der Charme des Hafenviertels und der Medina, wie die Altstadt genannt wird, ist ungebrochen. Ein kleiner Laden reiht sich an den anderen. Es wird Kunst und Kunsthandwerk angeboten, Silberschmuck, es gibt Kräuterapotheken mit erstaunlichen Präparaten wie „Viagra Turbo“ - ein Pulver, an dessen aphrodisierende Wirkung man wohl vor allem glauben muss -, Schuhe, Lampen, Stände mit gebratenem Geflügel, Gewürzen, Gemüse, Obst.

Wahre Entspanung im Hamam

Manche Verkäufer tragen leuchtend blaue Tuareg-Gewänder, wohl wissend, dass die auffällige Kleidung des zu den Berbern gehörenden Volks gut fürs Geschäft ist. Ruhig ist in Essaouira auch der Hotelbetrieb. Man findet vorwiegend restaurierte Riads vor, außen meist schmucklose Häuser oder ehemalige Paläste mit begrünten Innenhöfen, in denen Springbrunnen plätschern. François Laustriat, weltläufiger Direktor des Palais Heure Bleue, ein Bilderbuch-Riad am Rand der Medina, erklärt die geheimnisvolle Anziehungskraft von Essaouira so: „Wissen Sie, über Marrakesch ist schon alles gesagt, alles geschrieben worden. In dieser Stadt betreten Sie hingegen Neuland, man kann sich hier weitab vom Trubel erholen.“ Wahre Entspannung findet der Reisende beim Besuch in einem traditionellen Hamam, einem arabischen Dampfbad.

Das sieht oft ganz anders aus als moderne westliche Spas. Das Hamam im Heure Bleue zum Beispiel ist dunkel, sehr dunkel, nur zwei winzige Deckenlämpchen spenden schummriges Licht. Man fühlt sich wie in einer Höhle - und das ist auch so gewollt. Frauen und Männer durchlaufen die 90-minütige Reinigungs- und Peelingprozedur in den beiden Hamamräumen getrennt voneinander. Ein - äußerst heißer! - Dampfbaddurchgang öffnet die Poren, der Gast wird dann mit Rhassoul, einer marokkanischen Tonerde, und mit schwarzer Seife gereinigt und geschrubbt. Nach einer anschließenden Massage mit parfümiertem Arganöl ist die Haut seidenweich (hält tagelang an), man fühlt sich porentief sauber und wunderbar schläfrig.

Das kostbare Arganöl, dessen zwei Varianten in den westlichen Ländern als effektiver Wirkstoff zur Hautpflege sowie als Luxus-Speiseöl geschätzt werden, wird übrigens in der Region um Essaouira gewonnen - nur dort gedeiht der Arganbaum, dessen Früchte meist in Frauen-Kooperativen verarbeitet werden. 30 Kilogramm Früchte mit Schale ergeben einen Liter Arganöl. Wenn die Frauen von Hand die extrem harten Schalen mit Hilfe von Steinen knacken, klingt das, als ob jemand mit vielen Tischtennisbällen spielt. Auch diese fremden Geräusche gehören zu Marokko, zum Orient. Auch deswegen möchte man Essaouira unbedingt wiedersehen.

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