Marstallcenter in Ludwigsburg Der große Wurf bleibt aus

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Die Stadt hat erstmals Entwürfe zur Umgestaltung der Marstall-Wohntürme präsentiert. Der Koloss gilt als Bausünde im Herzen der Stadt.

Architekten aus Frankfurt haben ein Konzept für die Umgestaltung der überdimensionierten  Marstall-Wohntürme  in Ludwigsburg entwickelt Illustration: Stadt
Architekten aus Frankfurt haben ein Konzept für die Umgestaltung der überdimensionierten Marstall-Wohntürme in Ludwigsburg entwickelt Illustration: Stadt

Ludwigsburg - Es hat auch ganz fantastisch anmutende Vorschläge gegeben. Fünf Architekturbüros durften in den vergangenen Monaten im Auftrag der Stadt Ideen für die Umgestaltung der Marstall-Fassade entwickeln, und vor allem zwei Ludwigsburger Büros stachen mit radikalen Entwürfen heraus. Einer davon verwandelt die hoch über die Stadt hinausragenden Wohntürme in einen riesigen vertikal aufgerichteten Garten, mit grün bepflanzten Dächern und Balkonen. Der andere Architekt schlägt gar vor, die Fassade mit hängenden Weinbergen aufzulockern. Durchaus innovativ seien diese Ansätze, sagt Mathias Weißer, der Leiter des Hochbauamts. Aber eben „finanziell schwer zu beherrschen“ und allein deswegen kaum realisierbar.

Letztlich entschied sich eine aus Verwaltungsmitarbeitern, Gemeinderatsmitgliedern und Wohnungseigentümern bestehende Jury für eine weniger spektakuläre Variante der Architektengesellschaft Stefan Forster aus Frankfurt. Diese will das Marstall mit Aluminium-Elementen verkleiden, die Höhe der Brüstungen angleichen, die scharfen Kante des Hauses zurückbauen, kurz: die gesamte Kubatur harmonischer gestalten. Verknüpft wird all dies mit einer energetischen Sanierung. Es handle sich um ein „robustes Konzept“, das dem Marstall einen Teil seiner Wuchtigkeit nehme, so Weißer. Er hätte auch sagen können: es ist der Versuch, den recht hässlichen Klotz nicht mehr ganz so dominant wirken zu lassen.

Noch existiert kein Finanzierungskonzept

Auf Grundlage dieses Entwurfs wird die Stadt nun den weiteren Planungsprozess vorantreiben. Am Mittwoch wurden die Ideen im Gemeinderat, am Donnerstag auf der öffentlichen Infoveranstaltung zum Marstall-Umbau präsentiert. Der Haken: es gibt kein Finanzierungskonzept. Noch ist auch völlig unklar, was eine solche Fassaden-Sanierung kostet.

Fest steht lediglich, dass die Stadt nur einen kleinen Teil der Investition übernehmen würde, weil ihr nur ein kleiner Teil des Gebäudes gehört. Die ECE investiert zwar 90 Millionen Euro, aber das Geld fließt vollständig in das Innere und Äußere des Einkaufszentrums im Sockel. Die 200 Wohnungen darüber gehören Privatleuten, die bislang wenig Interesse signalisieren, Geld für die Außenhaut in die Hand zu nehmen. „Wir werden jetzt in intensive und viele Gespräche mit der Eigentümergesellschaft einsteigen“, kündigte der Oberbürgermeister Werner Spec am Mittwoch an. „Das wird sicher eine Sisyphusarbeit, und es gibt keine Garantie auf eine Einigung. “

Die Stadt muss die Wohnungseigentümer überzeugen

Falls Spec für diese These noch eine Bestätigung brauchte, bekam er sie am Donnerstagabend. Bei der Infoveranstaltung im Marstallcenter reagierten die Wohnungseigentümer verhalten auf die Präsentation – vor allem der Sinn der energetischen Sanierung wird infrage gestellt. „Bei mir hat es 22 Grad, ohne dass ich die Heizung aufdrehe“, sagte Eberhard Tschepe, der seit 40 Jahren im siebten Stock wohnt. Für viele Ältere lohne sich die Investition nicht mehr, bemerkte eine 80-jährige Bewohnerin. Schon in der Vergangenheit hatten Eigentümer geäußert, die Fassade sei vielleicht nicht hübsch anzusehen, aber technisch in einem guten Zustand.

Die Stadt wird nun genauer prüfen lassen, in welchem Umfang für das Projekt Fördermittel von Land und Bund abgeschöpft werden können, denn ein großer Zuschuss dürfte ein überzeugendes Argument sein. „Wir werden nichts unversucht lassen“, sagt der OB.




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