Martin-Luther-Schule in Bad Cannstatt Kein Schuljahr wie jedes andere

Von Julia Bayer 

An der Martin-Luther-Schule auf dem Seelberg gibt es dieses Schuljahr erstmals zwei Ganztagsklassen. Erstklässler, Lehrer und Eltern der Grundschule blicken der neuen Unterrichtsform gespannt entgegen. Am Samstag ist die Einschulungsfeier.

Die Martin-Luther-Schule (r.) mit dem gegenüberliegenden Betreuungshaus. Foto: Julia Bayer
Die Martin-Luther-Schule (r.) mit dem gegenüberliegenden Betreuungshaus. Foto: Julia Bayer

Bad Cannstatt - Die Kinder wuseln im Bewegungsraum durcheinander. „Wir spielen das Hundespiel“, erklärt ihre Betreuerin. Die Sechs- und Siebenjährigen stehen kurz vor ihrem großen Tag. Am Samstag werden sie an der Martin-Luther-Schule eingeschult. Sie gehören zu den ersten Schülern, die die zwei neuen Ganztagsklassen der Grundschule besuchen werden. Die Gruppe aus dem Bewegungsraum durfte schon die Ferienbetreuung der Schule auf dem Seelberg genießen und kennt sich im Schulhaus und dem gegenüberliegenden Betreuungshaus schon aus. Am Samstag lernen sie beim Einschulungsfest ihre neuen Mitschüler kennen.

„Wir freuen uns, dass es jetzt losgeht“, sagt der Rektor Markus Dölker. Seit 2012 arbeite die Schule an dem pädagogischen Konzept. Nun wird es Realität. 105 Erstklässer werden am 19. September eingeschult. Die eine Hälfte sind Halbtags- die andere Ganztagsschüler. „Die Eltern hatten die Wahl“, erklärt der Schulleiter.

Ganztagsschüler bekommen keine Hausaufgaben

Von 8 bis 16 Uhr sind die Ganztagsschüler künftig in der Schule, freitags bis 12.30 Uhr. Die ersten vier Stunden – inklusive verlängerter Bewegungs- und Vesperpause – unterscheiden sich nicht vom Unterricht der Halbtagsschüler. In der fünften Stunde gibt es künftig selbstorganisiertes Lernen (SOL). „Die Ganztagsschüler bekommen keine klassischen Hausaufgaben“, erklärt die Konrektorin und Klassenleiterin Katharina Geiger. Bei SOL wiederholen sie Unterrichtsstoff – mal alleine, mal in Gruppen, spielerisch und musikalisch.

Nach einer ausgiebigen Mittagspause stehen nachmittags Themenangebote mit Bezug zum Unterricht auf dem Programm. Was auf dem Papier sperrig klingt, heißt in der Umsetzung zum Beispiel naturwissenschaftliche Versuche machen, im Schulhof gärtnern, Werkunterricht, schauspielen in der Theater AG oder auch das Erkunden von Bad Cannstatt und seiner Kultur. Die Arbeit und Betreuung leisten Lehrer und pädagogische Mitarbeiter – darunter sind Erzieher, Sozialpädagogen oder Erziehungswissenschaftler – Hand in Hand. „Die Zusammenarbeit ist sehr gut“, lobt Rektor Markus Dölker.

Hort und Schülerhaus laufen aus

Die derzeitigen Dritt- und Viertklässler der Martin-Luther-Schule können nachmittags weiterhin im Hort, die Zweitklässler im Schülerhaus betreut werden. Beide Modelle laufen nun jedoch aus. In vier Jahren läuft dann der ganze Schulbetrieb im Halb- und Ganztagsmodell. Das erfordert nicht nur zusätzliches Personal, sondern auch mehr Platz. „Die Mensa im Betreuungshaus ist jetzt schon zu klein“, berichtet Schulleiter Dölker. Und die Klassenzimmer im Hauptgebäude reichen auch nicht aus. Doch die Stadt will Abhilfe schaffen. „Wir sollen einen Neubau bekommen und das Schulhaus soll saniert werden“, verrät Dölker. Wann und wo neu gebaut wird, stehe noch nicht fest. „Aber eigentlich bleibt nur der Pausenhof zwischen Turnhalle und Schulhaus“, sagt Dölker. Die Einschulung ist nicht das einzige, was am Samstag gefeiert wird. Die Martin-Luther-Schule wird bei dem Fest auch einen Spendenscheck entgegennehmen. 2500 Euro spendiert die Sparda-Bank für das Projekt „Klasse 2000“. Seit sechs Jahren nimmt die Grundschule an dem bundesweiten Projekt teil. Die Kinder lernen im Unterricht von Fachleuten alles über gesunde Ernährung, Bewegung im Alltag, den Umgang mit Gefühlen oder auch wie man einen Streit gewaltfrei lösen kann. Pro Klasse kostet das die Schule 200 Euro je Schuljahr. „Bei 17 Klassen kommt da ein ganz schöner Batzen zusammen“, sagt Dölker. Da kam die Spende wie gerufen.

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