Martin Walker: Revanche Terroralarm im idyllischen Périgord

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Im zehnten Fall von Bruno, Chef de police, geht es ordentlich zur Sache. Doch dem Lebensgefühl des ländlichen Frankreichs bleibt Martin Walker treu, wie Killer & Co-Rezensent Lukas Jenkner festgestellt hat.

Immer mal wieder herrscht in Frankreich Terroralarm. Foto: AP
Immer mal wieder herrscht in Frankreich Terroralarm. Foto: AP

Périgord - Wer sich durch die Bücherstapel auf dem heimischen Bettschränkchen frisst, muss seit einiger Zeit feststellen, dass die Bösen in den aktueller Krimis und Thrillern mit schöner Regelmäßigkeit irgendwelche islamistischen Terroristen sind. Das reicht von der Charakterstudie eines deutschen Islamisten bis hin zum Terroralarm in einer beliebigen Weltstadt, in der ein Anschlag verhindert werden muss.

Mit „Revanche“, dem jüngsten Wurf des schottischen Autors am Martin Walker, ist der Terror nun auch im malerischen und geschichtsträchtigen Périgord in Frankreich angekommen. Dass das so ist, stellt Bruno Courrèges, Chef de police, und Hauptfigur in Walkers Krimi-Reihe, die seit Jahren die Herzen vieler Frankreichfreunde wärmt, zwar erst nach einiger Zeit fest. Doch der Klappentext gibt mehr als deutliche Hinweise darauf, von daher ist wohl nicht zu viel verraten.

Es geht los mit einer jungen Archäologin, die eines Tages tot am Fuße einer der trutzigen Burgen des Périgord entdeckt wird. Von dieser Burg sind im Mittelalter die Tempelritter zum Kreuzzug nach Jerusalem aufgebrochen. Offensichtlich ist die junge Frau abgestürzt, als sie gerade eine politische Parole an die Burgmauer sprühen wollte. Bruno beginnt zu ermitteln und stellt fest, dass es um ein altes Dokument, aber politisch höchst explosives Dokument aus dem Nahen Osten geht – für das Menschen bereit sind zu töten.

Gourmet, Bonvivant und begehrter Junggeselle

Bruno bekommt in „Revanche“ eine ebenso intelligente wie ehrgeizige und exotisch-schöne Kollegin zur Seite gestellt, die fürs Ministerium im fernen Paris Erfahrungen in konkreter Polizeiarbeit sammeln soll. Das passt Bruno, dessen Arbeitsalltag fein austariert ist zwischen notwendiger Ermittlungsarbeit und französischer Lebenskunst, zunächst einmal so gar nicht ins Konzept. Doch alsbald erweist sich Amélie Plessis mit ihren Internetkenntnissen als wertvolle Unterstützung für Bruno, der in Ermittlungsfragen her pragmatisch-altmodisch unterwegs ist.

Ansonsten geht’s in Walkers neuestem Krimi um die geschichtsträchtige Höhlenmalereien, exquisite, im Detail beschriebene französische Köstlichkeiten, nebst den passenden Weinen sowie der einen oder anderen Herzwallung. Schließlich ist Bruno nicht nur Gourmet und Naturfreund, sondern auch der begehrteste Junggeselle des Périgord.

Martin Walker lässt die Handlung angenehm entspannt vor sich hinplätschern, von den Gewaltausbrüchen rund um den eigentlichen Kriminalfall einmal abgesehen. Das lässt den Leser von einer Hängematte im Garten eines französischen Landhauses träumen, treibt die Spannung jedoch nicht unbedingt in schwindelnde Höhen. Aber darum geht es in den Krimis rund um Bruno, Chef de police, auch nicht in erster Linie.

Martin Walker. Revanche. Der zehnte Fall für Bruno, Chef de police. Aus dem Englischen von Michael Windgassen. Diogenes Verlag Zürich 2018. Hardcover, 416 Seiten, 24 Euro. Auch als E-Book, 20,99 Euro