Maßarbeit made in Großbottwar Fahrradräder werden so leicht wie Spaghetti

Claudio Soccodato hat den Dreh raus. In seiner kleinen Werkstatt in Großbottwar baut er Laufräder mit handwerklich ausgefeilter Präzision. Foto: avanti/Ralf Poller

Die Speiche ist bei Fahrrädern ein Schwachpunkt. Claudio Soccodato in Großbottwar (Kreis Ludwigsburg) ist einer von wenigen Spezialisten, die Laufräder haargenau bauen.

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

Claudio Soccodato mag es leicht. Die Carbonfelge in seiner Hand wiegt nur 300 Gramm. Rennrad-Fahrer schätzen sie, denn eine herkömmlichen Felge wäre deutlich schwerer. „Dieser Trend wird sich durchsetzen – das ist gewichtstechnisch unschlagbar“, sagt Soccodato, der die Felge mit Kennerblick in der kleinen Werkstatt in seinem Haus in Großbottwar fixiert.

 

Der Bau von Laufrädern gilt als Königsdisziplin beim Bau von Fahrrädern

Laufräder aus solchen Einzelteilen zu bauen, fasziniert den Fahrradperfektionisten mit italienischen Wurzeln, gelte es doch als Königsdisziplin in der Konzeption von Zweirädern. Soccodato beherrscht sie, er kann sich ganz offensichtlich auf sein Händchen in der Feinmechanik verlassen – als Inhaber von einem der etwa zehn darauf spezialisierten Fachbetriebe in Deutschland.

Beim Bau von Laufrädern kommt es auf Genauigkeit an, und darauf, das Gewicht des Fahrers mit der Konzeption der Speichen und des Laufrads in Einklang zu bringen. Bei Fahrrädern von der Stange sei das nur bedingt der Fall, sagt Soccodato. Er arbeite mit sogenannten Tensiometern, mit denen er die Spannung der Speichen bestimme. „Das sind spezielle Messgeräte, die nicht billig sind – sie liefern mir aber zuverlässige Ergebnisse.“

Die Kunden stammen aus ganz verschiedenen Bereichen

Das Zielpublikum des Großbottwarers ist breit gestreut. Zu ihm kommen Rennradfahrer aus dem Profisport, aber auch Hobbyrennradler mit besonderen Ansprüchen, dazu Mountainbiker oder E-Bike-Fahrer, denn besonders bei den Pedelecs wirkten punktuell große Kräfte auf das Material ein.

Laufräder zu bauen, begleitete den gebürtigen Böblinger früh. „Ich hab mich schon als Jugendlicher mit Rädern beschäftigt, immer wieder geschraubt und mit meinen Fähigkeiten später auch das Studium in Spanien mitfinanziert.“ Später, als er daheim in Deutschland mit Freunden in deren Werkstatt an Projekten weitertüftelte, hatte Soccodato sein Schlüsselerlebnis. „Eines meiner Laufräder wurde Testsieger – der Prüfer bescheinigte dem Mann hinter dem Zentrierständer ein goldenes Händchen.“

Spezielle Messgeräte ermöglichen Präzision. Foto: avanti/Ralf Poller

Den Schritt in die Selbstständigkeit hat Claudio Soccodato vor etwa drei Jahren unternommen. Bis dahin war der studierte Betriebswirt, der für ein Unternehmen der Autoindustrie unter anderem in den Vereinigten Staaten und Mexiko arbeitete, 20 Jahre lang als Angestellter in Lohn und Brot. Jetzt ist der 47-Jährige sein eigener Chef und will sein Start-up-Unternehmen mit dem Namen Laufrad Manufaktur ankurbeln. Mittelfristig hat er vor, eine Werkstatt im Gewerbegebiet der Storchenstadt zu beziehen. Aber noch hat die Arbeit daheim Vorteile: So kann sich der Familienvater auch noch tagsüber um seine acht und zehn Jahre alten Kinder kümmern, während seine Frau als Mitarbeiterin der Forstverwaltung tätig ist.

Mit einem Handicap muss der Laufrad-Spezialist fertig werden: „Ich kann nicht billig.“ Ein Set koste den Kunden samt Montage mindestens 650 Euro. „Das liegt an den besonderen Materialien, die ich verwende, aber auch an dem zeitlichen Aufwand“, sagt der 47-Jährige, „dafür dankt es einem ein Laufrad mit einer extrem langen Haltbarkeit.“

Zwei Räder an einem Enduro-Rad wiegen zusammen 1,5 Kilogramm

Kunden aus dem Rennsport strebten größtmögliche Perfektion an. Soccodato zeigt Bilder vom Fahrrad einer Stuttgarter Enduro-Athletin, die von einer Firma gesponsert werde. Beide Räder an ihrer Rennmaschine wiegen zusammen rund 1,5 Kilogramm – „in etwa so viel wie eine Spaghetti-Packung“. Es sei ihm wichtig, dass er mit seiner Handarbeit und dem Service größtmögliche Zufriedenheit erreiche. Und es befriedige ihn, wenn die Kunden ihm bei Google mit 5,0 bewerteten. Diese Note habe ihm bis jetzt jeder, der sein Fahrrad zu ihm brachte und eine Rezension schrieb, gegeben: insgesamt 26 Personen.

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